Dielsdorf/Steimnaur

Das Leben im Wasser kehrt zurück

Was gut gemeint war, wurd schlecht bedacht. Ende der Sechzigerjahre begradigte man den Fischbach zwischen Dielsdorf und Steinmaur mit Betonelementen. Ein Teil des Gewässers wurde nun revitalisiert – und das Leben im Wasser kehrte zurück.

Kantonsrat und Biobauer Röbi Brunner (rechts) zeigte Interessierten auf einer Exkursion Revitalisierungs-Projekte rund um Steinmaur.

Kantonsrat und Biobauer Röbi Brunner (rechts) zeigte Interessierten auf einer Exkursion Revitalisierungs-Projekte rund um Steinmaur. Bild: Sibylle Meier

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Die Absicht war, mit der Begradigung und dem Ausbau des Fischbachs mit Betonelementen vor rund fünfzig Jahren, die Überflutung von Kulturland zu verhindern. Man schlug der Natur ein Schnippchen, aber die Natur schlug zurück. Fische und Amphibien hatten im Bach hatte keine Lebensgrundlage mehr. Auf einer Exkursion entlang des Fischbachs bis hinauf zum Mühliweiher liessen sich am Pfingstmontag 22 Personen darüber informieren, wie sich mit einer sinnvollen Revitalisierung die Bedürfnisse der Landwirte und der Natur befriedigen lassen.

Nicht nur Menschen sind am Bach tätig. Unterhalb der Reitsportanlage, dort wo das Flüsschen die Kantonsstrasse unterquert, baute ein Biber einen stabilen Damm. Vor sieben Jahren entdeckte Kantonsrat Röbi Brunner, er leitete die Exkursion, eine zugespitzte Weide, die auf die Ansiedlung von Bibern hinwies. Die Tiere bauen Dämme, damit der Eingang zu ihren Bauten unter dem Wasserspiegel liegt. Feinde haben so keine Chance, in den höhergelegenen, trockenen Wohnbereich der Biber einzudringen. Ganz problemlos sind die Biberdämme nicht. Werden sie zu hoch, muss eingegriffen werden, um Überflutungen der Umgebung zu verhindern.

«Das Wissen von Röbi Brunner geht weit über Schulwissen hinaus und man spürt seine tiefe Verbundenheit mit der Natur»Doris Haab, Exkursionsteilnehmende

Während der vierstündigen Wanderung, vorbei bei der Storchenstation machten Brunner und Wilma Willi von den organisierenden Grünen des Bezirks Dielsdorf immer wieder auf Vogelstimmen aufmerksam. Es riefen Sumpfrohrsänger und Nachtigallen, die im Dielsdorfer Ried recht häufig vorkommen. An einigen Sträuchern gab es hellgelbe Raupen zu beobachten, die an dünnen Fäden hingen. Die Raupen der Gespinstmotten fressen die Sträucher kahl, sind aber ideales Futter für den Kuckuck, dessen Rufe immer wieder über das Ried schallte.

Jährliche Pflege ist nötig

Die Riedgebiete neben dem Fischbach können nicht ausschliesslich der Natur überlassen werden, sie brauchen jährliche Pflege. Weiden und andere Gewächse würden sonst überhandnehmen. Die Pflege ist mit Kosten verbunden, nur die Biber arbeiten gratis und fällen selbst dicke Weidenbäume. Als Vegetarier legen sie sich damit Vorräte an. Weidenrinde ist die Hauptnahrung der Nager, neben Blättern oder einigen Maiskolben, die sie sich in den angrenzenden Feldern holen. Nach drei Jahren jagen die Bibereltern ihre Jungen aus dem Bau. Und bei Revierrangeleien schenken sich die Konkurrenten nichts. Kämpfe mit den scharfen Zähnen könntenen durchaus tödlich enden, war an der Exkursion zu vernehmen.

Unterhalb der Grenze zwischen Dielsdorf und Steinmaur ist der Fischbach noch nicht revitalisiert. Im Oberlauf sorgten bisher vier Bauetappen für einen Bachlauf und Uferböschungen, in dem Fische und Amphibien wieder Schutz und ideale Lebensräume finden. Spenden und Förderbeiträge in der Grössenordnung von 300 000 Franken und viel Freiwilligenarbeit wurden bisher eingesetzt. Im Siedlungsgebiet von Steinmaur löst eine Revitalisierung wegen kostspieligem Landbedarf und Hochwasserschutz einige Diskussionen aus und ist noch nicht realisiert. Brunner bevorzugt das etappenweise Vorgehen: «Grossprojekte erzeugen wegen den Kosten immer Widerstand».

Kois als unerwünschte Gäste

Im künstlich angelegten Mühliweiher oberhalb des Dorfes gab es halbmeterlange Spiegelkarpfen zu bewundern und einige orangenfarbige Kois, die irgendjemand in unvernünftiger Weise ausgesetzt hat. Und beim Abfluss des Weihers bauten Biber einen Damm, mit teils armdicken Ästen. Die Exkursionsteilnehmenden waren mit Doris Haab aus Bülach einig: «Das Wissen von Röbi Brunner geht weit über Schulwissen hinaus und man spürt seine tiefe Verbundenheit mit der Natur».

Erstellt: 22.05.2018, 15:26 Uhr

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