Wassermangel

Supersommer dreht der Wasserkraft den Hahn zu

Der Sommer 2018 hat den Kraftwerksbetreibern am Rhein, an der Glatt und an der Töss massive Ertragseinbrüche beschert. In Freienstein und Wallisellen ist die Strom- produktion gar eingestellt.

Nur wenig Wasser strömt übers Wehr in Freienstein beim Kleinwasserkraftwerk der Toesstrom AG. Seit Juli ist die Stromproduktion in diesem Kraftwerk aufgrund des tiefen Pegelstands praktisch stillgelegt. Das hat es seit der Modernisierung und Wiederinbetriebnahme im Jahr 2004 nie gegeben. Bild: Christian Wüthrich

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Heiss und vor allem trocken war der diesjährige Sommer. Bis jetzt haben sich die Pegelstände in den Flüssen noch immer nicht erholt. Das hat einschneidende Konsequenzen für die kleineren Kraftwerke. «Unser Wasserrad ist momentan abgestellt», sagt Stephan Koch, Leiter Geschäftsentwicklung und Energiewirtschaft bei den Werken Wallisellen AG. Besagtes Wasserrad produziert bei der Herzogenmühle an der Grenze zu Schwamendingen üblicherweise Strom für rund 30 Haushalte. Doch im alten Glattkanal, der an jener Stelle früher Kornmühlen und später die Textilindustrie antrieb, fliesst auch im Oktober immer noch zu wenig Wasser, um das über fünf Meter grosse 32-teilige Metallschaufelrad anzutreiben für eine geregelte Stromproduktion. «Das Wasserrad ist schon länger abgestellt», sagt Koch. Wie lange schon, kann er allerdings nicht genau sagen. Was klar ist: Der Supersommer 2018 wirkt sich nicht nur im Glattal bis weit in den Herbst hinein auf die Energieproduktion aus.

Seit der Inbetriebnahme 2004 noch nie so lange abgestellt

Auch aus dem Embrachertal tönts ähnlich. Dort liegt am oberen Rand des Industrieareals einer ehemaligen Spinnerei ein 2004 erneuertes Kleinwasserkraftwerk mit einer modernen Kaplanturbine. Im Optimalfall liefert diese Strom für jährlich bis zu 500 durchschnittliche 4-Personen-Haushalte. Doch wegen der anhaltenden Trockenheit steht die Stromproduktion auch hier seit Monaten praktisch still. Thomas Arnet, Verwaltungsratspräsident der Toesstrom AG, die das Kleinkraftwerk betreibt, geht es momentan vor allem um Schadensbegrenzung. «In den Monaten Juli, August und September war das Kraftwerk Freienstein aufgrund Wassermangels nur an einzelnen Tagen in Betrieb – und dies auch nur, um Standschäden zu vermeiden.»

Die Stromproduktion in Freienstein lag im Sommer 2018 deutlich unter den Erwartungen, erklärt Arnet. Entsprechend liege auch die bisherige Jahresproduktion des Kraftwerks weit unter dem langjährigen Durchschnittswert – «auch wenn die Produktion im Frühling erfreulich war». Denn bis im April erreichte man noch höhere Produktionsmengen als im Vorjahr.

«Dass wir den Betrieb des Kraftwerks wegen Wassermangels einstellen müssen, kommt zwar ab und zu vor. In anderen Jahren war dies aber nur während wenigen Tagen oder Wochen der Fall», erklärt Arnet. Er hofft, dass 2018 ein «Ausnahmesommer» bleibt. Sonst dürfte es auch für die Toesstrom AG als Inhaberin des Kraftwerks ungemütlich werden. Denn schon im letzten Jahr haben die über 160 zumeist Kleinaktionäre keine Dividende erhalten, weil die Produktion bereits 2017 witterungsbedingt nicht die gewünschten Erträge brachte.

Halbierung der Produktion in Eglisau-Glattfelden

Selbst am grössten Schweizer Fluss, dem Rhein, werden derzeit dramatische Leistungsrückgängen verzeichnet. Zwar drehen sich im Kraftwerk Eglisau-Glattfelden, dem grössten des Unterlands, die Turbinen im Gegensatz zu den Standorten Wallisellen und Freienstein noch. Aber die erzielte Strommenge lässt stark zu wünschen übrig. So beziffert ein Sprecher der Betreiberfirma Axpo die Rückgänge bis im Monat September auf rund 45 Prozent. Das bedeutet, dass das Kraftwerk fast nur noch die Hälfte der üblichen Strommenge produzierte.

Grundsätzlich sei zum Thema Laufwasserkraft anzumerken, dass die effektive Jahresproduktion bei dieser Art von Kraftwerken, erheblichen Schwankungen von unterworfen sei. Im Fall von Eglisau-Glattfelden könne das bis zu +/-20 Prozent ausmachen, erklärt Ueli Walther, Sprecher der Axpo auf Anfrage. Nebst Niederschlägen und sonstigen Abflüssen spielt auch die Speicherbewirtschaftung der Stauseen eine Rolle. Der Hauptgrund für die momentane Situation ist aber klar: «Längere Trockenperioden wie wir sie ab diesem Sommer zu verzeichnet hatten, führen natürlich zu geringeren Produktionen in den Laufwasserkraftwerken.»

Dabei hätten auch die Laufwasserkraftwerke, an denen die Axpo beteiligt ist, bis anfangs Sommer aufgrund der hohen Pegelstände sogar noch eine überdurchschnittliche Stromproduktion gefahren. Das gelte auch für Eglisau-Glattfelden. Im Juli ging die Menge dann um einen Viertel zurück im Vergleich zum Juni. Und die Produktion hat sich bis jetzt nicht erholt.Christian Wüthrich (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.10.2018, 19:01 Uhr

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