Regensdorf

«Sonnhalde» - eine Hommage an den Mikrokosmos

Sergej Tratar Baamonde wuchs vor 40 Jahren im Quartier Sonnhalde auf und hat sich mit den Jahren so seine Gedanken gemacht. Als Rapper «Sema.ntik» erzählt er heute von den Nöten und Sehnsüchten der Seelen.

Hier im Mikrokosmos Sonnhalde erinnert Sergej Tratar Baamonde jede Ecke an seine Kindheit. Als Rapper Sema.ntik ist sein Album «Sonnhalde» eine Hommage an die Plattenbausiedlung und ihre Menschen.

Hier im Mikrokosmos Sonnhalde erinnert Sergej Tratar Baamonde jede Ecke an seine Kindheit. Als Rapper Sema.ntik ist sein Album «Sonnhalde» eine Hommage an die Plattenbausiedlung und ihre Menschen. Bild: beb

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Der Zürcher Rapper Sema.ntik schaut sich um. Hier auf diesen Hügeln im Quartier Sonnhalde tollte er als Kind herum, bekletterte die Spielplastik Lozziwurm, traf Kollegen und irgendwo im Windschatten der Blicke, paffte er wohl auch seine erste Zigarette. Jetzt, Jahrzehnte später, hebt er die dunkle Brille und schaut hinunter zu einer Eingangstüre der Adresse Steinstrasse 14. «Hier waren wir daheim», sagt er. Eine Gastarbeiterfamilie unter vielen. Sechs unter 2400. Vater aus dem Ex- Jugoslawien, Mutter Spanierin, vier Kinder.

Er ist zurück…

Ein paar Jährchen älter, leicht ergraut und mit dem eigenen presswarmen Album in der Lederjacke, steht er jetzt da. «Sonnhalde» heisst die Scheibe. Eine Hommage an eine wunderbare Jugend in der menschenfreundlichen Mustersiedlung mit Blick auf Zürich. Die Sonnhalde ist seine Heimat. «Heimat ist kein Ort, sondern ein Gefühl», flüstert er. Und an der Art wir wie er das sagt ahnt man - es muss in der Sonnhalde ein verdammt schönes Gefühl gewesen sein. Schon klar, für die Kids war es paradiesisch. Die Flächen zwischen den Blöcken nahmen sie als riesigen Spielplatz in Beschlag.

Erster Videoclip zum Album "Sonnhalde" von Semantik - Erscheinungsdatum 23.02.2018 (Quelle: Youtube)

«Das ganze Quartier ist ein Mikrokosmos, das Spiegelbild eines grösseren Ganzen. Das war es zu den Zeiten als das Quartier noch lebte, aber auch danach, als Unkraut die Bänke umwucherte, die Läden geschlossen und die Brücke über den Teich wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde», sagt er und fährt fort, «die Bedürfnisse der Menschen wurden vergessen und die Menschen haben reagiert. So etwas passiert heute überall. Doch im Mikrokosmos zeigen sich die Auswirkungen schneller und deutlicher.»

…aktiv und erfolgreich…

Im richtigen Leben heisst er Sergej Tratar Baamonde und arbeitet im Opernhaus Zürich als Bühnenmeister. «Dienstleister für die Kunst», erklärt er. Seit 1999 rappt er unter dem Pseudonym Sema.ntik, und zwar ziemlich aktiv und erfolgreich. 2008 war Release des ersten Soloalbums «Willkomme diheime», 2010 folgte «Molotow» und 2012 «Grand Theft Audio III».

Googelt man seinen Namen, so trifft man auf zahlreiche Einträge, ab und zu auch im Zusammenhang mit Musikgrössen wie zum Beispiel dem Bündner Rapper Gimma oder dem Blues Artist Philipp Fankhauser. Sema.ntiks eigene Band «Cave Canem» hat ihren Proberaum in Otelfingen. «Cave Canem" ist lateinisch und bedeutet «Hüte dich vor dem Hund». Auf einem Fussbodenmosaik der Ruinen von Pompeji fand man die Warnung unter einem Berg von Schutt und Asche. Buddelt man das Herz Sema.ntiks aus, so schlummern darin leise und laute Töne, der Blues und schonungslos offene Worte. Einen Sonderplatz haben ein 15-jähriger Teenie und dessen 11-jährige Schwester.

«Alleinerziehender Vater mit allen Vor- und Nachteilen», kommentiert er diesen Fund und betont, dass das in dieser Art nur dank der guten Übereinkunft mit der Mutter der Kids funktioniere.

…mit Überzeugung…

«Ich mache Musik für die Menschen aus innerer Überzeugung. Ich denke, ihre Seelen und Wesenszüge sind schlussendlich alle recht ähnlich. Ob vom «Bonzenhügel» gleich nebenan oder von der Plattenbausiedlung Sonnhalde - tief im Innersten sind die Wünsche und Nöte gar nicht mal so verschieden», sagt er und erklärt dann, dass alle Menschen doch Anerkennung und Gemeinschaft, Liebe oder irgendeine Form von Miteinander, Verständnis und einem Leben auf der Sonnenseite suchen.

Als Künstler wirft er mit Fragmenten um sich, mal wütend, mal sanft, doch immer auf den Punkt. Sergej Tratar Baamonde hingegen, windet Satzgebilde mit philosophischem Touch, grammatikalisch astrein und pfannenfertig druckreif. «Man nimmt mich wahr als hartgesottenen Rapper. Ich versuche aber den Texten eine gewisse Hoffnung und Intelligenz zu geben», sagt er.

… und cool

Das Album «Sonnhalde» entstand in der Zürcher Wohnung des Heimwehsonnhalders. Den Klangteppich legte der Multiinstrumentalist Eugenio Chiais. «Sugar» und «Cool» laufen bereits auf YouTube und Facebook. Bei «Cool» kommt die «Sonnhalde» gross heraus. Im alten Mercedes fährt «Sema» durch die Gassen und rappt in Zürcher Slang: «Ich habs geschafft durch den Herbst, geschafft durch den Winter, geschafft durch den Frühling, es ist Sommer für immer.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 22.02.2018, 14:12 Uhr

Infobox

Das Album «Sonnhalde» ist ab Freitag, 23. Februar 2018 über die Homepage www.semantik.ch, auf iTunes, auf www.cede.ch oder über Facebook Sema.ntik erhältlich.

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