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So fliessen die Ausgleiche 2018

Zürcher Gemeinden sind keine Firmen und können nicht konkurs gehen. Dafür sorgt nicht zuletzt der Finanzausgleich. Doch es gibt nicht nur Geld für Dörfer mit niedriger Steuerkraft; auch für Sonderlasten wie Kinder und hügelige Landschaft gibts Geld.

161,3 Millionen Franken fliessen 2018 an Ausgleich ins Unterland, 48,7 Millionen fliessen an Abschöpfung aus der Region weg.
161,3 Millionen Franken fliessen 2018 an Ausgleich ins Unterland, 48,7 Millionen fliessen an Abschöpfung aus der Region weg.
Uschi Kurmann

Boppelsen gilt, zumindest für Dielsdorfer Verhältnisse, als eine eher reiche Gemeinde. Dieser «Reichtum» bezieht sich freilich weniger auf allfällige Goldbarren im Gemeindehauskeller, denn viel mehr auf die relative Steuerkraft; ein Betrag, der aussagt, wie viel Steuern durchschnittlich pro Einwohner eingenommen würde, wenn der kommunale Steuerfuss bei 100 Prozent angesetzt wäre.

2016 lag dieser Betrag pro Bopplisser bei 3985 Franken. Zugegeben, von der Goldküste mit Werten von 11 439 (Zumikon) oder 12 490 Franken (Küsnacht) pro einzelnem Einwohner ist man am Lägernsüdhang noch ein ganzes Stück weit entfernt – doch abgesehen von Neerach (6008 Franken/Kopf) liegen die übrigen 20 Dielsdorfer Gemeinden unter dem kantonalen Mittel, das 2016 bei 3592 Franken lag. Nun folgt der innerkantonale Finanzausgleich grundsätzlich einem Solidaritätsprinzip.

Wer über mehr Steuerkraft verfügt als der Schnitt der Gemeinden, der soll was in den Topf einzahlen («Abschöpfung»), aus dem die steuerschwächeren Gemeinden Unterstützungsbatzen erhalten («Ressourcenausgleich»). So zahlten die Bopplisser in den letzten Jahren meist einen (wenn auch relativ kleinen) Beitrag in den kantonalen Finanzausgleich ein; knapp 290 000 Franken waren es 2016, rund 210 000 Franken waren für 2017 fällig.

Batzen für Kinder und Hügel

Aus den nun veröffentlichten provisorischen Zahlen für 2018 ergibt sich aber plötzlich ein anderes Bild: Als einzige Gemeinde des ganzen Kantons bringt das Furttaler Dörfchen das Kunststück fertig, Geld aus dem Finanzausgleich zu erhalten, obschon die für die Berechnung massgebliche relative Steuerkraft von 2016 über dem Kantonsmittel lag. Konkret wird Boppelsen im nächsten Jahr knapp 100 000 Franken beziehen.

Was auf den ersten Blick an den Bibelspruch «Wer hat, dem wird gegeben» (Mt. 25,29) erinnern mag, erschliesst sich dem Betrachter der Finanzbuchhaltung dann, wenn er die weiteren Ausgleichstöpfe berücksichtigt, die im Finanzausgleich existieren. Zwar macht der oben erläuterte Ressourcenausgleich für das Gros der Gemeinden den Löwenanteil jedweder Ausgleichszahlung (ob Abschöpfung oder Zuschuss) aus.

Doch über die Sonderlastenausgleiche kann auch anderweitig Geld fliessen. Eine Gemeinde, die über eine verhältnismässig geringe Bevölkerungsdichte und/oder starke Steigungen verfügt, kann dafür Unterstützungsbeiträge erhalten, den «geografisch-topografischen Sonderlastenausgleich», als Abgeltung für den Mehraufwand bei den Strassen, der Feuerwehr, beim Forst oder dem Gewässerunterhalt.

Von den 164 politischen Gemeinden, die ab 2018 im Kanton Zürich existieren (heute: 168), werden 37 von diesem Ausgleich profitieren und zusammen 19,8 Millionen Franken erhalten. Darunter fallen Wasterkingen, Eglisau, Schleinikon, Bachs, Oberembrach und Freienstein-Teufen – und Boppelsen.

Eine weitere Sonderlast kann ein Dorf geltend machen, wenn es besonders viele Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren hat. Diesen demografischen Sonderlastenausgleich beziehen 34 Zürcher Gemeinden (total 5,8 Mio. Franken), darunter Oberglatt, Hochfelden, Otelfingen, Lufingen, Hüttikon, Niederweningen, Rorbas – und Boppelsen.

Weil nun 2016 die Differenz zwischen der Steuerkraft von Boppelsen und vom Kanton nur gering ausfiel, zahlt das Dorf 2018 gerade mal gut 30 000 Franken in den Ausgleichtopf ein – diesem Betrag stehen die Sonderlastenausgleiche für Geographie/Topographie (knapp 90 000) und für Demographie (gut 40 000 Franken) gegenüber. So kommen am Ende 100000 Franken zusammen, die an Ausgleichsgelder nach Boppelsen fliessen.

Wallisellen gleicht Bülach aus

Über alle 44 Unterländer Gemeinden gerechnet fliessen im kommenden Jahr 161,3 Mio. Franken an Ausgleich in die Region (Vorjahr: 158,6 Mio.), während 48,7 Mio. an Abschöpfung eingezogen werden (Vorjahr: 69 Mio.). Ganz grob gerundet wird beispielsweise Wallisellen 2018 in den Topf in etwa das einzahlen (22,5 Mio.), was Bülach daraus erhält (21,1 Mio.).

Der Gesamtbedarf (netto) an Finanzausgleich des Unterlands, rund 112,6 Mio., wären allein durch die Abschöpfung in Küsnacht (84,6 Mio.) und Zumikon (27 Mio.) praktisch gedeckt. Übrigens werden von den 164 Gemeinden nur zehn eine Null im Gesamtotal ausweisen; also weder Geld aus dem Ausgleich erhalten noch einzahlen. Zu diesen «Nullergemeinden» gehören auch Nürensdorf und Rümlang.

Dietlikon und Regensberg, die 2017 zu den «Nuller» gehörten, wechseln aufgrund ihrer relativen Steuerkraft die Lager: Regensberg wird Nehmer-, Dietlikon Gebergemeinde.

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