Kloten/Bülach

Suchtberatung verzeichnet weniger neue Fälle

Wer Hilfe wegen Sucht braucht, findet sie im Bezirk Bülach bei der Fachstelle für Abhängigkeitserkrankungen. Im letzten Jahr gab es dort weniger Neuanmeldungen. Total wurden fast 400 Personen betreut,darunter immer mehr Frauen.

Alkohol ist nach wie vor mit Abstand die gewichtigste Problemsubstanz.

Alkohol ist nach wie vor mit Abstand die gewichtigste Problemsubstanz. Bild: Keystone

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Mit Suchtproblemen konfrontiert sein, heisst vor allem, Alkoholproblemen ins Gesicht schauen. Vier von fünf Personen, die sich 2017 in Kloten oder Bülach bei den Fachleuten der Beratungsstelle ihres Bezirks gemeldet hatten, taten dies aufgrund von Alkoholproblemen. Das zeigen die neusten Zahlen aus dem Jahresbericht der Fachstelle, die nun seit über 90 Jahren besteht. Dass deren Hilfsangebot auch Wirkung zeigt, konnte dank einer speziellen Studie ebenfalls eindrücklich belegt werden.

Unter Ein­bezug der Daten von 450 Patienten der Fachstellen in den Bezirken Bülach, Uster, Hinwil und Horgen lässt sich sagen, dass ein Jahr nach dem Ende der Behandlung drei von vier Personen einen geringeren Alkoholkonsum ausweisen als davor. Dagegen verharrt der Konsum bei zehn Prozent der Befragten auf dem gleichen Niveau, während er bei 15,4 Prozent gar höher liegt. Letztlich konnte aufgezeigt werden, dass fast 55 Prozent der Personen mit einem Problemkonsum bereits sechs Monate nach der Behandlung keinen problematischen Alko­holkonsum mehr aufweisen.

Problemsubstanzen und Grund der Anmeldung

Gemäss Angaben im Jahres­bericht der Fachstelle des Bezirks Bülach zeigt dieselbe Studie auch auf, dass sehr viele Personen, die zunächst in eine Behandlung oder Beratung eintreten, nicht bis zum vereinbarten ­Ende dabei bleiben. Bei einer mittleren Behandlungsdauer von neun Monaten mit durchschnittlich neun Sitzungen brachen fast 54 Prozent der Betroffenen den Kontakt mit der Fachstelle vorzeitig ab.

Insgesamt zeigt man sich dennoch zufrieden mit den Ergeb­nissen, die nun aufzeigen würden, dass die angebotene ambulante Behandlung zur Förderung eines nicht-problematischen Alkohol­konsums wirksam sei.

Einst die «Trinkerfürsorge»

Zum runden «Geburtstag» hatte sich die Institution im vergan­genen Geschäftsjahr umbenannt. Hatte man im Gründungsjahr 1927 noch unter dem Namen «Gesellschaft für Trinkerfür­sorge Bezirk Bülach» angefangen, wurden später die «Sozialberatung für Alkoholgefährdete» und die «Fachstelle für Alkoholprobleme» des Bezirks dar­aus. Und weil es eben doch nicht nur um Alkoholprobleme geht, heisst die Anlaufstelle jetzt offiziell «Fachstelle für Abhängigkeitserkrankungen Bezirk Bülach».

Frauenanteil steigt weiter an

Unter dem Kürzel Fabb bietet ein Team aus Psychologinnen, Sozialarbeitern und -pädagogen sowie einer Mal- und Gestaltungstherapeutin Hilfe im Umgang mit individuellen Suchtproblemen. Dies taten die Fachleute im letzten Jahr in total 393 Fällen an den Standorten in Kloten und Bülach. Die Zahl der neu hinzugekommenen Fälle sank 2017 auf 171, was dem Niveau des Vorvorjahres entspricht. Dazwischen waren die Neuanmeldungen 2016 auf 206 Fälle angestiegen.

Von den fast 400 Menschen, die bei der Fabb in Beratung oder Behandlung waren, sind die meisten männlich (55 %). Betrachtet man nur die neuen Fälle der letzten beiden Jahre, hat sich der Frauenanteil aber erhöht. Betra­fen 2016 noch 40 Prozent der Neuanmeldungen Frauen, erreichte diese Grösse 2017 schon 46 Prozent. Insgesamt handelt es sich dabei um Wiederaufnahmen von Personen, welche die Fachstelle schon früher aufgesucht hatten (33 %), oder es handelte sich um Zuweisungen (24 %) durch Ärzte und Kliniken.

Nur zwei von hundert Per­sonen kamen vorbei, weil ihr Arbeit­geber dies angewiesen hatte­. Denn bei den Suchtbetroffenen, die bei der Fabb regis­triert wurden, handelt es sich in den meisten Fällen um arbeits­tätige Menschen mit Vollzeitjobs (50 %), Teilzeitjobs (8 %) und in Aus­bildung (5 %). Nur jeder sechste Patient hat den Status eines Arbeitslosen (17 %). (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 16.05.2018, 11:05 Uhr

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