Bezirksgericht Bülach

Staatsanwältin fordert dreimal lebenslänglich und eine Verwahrung

Der Mordprozess wird mit den Plädoyers von der Staatsanwältin und den Verteidigern fortgesetzt.

Am Bezirksgericht Bülach werden zurzeit zwei grausame Morde verhandelt.

Am Bezirksgericht Bülach werden zurzeit zwei grausame Morde verhandelt. Bild: Archiv

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«Er ist gefährlich und gehört verwahrt»: Die Staatsanwältin fordert vom Bezirksgericht Bülach, dass es für die Taten eines 29-jährigen Schweizers die Höchststrafe ausspricht. Er hat zwei Menschen auf grausamste Weise getötet. Die Opfer waren vor ihrem Tod stundenlang gefesselt, bevor ihnen jeweils Mund und Nase zugeklebt wurden und sie bei vollem Bewusstsein qualvoll erstickten. Die Staatsanwältin sagte gestern bei ihrem Plädoyer: «Ich wüsste nicht, was noch schlimmer sein könnte, als die hier vorliegende Tat.» Morden lägen oft persönliche Beziehungen oder psychische Probleme zugrunde. Der Beschuldigte sei aber psychisch nicht gestört und habe eines der Opfer nicht mal gekannt.

Der 29-Jährige hat nach seiner Verhaftung zuerst alle Vorwürfe bestritten. Nach und nach hat er die Morde jedoch zugegeben. Trotzdem sind seine Aussagen oftmals unglaubwürdig. So behauptet er, dass ihn die serbische Mafia mit den Taten beauftragt habe. «Der Beschuldigte verfing sich bei der Befragung zur serbischen Mafia immer wieder in Widersprüchen.» So habe er am Anfang gesagt, dass er der Mafia 65000 Franken schulde. Am Schluss sollen es dann mehrere 100000 Franken gewesen sein. Ohnehin habe sich der Haupttäter bei den Befragungen oft prächtig amüsiert und teilweise sogar gelacht. «Er zeigt keine Spur von Reue», sagte die Staatsanwältin. Und deshalb ist für sie klar, dass bei ihm ein grosses Rückfallrisiko für weitere Tötungsdelikte besteht. «Nur drei Tage nach dem zweiten Mord, suchte der Beschuldigte im Internet schon wieder nach einer neuen Schusswaffe.» Er habe demnach weitere Taten geplant.

Die Staatsanwältin fordert eine lebenslängliche Freiheitsstrafe sowie eine Verwahrung. Neben des mehrfachen Mordes, soll sich der Beschuldigte diverser weiterer Delikte schuldig gemacht haben. Darunter zum Beispiel des mehrfach quailifizierten Raubes, des versuchten gewerbsmässigen Betrugs und der Störung des Totenfriedens.

Lebenslängliche Strafen für Komplizen gefordert

Auch für die Ehefrau und den langjährigen Kollegen des Hauptbeschuldigten fordert die Staatsanwältin lebenslängliche Freiheitsstrafen. Sie sollen in die Pläne des 29-Jährigen eingeweiht gewesen sein und ihn sogar dabei unterstützt haben. Vor allem beim zweiten Verbrechen, das als Mordfall Boppelsen bekannt geworden ist, sollen die beiden eine wichtige Rolle gespielt haben. Dort sind sie ebenfalls wegen Mordes angeklagt. Sie hätten ganz genau gewusst, wie das Opfer – ein 36-jähriger Lastwagenbesitzer aus Bülach – überwältigt werden soll und was danach mit ihm passieren würde. «Am Tattag telefonierte der Kollege insgesamt 2 Stunden und 26 Minuten mit dem Hauptbeschuldigten, die Ehefrau 1 Stunde und 34 Minuten.» Es müsse also eine detaillierte Absprache untereinander erfolgt sein, führte die Staatsanwältin aus.

Die mutmasslichen Komplizen stritten bei der Befragung durch das Gericht strikt ab, etwas von den Tötungsabsichten des Haupttäters gewusst zu haben. Sie wollten ihm lediglich helfen, einen Lastwagen zu stehlen. Mit Gewalt hätten sie dabei nicht gerechnet. «Die Beschuldigten haben sich eine Geschichte zurechtgelegt.» Sie hätten kein Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer. «Ihretwegen werden diese nie die Wahrheit erfahren», sagte die Staatsanwältin. Von einer Verwahrung sieht sie bei den beiden Komplizen jedoch ab.

«Nur wegen Geldsorgen wird man nicht zum Mörder»

Der Verteidiger des Hauptbeschuldigten wendete sich zu Beginn seines Plädoyers an die Angehörigen der beiden Opfer: «Mein Mandant hat durch sein Handeln grosses Leid über Sie gebracht. Ich möchte mich bereits jetzt dafür entschuldigen, dass ich Ausführungen machen muss, welche Sie nicht nachvollziehen oder Sie gar verletzen können.» Dies liege in der Natur der Sache. Der Verteidiger spricht zwar auch von verstörenden Taten, doch die beiden Tötungsdelikte würden so gar nicht zum Wesen und zur Biografie des Beschuldigten passen.

Anders als die Staatsanwältin und die beiden Mitbeschuldigten glaubt der Verteidiger die Geschichte mit de Serbenmafia. «Dies wird pauschal als Schutzbehauptung zurückgewiesen. Doch das Verhalten meines Mandanten ist nicht erklärlich, wenn man sich die Serben wegdenkt.» Niemand werde wegen Geldsorgen zum Mörder. Da müsse schon etwas grösseres dahinter stecken, ist sich der Verteidiger sicher.

Erstellt: 16.09.2019, 15:26 Uhr

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