Notrettung

Spital Bülach bildet Polizeikorps aus

Der Rettungsdienst des Spitals Bülach hat die kommunale Polizei von Rümlang, Oberglatt, Niederhasli und Niederglatt zu sogenannten First Responder ausgebildet.

Seit Kurzem arbeiten die Polizei RONN (Rümlang, Oberglatt, Niederhasli, Niederglatt) verstärkt mit dem Rettungsdienst des Spitals Bülach zusammen. Im Bild: die Polizisten Mike Müller (links) und Markus Nünlist sowie die Rettungssanitäter Sebastian Kaschel (oben) und Christian Bühler.

Seit Kurzem arbeiten die Polizei RONN (Rümlang, Oberglatt, Niederhasli, Niederglatt) verstärkt mit dem Rettungsdienst des Spitals Bülach zusammen. Im Bild: die Polizisten Mike Müller (links) und Markus Nünlist sowie die Rettungssanitäter Sebastian Kaschel (oben) und Christian Bühler.

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Die Polizei als Freund und Nothelfer: Unter diesem Motto hat die kommunale Polizei RONN (Rümlang, Oberglatt, Niederhasli, Niederglatt) beim Spital Bülach eine Weiterbildung absolviert. Als «First Responder» sind die Helfer vor Ort und überbrücken die lebenswichtige Zeit zwischen dem Eintreten des Notfalls und dem Eintreffen der professionellen Rettungskräfte. Im Rahmen der Ausbildung, die das Spital Bülach der Polizei angeboten hat, haben die Beamten einen eintägigen Kurs besucht und konnten daraufhin den Rettungsdienst als Praktikanten begleiten.

Defibrillator und Oxylator

In der Polizeiausbildung findet eine fundierte Erste-Hilfe-Ausbildung statt, auch der Einsatz des Defibrillators wird geschult, sagt Polizeichef Beat Schneider. In der zusätzlichen Weiterbildung des Rettungsdienstes des Spitals Bülach stehen demgegenüber vor allem Herzkreislaufprobleme im Vordergrund: Die Beamten lernten den vertieften Umgang mit ihrem Defibrillator, einem erweiterten Erste-Hilfe-Koffer sowie einem Oxylator, einem automatischen Beatmungsgerät, die fortan in jedem Einsatzwagen mitfahren. Zentral sei aber auch die Zusammenarbeit – und Verantwortungsübergabe – an den Rettungsdienst, sobald dieser eingetroffen ist. «Ziel des Programms ist es, die Interventionszeiten zu verkürzen und die Abläufe im medizinischen Notfall zu optimieren», erklärt Schneider.

Der Defibrillator, den die Polizei RONN einsetzt, lässt sich unkompliziert mit dem Überwachungsmonitor des Rettungsdienstes verkabeln. (Bild: Paco Carrascosa)

Nach wie vor muss auch in den RONN-Gemeinden bei einem medizinischen Notfall die Nummer 144 gewählt werden. Diese entscheidet über das Aufgebot der First Responder und alarmiert sie über Pager und via Handy. So wurde der Polizist Markus Nünlist bereits auf die Probe gestellt. «Wir waren gerade mit dem Abendessen fertig, als eine Nachricht aufs Handy kam: Eine Person sei in der Küche zusammengebrochen», schildert er. «Wir mussten vom Schlimmsten ausgehen.» In solchen Fällen sei es gut und wichtig, sich im Gemeindegebiet gut auszukennen. Letztlich sei der Patient aber bereits wieder ansprechbar gewesen, als der Rettungsdienst eintraf. Nünlist unterstützte sodann noch beim Transport. Seit März wurde die Polizei RONN zwei Mal aufgeboten, wobei Ende Mai in Niederhasli der Defibrillator zum Einsatz kam und die Reanimation erfolgreich war.

Höhere psychische Belastung

Die Belastung bei solchen Einsätzen sei höher als in anderen Fällen, erzählt er. «In unserem Einsatzgebiet geht es zum Glück nicht oft um Leben oder Tod. Als wir ausrückten, habe ich aber auch gestaunt, wie ich in der Situation einfach funktioniert habe. Das Überlegen kommt erst danach.» Im Krisenfall steht den Beamten psychologische Betreuung zur Verfügung.

Im Koffer der Polizei RONN (Mitte, rot) ist neben dem Oxylator auch ein erweitertes Erste-Hilfe-Set enthalten. (Bild: Paco Carrascosa)

Doch er sei auch froh, dass gewisse Aspekte nicht in der medizinischen Verantwortung der Polizei liege – etwa eine Intubation, bei der einem bewusstlosen Patienten ein Tubus eingeführt wird, um einen sicheren Atemweg herzustellen. Dies liegt in der Kompetenz eines Notarztes. «Die Polizeibeamten beginnen wenn nötig mit der Reanimation, bis wir eintreffen», erklärt Christian Bühler, Rettungssanitäter und Ansprechsperson für Partner des Spitals Bülach. «Dann übernehmen wir die Führung, nehmen den Rapport der Polizei auf und koordinieren die Beamten weiterhin als unsere Unterstützer.»

Vollständige Finanzierung durch Spital

Das Spital Bülach bietet die Ausbildung zu First Responders seit 2016 an und finanziert diese auch vollständig. Die Stadtpolizei Bülach machte den Anfang. Seitdem baut das Spital Bülach die Zusammenarbeit mit regionalen Blaulichtorganisationen aus, unter anderem auch mit der Feuerwehr Rafz/Wil. Derzeit bereiten auch die Feuerwehr Wehntal sowie die Feuerwehr Eglisau-Hüntwangen-Wasterkingen den Einsatz eines «First-Responder-Teams» vor. «Idealerweise gäbe es nicht nur in Blaulichtorganisationen, sondern in allen Unternehmen betriebliche Nothelferinnen und Nothelfer – in einigen Notfällen können Sekunden ein Leben retten», sagt Urs Kilchenmann, Mediensprecher des Spitals Bülach.

Erstellt: 24.06.2019, 17:40 Uhr

Infobox

So läuft die Zusammenarbeit zwischen der kommunalen Polizei RONN und dem Rettungsdienst ab.


  • Frau Müller aus Rümlang (als Beispiel) meldet sich auf der Notrufnummer 144: Ihr Ehemann ist zusammengebrochen.

  • Die Einsatzleitzentrale nimmt auf, wo der Einsatzort ist, was genau geschehen ist, ob der Patient ansprechbar ist und ob die Atmung vorhanden ist. Dann übermittelt sie den Einsatzbefehl über Pager und per SMS an die Polizei RONN, die mitunter für Rümlang zuständig ist.

  • Die First Responder der Polizei treffen sechs Minuten nach dem Anruf am Einsatzort ein und versuchen, Herrn Müller zu reanimieren. Dabei kommt der Defibrillator zum Einsatz.

  • Wenige Minuten später trifft der Rettungsdienst des Spitals Bülach ein. Die First Responder werden abgelöst und geben dem Team alle wichtigen Informationen zu den eingeleiteten Massnahmen.

  • Der Patient wird mit Blaulicht ins Spital Bülach gefahren und weiter versorgt.

  • Der Einsatz wird mit dem Rettuntgsdienst nachbesprochen und dokumentiert. Falls psychische Probleme auftreten, wird ein ausgebildetes Krisenteam eingeschaltet. (sam)

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