Kloten

Stadt hat mehrere Angebote fürs alte Doktorhaus bekommen

An prominenter Ecke zwischen Autobahn, Haupt­strasse und Kaserne zeichnet sich in Kloten eine Veränderung ab. Das dortige Grundstück mit einem Herrschaftshaus samt Scheune und Waschhäuschen könnte schon bald zu neuem Leben erweckt werden. Die Stadt will das Geschenk loswerden.

Fast wie ein Märchen hört sich die Geschichte zuweilen an, in der die Stadt Kloten ganz unerwartet zu diesem alten Herrschaftshaus kam.

Fast wie ein Märchen hört sich die Geschichte zuweilen an, in der die Stadt Kloten ganz unerwartet zu diesem alten Herrschaftshaus kam. Bild: Christian Wüthrich

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Die Angebotsfrist ist verstrichen. Und es gibt Interessenten für das stattliche Anwesen im Klotener Lindengarten. Bis Ende April hatte die Stadt potenziellen Käufer aufgefordert ihre Vorstellungen, Ideen und Pläne für eine künftige Nutzung des Grundstücks mit dem alten Doktorhaus und weiteren Nebengebäuden einzureichen. Denn die Stadtregierung selbst hat keine gescheite Verwendung für dieses spezielle Geschenk ausmachen können, das den Klotenern vor ein paar Jahren überraschend zugefallen ist.

Nun bestätigt der städtische Liegenschaftenverwalter Marcus Zunzer: «Es sind mehrere Kaufangebote eingegangen.» Interessant wird es vor allem, wenn es um die künftige Verwendung des Lindengartengrundstücks geht. Doch hierzu hält er sich weitgehende bedeckt. «Die vorgeschlagenen Nutzungen sind sehr verschiedenartig und bewegen sich im Rahmen der Nutzungsstudie, die im Auftrag des Stadtrates erarbeitet wurde.»

Eine Jugendherberge für Backpacker?

Einen konkreten Verkaufs- oder zumindest einen Verhandlungspreis erfährt man ebenso wenig wie Namen von Interessenten für das Anwesen. Zunzer verrät indes: «Zum einen sind es zonenbedingt gewerbliche Nutzungen, die sich an der Vergangenheit des Doktorhauses orientieren – polyvalente Nutzungen mit Tieren.»

Damit wollen einige Interessenten ganz offensichtlich das Potential des Grundstückes in der landwirtschaftsorientierten Freihaltezone ausschöpfen. Aber es gebe auch ganz andere Angebote, deren Absender mit ihren Ideen «in Richtung Beherbergung» gingen. Wird Kloten gar eine Jugendherberge bekommen für jugendliche Backpacker aus aller Welt?

Da die eingereichten Konzepte «sehr vielfältig, verschiedenartig und spannend» seien, soll den Kaufinteressenten zunächst die Gelegenheit geboten werden, ihre Konzepte persönlich dem Stadtratsgremium vorzustellen. Voraussichtlich werde dies Ende Mai oder dann im Juni geschehen, heisst es. Anschliessend werde die Stadtregierung die Angebote bewerten – «auch mit Bezug auf die Umsetzungschancen», gibt Liegenschaftenverwalter Zunzer zu verstehen. Erst danach soll entschieden werden, welches der Projekte für die Stadt Kloten den grössten Wert beinhaltet.

Der zuständige Klotener Stadtrat Mark Wisskirchen (EVP) sagte schon im Vorfeld der Verkaufsausschreibung: «Wir können die Liegenschaften nicht verlottern lassen, es gibt gewisse Unterhaltspflichten.» In diesem Fall gilt das ganz besonders. Denn das alte Doktorhaus mit Baujahr 1821 steht unter kantonalem Denkmalschutz. Da schaut der Kanton, insbesondere die Baudirektion, ganz genau hin, was mit dem fast 200-jährigen Haus nun passiert.

Statt Verkauf auch Vergabe im Baurecht möglich

Die Herausforderung besteht darin, eine Nutzung zu finden, die an jenem lärmgeplagten Ort zwischen Hauptstrasse und Autobahn, direkt in der Ostanflugschneise, Sinn macht und langfristig einen erfolgreichen Fortbestand der Liegenschaft verspricht. Abreissen und neue Investmentbauten hochziehen geht jedenfalls nicht.

Dass die Stadt Kloten das Anwesen definitiv aus den Händen gibt, ist übrigens noch nicht besiegelt. «Das ist zum heutigen Zeitpunkt offen», heisst es auf Anfrage. Dies, weil es den Bietenden freigestellt war ein Angebot zum Kauf oder im sogenannten Baurecht einzureichen. Bei letzterem würde das Grundstück im Eigentum der Stadt bleiben, dürfte aber gegen einen Zins über eine längere Frist genutzt werden. «Es liegen beide Arten von Angeboten vor», bestätigt die Kommunikationsstelle der Stadt Kloten.

Das alte Herrschaftshaus mit Baujahr 1821 ist nur dank der grosszügigen Geste einer alten Klotener Familie ins Eigentum der Stadt übergegangen. Im Lindengarten wohnten nämlich Emil und Erika Altorfer. Der ehemalige Stadtrat und Bauer sowie die einzige Tochter des Ehepaares waren beide schon Jahrzehnte tot, als am 30. März 2011 auch die Ehefrau und Mutter als letzte Besitzerin verstarb.

Die Testamentseröffnung sorgte für grosses Staunen – die Altorfers vererbten Kloten nämlich nicht nur das ganze Anwesen samt den Liegenschaften im Lindengarten, sondern auch eine Quelle, Wald, Reben und weitere Ländereien. Kurz darauf vermeldete Kloten, dass das unerwartete Erbe mit rund 1,5 Millionen Franken aktiviert worden sei in den Büchern der Stadt.

Erstellt: 11.05.2018, 17:40 Uhr

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