Pro und Kontra

Soll die ewige Sommerzeit eingeführt werden?

Auch auf der Redaktion des Zürcher Unterländers ist man sich uneins, wenn es ums halbjährliche Schrauben an der Uhr geht.

Mal ehrlich: Wissen Sie, ob Sie die Uhrem im Herbst eine Stunde vor- oder zurückstellen müssen?

Mal ehrlich: Wissen Sie, ob Sie die Uhrem im Herbst eine Stunde vor- oder zurückstellen müssen? Bild: Keystone

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PRO

Martina Cantieni, Redaktorin

Seien wir ehrlich, bei der Frage nach Winter- oder Sommerzeit geht es in erster Linie um die ganz persönlichen Arbeitsbedingungen, die Freizeitgestaltung und die Schlafgewohnheiten. Während sich das Nordic-Walking-Grüppli im November über die helle Stunde am späten Nachmittag freut, ärgert sich am gleichen Tag der Arbeiter, der um 6 Uhr in der Bude war und seinen dritten Morgenkaffe noch immer in Dunkelheit trinken muss.

Wenn es schon keine Lösung gibt, die allen passt, dann sollten wir diejenige anstreben, die der Mehrheit Vorteile bringt. Das kann – wenn wir denn endlich mit dieser nervigen Zeitumstellung aufhören – nur die permanente Sommerzeit sein. Alles können wir sowieso nicht haben. Die Zahl der Sonnenstunden ist nun einfach mal vorgegeben. Wir können sie lediglich nach vorne oder hinten schieben.

Mir persönlich ist es egal, wenn es im Winter erst nach 9 Uhr hell wird. Es ist ja eh dunkel wenn ich aufstehe. Soll es doch noch eine Stunde länger so bleiben. Dafür habe ich am späteren Nachmittag oder frühen Abend noch ein wenig Helligkeit. Man stelle sich mal die Sommermonate mit Winterzeit vor. Mitte Juni würde die Sonne in Bülach schon um 4.30 Uhr aufgehen, abends wäre es dafür schon kurz vor 20.30 Uhr dunkel.

Was nützt es mir, wenn es so früh morgens hell wird? Die wenigsten von uns würden diese frühe Stunde des Lichts nutzen. Ganz im Gegensatz zu der hellen Abendstunde, die uns die Sommerzeit schenkt. Es ist einfach eine Tatsache, dass sich die Freizeit bei den meisten abends abspielt. Kinder spielen draussen, die Nachbarn geniessen ihren Garten und selbst um 21 Uhr kann man noch den Grill anschmeissen oder ohne künstliches Licht auf dem Balkon ein Buch lesen.

Und denken wir doch noch kurz an den Hitzesommer zurück. Hätte die ewige Winterzeit gegolten, so hätte uns die Hitze morgens jeweils noch früher mit voller Wucht erfasst. Die Sommerzeit hat uns doch immerhin die Möglichkeit geboten, früh zur Arbeit zu gehen und damit die kühleren Morgenstunden zu nutzen.

Und mir muss jetzt wirklich niemand damit kommen, dass die Winterzeit die «richtige» Zeit sei. Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Sommerzeit eine künstliche Schaffung des Menschen ist. Na und? Wenn sie für die Mehrheit von uns von Vorteil ist, dann sollten wir uns trauen, definitiv an der Zeit zu «schrauben».

martina.cantieni@zuonline.ch

KONTRA

Martin Liebrich, Redaktionsleiter

Gar noch nicht lange her, seit an dieser Stelle das Thema Sommerzeit diskutiert wurde. Genauer gesagt: Es war zum Anfang der Sommerzeit, Ende März. Seither ist nicht viel Zeit vergangen – doch genau diese könnte den Beginn einer neuen Zeitrechnung markieren.

Denn während in der Schweiz seit der Einführung der Sommerzeit im Jahr 1980 (das Volk war gegen diese Einführung, Bundesrat und Parlament taten es trotzdem) über deren Abschaffung diskutiert wird, geht es nun einen Schritt weiter – nur in eine komplett neue Richtung: Auftritt Jean-Claude Juncker. Der Präsident der Europäischen Kommission will die permanente Sommerzeit einführen, weil dies der Wunsch des Volkes sei.

Danke aber auch. Das würde nämlich heissen, dass wir in der Schweiz im Winter zu einer Zeit aufstehen müssten, die schlicht keinen Sinn ergibt. An den kürzesten Tagen würde die Sonne mitten im Morgen aufgehen, nämlich um etwa viertel nach neun Uhr. Weil mit der aufgehenden Sonne in der Regel auch die Temperatur steigt, würden davon allenfalls die Kleiderverkäufer profitieren: Es wäre länger kalt, und darum würden mehr wärmere Jacken benötigt. Dafür wäre es abends eine Stunde länger hell, die niemand braucht. Oder wollen Sie die Kerzen am Christbaum schon in der einsetzenden Abenddämmerung anzünden?

Die Winterzeit ist ja nicht einfach aus der Luft gegriffen. Sie wurde abgeleitet vom Lauf der Sonne. Entsprechend wurden die Zeitzonen eingeteilt. Aber klar: Theoretisch lassen die sich beliebig schieben. Wieso nicht gleich die Tage so einteilen, dass die Sonne erst nachmittags um vier aufgeht? Dann wäre es abends ganz lang hell, und wir hätten nach Feierabend prima Gelegenheit für alle möglichen Aktivitäten unter freiem Himmel.

Genau die Fixierung auf die abendlichen Aktivitäten ist ja das Problem: Wir sind gefangen in einem System, das einen Arbeitsbeginn der grossen Mehrheit irgendwann zwischen 7 und 9 Uhr verlangt. Das war schon immer so, und darum wird es auch nicht geändert. Statt dass also jeder für sich darüber nachdenkt, früher zur Arbeit zu erscheinen und so den Abend zu verlängern, schraubt man die Uhren vor. Das bedeutet: Die Sonne steht nicht mehr mittags im Zenit. Wenn Sie mich fragen, eine sehr schöne Parabel auf die Gegenwart: Wenn die Natur nicht passt, müssen wir sie halt irgendwie passend machen.

martin.liebrich@zuonline.ch

Erstellt: 07.09.2018, 16:54 Uhr

Martina Cantieni, Redaktorin: «Mir ist sehr wohl bewusst, dass die Sommerzeit eine künstliche Schaffung des Menschen ist. Na und? »

Martin Liebrich Redaktionsleiter: «Wieso nicht gleich den Tag so einteilen, dass die Sonne erst um 16 Uhr aufgeht?»

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