Wallisellen

Streit um Sozialarbeiterin geht ins siebte Jahr

Erst kürzlich konnten betroffene Eltern und Medien den Bericht einsehen über die Vorfälle rund um die esoterisch orientierte Schulsozialarbeiterin in Wallisellen. Er zeigt einige fragwürdige Punkte auf.

Der Sektenexperte Hugo Stamm hat im «Tages-Anzeiger» und auf dem Newsportal Watson die Geschichte erneut aufgerollt.

Der Sektenexperte Hugo Stamm hat im «Tages-Anzeiger» und auf dem Newsportal Watson die Geschichte erneut aufgerollt. Bild: Keystone

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Die beschuldigte Person befindet sich im Ruhestand, das Opfer hat die Schulzeit längst abgeschlossen und die Übersicht über den Fall zu behalten, wird zunehmend schwierig. Und dennoch ist der Rechtsstreit rund um die ehemalige Walliseller Schulsozialarbeiterin, die Kinder esoterisch beeinflusst haben soll, immer noch nicht abgeschlossen.

Die Frau war damals mit mehreren Kindern von sich aus zu einem Arzt gegangen, etwa wegen eines Hautausschlags. Zudem hatte sie ein Mädchen ohne Rücksprache mit den Eltern ins Mädchenhaus gebracht, weil dieses erzählte, es sei zuhause geschlagen worden. Seine Eltern wehrten sich auf juristischem Weg dagegen, die Rechnung in der Höhe von 32 000 Franken bezahlen zu müssen, und bekamen Recht.

Bericht über Jahre unter Verschluss

Nun hat der Sektenexperte Hugo Stamm im «Tages-Anzeiger» und auf dem Newsportal Watson die Geschichte erneut aufgerollt. Dabei wurden einige Details bekannt, die bisher nicht öffentlich waren. Denn erst kürzlich erhielten die Medien Einsicht in den Bericht, den ein Anwaltsbüro 2012 nach eingehender Befragung von 26 Personen erstellt hatte.

«Nun wissen wir,  wieso uns keine  Einsicht in den Bericht gewährt wurde. Er bringt Erschreckendes zutage.»

Mutter des betroffenen Mädchens 

Entgegen der damals von Schulpräsidentin Anita Bruggmann publizierten Medienmitteilung hält das Dokument einige bedenkliche Aspekte fest. So zum Beispiel, dass die Sozialarbeiterin verschiedentlich Seminare bei spirituellen Gruppierungen besucht hatte und bei ihrer Bewerbung an der Schule Wallisellen sogar entsprechende Zertifikate eingereicht hat. Dies geschah aber bereits 1998, also acht Jahre vor Bruggmanns Amtsantritt.

Schule bezahlte esoterische Weiterbildungen

In diese Zeit fallen auch die Weiterbildungen bei der sektiererischen Organisation One Life des Baghwan-Schülers Michael Barnett, welche die Schule bezahlte. «Dass die Schule Wallisellen […] nicht genauer nachgeforscht hat, was für ein Institut dahinter steht, war in der Tat fragwürdig», schreiben die Rechtsanwälte. 2010 lehnte die Schule dann aber ein erneutes Gesuch für eine Wahrnehmungsschulung ab.

«Nun wissen wir, wieso uns keine Einsicht in den Bericht gewährt wurde», sagt die Mutter des betroffenen Mädchens. «Er bringt Erschreckendes zutage.» Die Eltern hatten das beauftragte Anwaltsbüro ursprünglich für befangen gehalten und eine weitere Untersuchung beantragt. Um dies zu verhindern, gelangte die Schulpflege 2015 an den Regierungsrat. Anders als zuvor der Bezirksrat entschied der Regierungsrat im Juni 2016 im Sinne der Schulpflege.

Staatsanwaltschaft eingeschaltet

Dennoch wollen die Eltern die Geschichte nicht ruhen lassen. Sie kämpfen noch immer um ihre Rehabilitierung, weil sie zu Unrecht als Lügner hingestellt worden seien. Die inzwischen volljährige Tochter reichte zudem 2016 auf Empfehlung der Opferberatung Zürich eine Strafanzeige gegen die ehemalige Sozialarbeiterin und die Schulpräsidentin ein. Die junge Frau leidet aufgrund der Ereignisse an psychischen Problemen. Gemäss Entscheid des Obergerichts darf die Staatsanwaltschaft nur gegen die Sozialarbeiterin ermitteln, nicht aber gegen Anita Bruggmann. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 07.03.2018, 15:19 Uhr

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