Wallisellen

Sonnenstrom vom Dach des Pfarreizentrums

Nun wollen auch die Walliseller Katholiken ihren eigenen Solarstrom produzieren. Gleichzeitig reut sie das Geld für eine ökologische Heizung.

An sonnigen Tagen wird sollen der Solarstrom auf dem Pfarreizentrum bald üppig fliessen.

An sonnigen Tagen wird sollen der Solarstrom auf dem Pfarreizentrum bald üppig fliessen. Bild: Paco Carrascosa

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Immer mehr Kirchen werden sich ihrer Verantwortung für die Schöpfung bewusst. Während die Katholische Kirche Embrach ein umfassendes Energie-Konzept erstellen will, soll in Wallisellen das Dach des Pfarreizentrums Sonnenstrom liefern. Die Katholische Pfarrei St. Michael, zu der die Kirchgemeinden in Wallisellen, Dietlikon und Wangen-Brüttisellen gehören, beantragt der Kirchgemeindeversammlung vom 28. Mai einen Kredit in der Höhe von 74 000 Franken. Damit soll auf dem Dach des Pfarreisaales sowie der angrenzenden Wohnungen eine Fotovoltaik-Anlage gebaut werden.

Auf rund 180 Quadratmetern nutzbarer Fläche rechnet man mit einer Jahresleistung von 30 000 Kilowattstunden; dies entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von 8 Vierpersonen-Haushaltungen. Vonseiten des Bundes und der Werke Wallisellen werden Fördergelder in der Höhe von 15 000 Franken erwartet. Die Nettoinvestitionen von rund 59 000 Franken sollten somit innert 24 Jahren auszahlen, schreibt die Kirchenpflege in der Zeitung Kurier Dietlikon.

Weiterhin fossil heizen

Der Auslöser für die Pläne sei gewesen, dass die Heizung in die Jahre gekommen sei, sagt Kirchenpflegepräsident Hanspeter Kündig. Um nicht zu riskieren, dass sie plötzlich kurz vor Weihnachten aussteigt und man in einer ungemütlich kalten Kirche feiern muss, habe man sich zum Ersatz entschieden. Bisher heizte man die Gebäude mit Gas und in Spitzenzeiten, wenn in Wallisellen zuweilen das Gas knapp wird, mit Erdöl. Das neue System soll nur noch auf Gas basieren. «Moderne Gasbrenner sind effizienter», erklärt Kündig, wieso das künftig möglich wird.

Eine ökologischere Variante mit Wärmepumpe, Erdsonden sowie Gas-Unterstützung hat die Kirchenpflege aus finanziellen Gründen verworfen. Die Investitionen wären mit 410 000 Franken deutlich höher ausgefallen als bei einer reinen Gasheizung, die auf rund 130 000 Franken zu stehen kommt. Der Budgetposten von 185 000 Franken im Investitionsplan wird somit nicht ausgeschöpft. Um dennoch etwas für die Umwelt zu tun, entschied man sich jedoch für die Solaranlage.

Zugleich will die Kirchenpflege in den nächsten Jahren die Gebäude in Wallisellen isolieren. Die prächtig farbigen Fenster in der Kirche sollen mit einem zusätzlichen Isolierglas versehen werden, Kellerdecke und Fassaden eine Wärmedämmung erhalten. In den Dietliker Bauten sind entsprechende Massnahmen bereits früher erfolgt.

Auf zum Grünen Güggel

Als weiterer Beitrag zur Nachhaltigkeit will die Kirchenpflege das Umwelt-Label Grüner Güggel erwerben. Dabei handelt es sich um ein auf Kirchen abgestimmtes Umweltmanagementsystem, das aus Deutschland übernommen wurde und zahlreiche Aspekte umfasst. Zuständige Kirchenvertreter nehmen verschiedene relevante Bereiche unter die Lupe und prüfen zum Beispiel, wo Energie und andere Ressourcen gespart werden können oder wo etwas für die Artenvielfalt getan werden kann.

In der gesamten Schweiz wurden bisher erst 20 Reformierte und Katholische Kirchgemeinden mit dem Grünen Güggel zertifiziert. Die Reformierte Kirche Bülach erreichte das Ziel im vergangenen Dezember. Sie hat ebenfalls eine Fotovoltaik-Anlage erworben. Weitere Massnahmen umfassten das Anbringen von Nistkästen für Mauersegler an den Gebäuden, die Gestaltung des Kirchenhügels für mehr Artenvielfalt, die Senkung des Papierverbrauchs, konsequentes Recycling verschiedener Materialien und die Umstellung auf LED-Beleuchtung.

«Wir haben Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen.»Hanspeter Kündig, Kirchpräsident

Die Reformierte Kirche Meilen, die 2015 unter den ersten Zertifizierten war, hat die Temperatur in der Kirche auf 12 Grad gesenkt. Nur während Gottesdiensten heizt sie auf 18 Grad und bietet Frierenden eine wärmende Decke an. Die Katholische Kirche Pfungen erreichte das Label 2017 mit Massnahmen wie einheimischen Pflanzen im Aussenbereich, wassersparenden Aufsätzen an Hähnen, Recyclingpapier, ökologischen Putzmitteln und Gummidichtungen an den Kirchtüren.

In Wallisellen will man im Laufe des Prozesses den Unterhalt der Liegenschaften sowie das Konsumverhalten im Sekretariat, in der Katechese und der Freiwilligenarbeit hinterfragen. Zudem sind liturgische Anlässe zum Thema Wahrung der Schöpfung geplant.

Kirchturm statt Ökoheizung

Wie aber passen die Bestrebungen zu mehr Umweltschutz zusammen mit der Installation eines neuen fossilen Heizsystems – einer Investition für mehrere Jahrzehnte? Soll doch die Schweiz ihre CO2-Emissionen bis spätestens 2050 auf netto null reduzieren. «Wir haben Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen», sagt Kirchpräsident Hanspeter Kündig. Zudem bestehe die Möglichkeit, Biogas zu verwenden, das keine klimaschädliche Wirkung hat.

Extrem arm scheint die Pfarrei St. Michael nicht zu sein. Die Jahresrechnung 2018 schneidet mit einem Ertragsüberschuss von knapp 190 000 Franken ab, womit das Nettovermögen auf 7,4 Millionen Franken steigt – davon 2,4 Millionen in Form von Liegenschaften. In Dietlikon will sich die Pfarrei dieses Jahr einen neuen Kirchturm leisten, der beinahe eine Million Franken kosten wird. Das Projekt ist aber aufgrund eines Streits wegen des Geläuts immer noch beim Verwaltungsgericht hängig. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 14.05.2019, 17:32 Uhr

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