Bezirksgericht Dielsdorf

Streit endet mit Messerstichen

Aus einer Schlägerei unter Kindern ist in einer Unterländer Gemeinde ein Streit unter Erwachsenen geworden. Eine Mutter aus Kuba wehrte sich dabei mit einem Messer. Dafür wurde sie nun zu einer Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Eine 37-jährige Kubanerin wurde am Freitag vom Dielsdorfer Bezirksgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt.

Eine 37-jährige Kubanerin wurde am Freitag vom Dielsdorfer Bezirksgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt. Bild: Johanna Bossart

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Eine zuletzt im Unterland wohnhafte Kubanerin ist am Freitag vom Dielsdorfer Bezirksgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Die 37-Jährige hatte in einem Nachbarschaftsstreit ein Messer eingesetzt und einen Mann leicht verletzt. Die Staatsanwaltschaft wollte die Frau aus der Karibik gar für neun Jahre hinter Gitter schicken.

Es war ein lauer Sommerabend im Juni 2017 als der 8-jährige Sohn der Kubanerin weinend und mit blauen Flecken im Gesicht und am Oberkörper nachhause kam. Er sei auf dem Spielplatz von anderen Kindern geschlagen worden. Da es nicht das erste mal war, machte sich die Mutter zusammen mit dem Sohn auf den Weg, die Übeltäter zur Rede zu stellen. Zu ihrem eigenen Schutz, wie sie vor Gericht aussagte, steckte sie zuvor ein Küchemesser mit einer Klingenlänge von rund 9,5 Zentimetern in ihre Gesässtasche.

Nach etwas Herumfragen gelangte sie schliesslich zu den Schlägern — einem zehn- und einem dreizehnjährigen Jungen. Sie schimpfte mit ihnen, offen ist, ob sie einem der Jungen auch eine Ohrfeige erteilt hatte. Das Messer kam bei dieser Auseinandersetzung aber noch nicht zum Vorschein.

Von anderen Kindern erfuhr die Mittelamerikanerin, dass eine Nachbarin ihren Sohn am Arm gepackt hatte und ihm gesagt haben soll, er solle sich auf dem Spielplatz nicht mehr Blicken lassen.Das wollte die Kubanerin nicht auf sich ruhen lassen. Sie suchte die Frau in ihrer Wohnung auf. Es kam zum verbalen Streit, das Küchenmesser blieb weiterhin unbemerkt in der Hosentasche.

Zwei verschiedene Versionen

Auf der Suche nach der Kubanerin tauchte schliesslich der Vater einer der Jungen vom Spielplatz an der Türe auf, in der Annahme, dass sein Sohn von der Kubanerin geschlagen worden sei. Danach existieren zwei verschiedene Versionen der Ereignisse. Laut der Kubanerin habe der Vater sofort begonnen nach ihr zu treten und zu schlagen und hätte sie auf italienisch als Nutte beschimpft.

Danach habe er sie mit beiden Händen am Hals gepackt, worauf die Kubanerin sich mit einem Messerstich in den Unterbauch zur Wehr setzte. Danach habe sie ihn nochmals am Arm verletzt. Bei einem Gerangel um das Messer, bei welchem dann auch der Sohn der Kubanerin mitmischte, habe sich das Kind auch noch an der Hand verletzt. Dann sei die Auseinandersetzung abgebrochen worden.

Der Angegriffene hingegen erklärte, er sei seelenruhig in die Wohnung gegangen. Er habe die Kubanerin gefragt, ob sie seinen Sohn geschlagen habe. Sie hätte dies bejaht und gesagt, dass sie es wieder tun würde. Dann hätte sie plötzlich und unvermittelt angefangen auf ihn einzustechen. Er hätte lediglich versucht sich zu wehren. Diese Aussage wurde später auch von der Frau in der Wohnung gestützt. Die Verletzungen beim Opfer stellten sich später als nicht lebensbedrohlich heraus.

Die Staatsanwältin versuchte an der Gerichtsverhandlung die Kubanerin als Unglaubwürdig darzustellen, in dem sie auf deren einstweilige Tätigkeit als Prosituierte verwies. Zudem unterstellte sie der Frau, vom Gefängnis aus gleichzeitig Beziehungen mit zwei Männern zu führen. Eine zu einem Schweizer, eine andere zu einem Kubaner. «Die Beziehung zum Schweizer nur des Geldes wegen», liess die Staatsanwältin verlauten.

An den Falschen geraten

Die Verteidigerin zeichnete ein anderes Bild der Angeklagten. So sei diese unter Vorspiegelung falscher Tatsachen von einem Portugiesen in die Schweiz geholt worden. Der Bauarbeiter habe der Kubanerin vorgegaukelt, diese heiraten zu wollen. Allerdings war dies aufgrund seines Aufenthaltsstatus in der Schweiz gar nicht möglich. Da die Kubanerin ihr Land aber bereits über ein halbes Jahr verlassen hatte, konnte sie nicht mehr zurückkehren – und sei dem Portugiesen hilflos ausgeliefert gewesen.

Oft habe er sie über Tage aus der Wohnung gesperrt und sie habe sich auf der Strasse durchschlagen müssen. «Dabei ist es auch zu Vergewaltigungen gekommen», erklärte die Verteidigerin. Als die beiden dann ein gemeinsames Kind erwarteten, machte sich der Portugiese aus dem Staub. Die Kubanerin verlor ihren Aufenthaltsstatus und landete auf dem Sozialamt. Sie gab zu, zwischenzeitlich schwarz in der Prostitution gearbeitet zu haben. «Um meinem Sohn eine bessere Freizeit, besseres Essen und ein neues Kinderzimmer zu ermöglichen», erklärte sie.

Das Gericht urteilte schliesslich, dass es sich bei der Tat um einen Notwehrexzess handelt. So sei davon auszugehen, dass der Geschädigte tätlich auf die Kubanerin losgegangen sei. «Der Angeklagten wären allerdings mildere Mittel zur Verteidigung bereit gestanden», erklärte der Vorsitzende Richter. So hätte sie flüchten oder nur mit dem Messer drohen können.

Wird das Urteil rechtskräftig, bleiben der Kubanerin noch 32 Monate abszusitzen. Danach muss sie die Schweiz für acht Jahre verlassen. Eine Rückkehr danach in die Schweiz würde kostspielig werden, müsste sie doch mehrere tausend Franken Verfahrenskosten bezahlen. Dem Gesschädigten ist sie zudem Genugtuung in der Höhe von 5000 Franken schuldig. Der Sohn der Verurteilten befindet sich mittlerweile in Kuba in der Obhut seiner Grossmutter.

Erstellt: 13.04.2018, 18:09 Uhr

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