Wahlkampfbudgets

Stolze Summen fliessen in den Wahlkampf

In drei Wochen ist Wahltag und somit politischer Zahltag. Wir haben 25 Unterländer Kandidierende gefragt, wie viel sie in den Wahlkampf stecken. Zum Teil sind es fünfstellige Summen.

Im Kampf um einen Platz im Nationalratssaal greifen manche tief in die eigene Tasche. Foto: Agentur

Im Kampf um einen Platz im Nationalratssaal greifen manche tief in die eigene Tasche. Foto: Agentur

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Nebst den drei Bisherigen, buhlen dutzende Unterländer um einen Sitz im Nationalrat. Und manche lassen sich das viel Geld kosten. Buchstäblich eine rechte Stange Geld investiert das bürgerliche Duo Jürg Sulser (SVP, Otelfingen) und Christian Müller (FDP, Steinmaur). Beide haben für eine Umfrage des «Zürcher Unterländers» ihr Wahlkampfbudget offengelegt.

Ganz im Gegensatz zu einigen weiteren Kandidierenden aus der Region. Von den 25 gezielt angefragten Personen, haben acht keine Angaben zu ihrem Wahlkampfbudget gemacht oder gar nicht auf die Anfrage geantwortet (siehe Tabelle). Darunter ist auch die bisherige Nationalrätin Barbara Steinemann (SVP, Regensdorf).

Sie habe bei einer früheren Umfrage zum selben Thema einigen Ärger gehabt hinterher, meint sie. Deshalb verzichte sie darauf irgendwelche konkreten Angaben zu machen. «Ich sage mal so viel: Ich bezahle meinen Wahlkampf zu 100 Prozent selber.»

Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen) gibt zu bedenken, dass die Bezirkspartei ein Budget von rund 20000 Franken für den Wahlkampf hat. Die Kandidaten würden sich mit 2000 Franken daran beteiligen. Persönliche Wahlkampfausgaben erachtet er als Privatangelegenheit. Nur so viel räumt der Gemeindepräsident Hüntwangens zu seinem Budget ein: Die Summen sind nicht riesig. Sponsorengelder seien daher willkommen. «Bis jetzt stehen mir diesbezüglich 1000 Franken zur Verfügung, die ich in ein Inserat in einem anderen Bezirk investiert habe.»

Dezidiert keine näheren Angaben machen, wollte auch der Bassersdorfer Kantonsrat und EDU-Nationalratskandidat Thomas Lamprecht, der da und dort von einem Plakat grüsst. Er sei schon für Transparenz bei der Finanzierung politischer Kampagnen und er sei auch transparent innerhalb seiner Partei. «Aber eine Transparenz gegenüber nicht direkt Betroffenen im Sinne von gläsernen Institutionen und gläsernen Bürgern lehne ich ab.» Das würde die Privatsphäre der Parteimitglieder und Spender missachten und wäre nicht vereinbar mit Grundrechten der Verfassung wie Eigentum, Privatsphäre oder Freiheit, findet Lamprecht.

Unternehmer-Duo investiert am meisten

Mit 75000 Franken stammt die grösste konkret genannte Zahl zur Wahlkampffinanzierung von Sulser. Der 58-jährige Unternehmer und Kantonsrat hat aber auch die höchste Spendensumme, auf welche er zurückgreifen kann: 35000 Franken. «Der Rest wird aus eigener Tasche finanziert», schreibt Sulser. Und hält fest: «Von der Partei gibt es kein Geld für den Nationalratswahlkampf.»

In ähnlichen Sphären bewegt sich der freisinnige Christian Müller, der wie Sulser Unternehmer und Kantonsrat ist. Nun will er als Nationalrat nach Bern und setzt dafür gemäss eigenen Angaben «einen höheren 5-stelligen Betrag» ein. Für seine Kampagne erfährt der 54-jährige eine «breite Unterstützung durch Privatpersonen, welche mir auf verschiedenen Wegen eine kostenlose Werbe-Präsenz ermöglichen». Wie diese Unterstützung genau aussieht, lässt er jedoch offen. Ausserdem gibt der Mann aus Sünikon an, dass er auch aus der Wählerschaft, von Freunden und Bekannten einen willkommenen «Zustupf» erhalte.

Während Müller auf der FDP-Liste auf dem 26. Platz erscheint – die Zürcher Freisinnigen haben derzeit 5 Sitze im Nationalrat – so steht Sulser auf dem 14. Platz der SVP-Liste. Das ist nur zwei Plätze entfernt von einem Bisherigen, denn die Zürcher SVP hält in der grossen Parlamentskammer aktuell 12 Sitze. Es ist klar: Dank dem grosszügigen Mitteleinsatz soll der Sprung unter die Gewählten gelingen. Wobei dabei noch viele weitere Faktoren wie die politische Grosswetterlage – Stichwort: grüne Welle – eine Rolle spielen dürften.

Dass man sich einen Sitz in Bern nicht auf sicher kaufen kann, dürfte alle übrigen Kandidierenden trösten. Insgesamt geben jedoch weitere sechs Kandidatinnen und Kandidaten an, 10000 Franken oder mehr aufzuwenden für die anstehende Nationalratswahl. Zwischen den beiden Bisherigen – Thomas Hardegger (SP, Rümlang) mit total 29000 Franken und Priska Seiler Graf (SP, Kloten) mit 22300 Franken – liegt Hans Egli (EDU, Steinmaur), der insgesamt 24620 Franken ausgibt. Der grösste Teil (21100) stamme von diversen Spendern, über die nichts Näheres gesagt wird. Sein stolzer Einsatz erklärt sich mit den grossen Hoffnungen, was auch mit seinem Listenplatz zusammenhängt. Als erfahrener Kantonsrat und Parteipräsident fungiert er als Spitzenkandidat auf dem 1. Platz bei der EDU.

Spitzentrio der SP erhält je 16000 Franken

Barbara Schaffner (GLP, Otelfingen) lässt sich ihren Wahlkampf 10000 Franken kosten, wovon die Hälfte aus Spender der Familie und von Bekannten stammt. Sie setzt fast vollständig auf Onlinewerbung mit professionell gestalteten Filmen. Primär auf den Online-Kanal setzt auch ihr Parteikollege Jörg Mäder (Opfikon), der unter 10000 Franken bleiben will.

Ebenfalls fünfstellige Ausgaben für Wahlkampf macht Michèle Dünki (SP, Glattfelden), die als dritte im Bunde der Unterländer Sozialdemokraten – wie ihre zwei Mitstreiter aus der Region – mit 16000 Franken von der Partei unterstützt wird und insgesamt 19000 Franken aufwendet. Das Geld der Partei stammt namentlich aus Rückstellungen von Mitgliederbeiträgen sowie Abgaben, welche die SP-Behördenvertreter aus ihren Mandaten ziehen können und an ihre Mutterpartei entrichten müssen.

Die SP legt – wie beispielsweise auch die Grünen – alles offen, und hat die Zahlen auch im Internet aufgeschaltet (spkantonzh.ch/wahlen/transparenz). «Die SP setzt sich immer für Transparenz ein, da muss man den Worten auch Taten folgen lassen», sagt Priska Seiler Graf, die amtierende Klotener Kantonalpräsidentin der Partei.

Erstellt: 27.09.2019, 19:34 Uhr

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