Verkehr

Tempo 30 hat einen schweren Stand

An der Gemeinde­versammlung vom Dienstag sagten die Höremer deutlich Nein zu Tempo 30. Damit befinden sie sich in bester Gesellschaft. Zahlreiche Unterländer Gemeinden scheuen Tempo-30-Zonen wie der Teufel das Weihwasser.

Tempo 30 hat es im Unterland nicht leicht.

Tempo 30 hat es im Unterland nicht leicht. Bild: Keystone

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Das Verdikt war deutlich: Die Stimmberechtigten von Höri lehnten an der Gemeindeversammlung vom Dienstag schon die «vertiefte Prüfung der Einführung von Tempo-30-Zonen» mit 79 zu 37 Stimmen ab. Damit reiht sich Höri als jüngstes Beispiel nahtlos in die Vielzahl von Unterländer Gemeinden ein, die sich mit Temporeduktionen auf kommunalen Strassen schwer tun.

So hatte erst Ende September Höris Nachbargemeinde Hochfelden flächendeckend Tempo 30 an der Urne deutlich mit 516 Nein- zu 344 Ja-Stimmen abgelehnt. Die Stimmbeteiligung war zudem mit 66,21 Prozent markant höher als gewohnt.Fast jedes Jahr wird irgendwo im Unterland über Tempo 30 abgestimmt – meist mit demselben Ergebnis. Die Dälliker lehnten 2007 ein Tempo-30-Projekt an der Gemeindeversammlung mit 193 zu 96 Stimmen deutlich ab. Rümlang sagte 2011 Nein zu flächendeckend Tempo 30.

2013 schickten die Gemeindeversammlungen von Niederglatt und Nürensdorf die Einführung von Tempo-30-Zonen bachab. 2014 waren es die Oberembracher, die über eine flächendeckende Tempo-30-Zone abstimmen sollten. Allerdings wurde über die Initiative gar nicht befunden, da der Gemeinderat der Initiantin zuvor eine andere Lösung schmackhaft gemacht hatte, worauf diese ihre Initiative zurückzog. 2015 hatte in Dänikon flächendeckendes Tempo 30 an der Gemeindeversammlung keine Chance.

Tempo 30 als Zankapfel

2016 sprachen sich die Glattfelder für eine Tempo-30-Zone in Zweidlen-Station aus. Die Umsetzung wurde danach durch Einsprachen verzögert. Die Situation artete aus: Anwohner parkierten ihre Autos gezielt am Strassenrand, um den Verkehr abzubremsen. Dies wiederum veärgert andere: Eier flogen, Tritte wurden ausgeteilt und gehässige Leserbriefe geschrieben.

Die Gründe für die ablehnende Haltung gegenüber Tempo-30-Zonen sind sehr unterschiedlich. Dies kann Fabio Trussardi, Leitender Raum- und Verkehrsplaner bei der Suter/von Känel/Wild AG, die für Behörden und Private Lösungen für raumplanerische Fragestellungen aufzeigt, bestätigen. «Jeder Ort hat seine Eigenheiten, die es zu beachten gilt», sagt Trussardi. Wie die Vergangenheit gezeigt habe, wecke das Thema rasch Emotionen.

«Oft braucht es einen gewissen Leidensdruck. Konkrete Missstände müssen vorhanden sein, damit Tempo 30 eine Mehrheit finden kann», erklärt Trussardi. Auch wenn es viele Beispiele für gescheiterte Tempo-30-Projekte gibt: Trussardi ist davon überzeugt, dass eine Temporeduktion eine Aufwertung für Wohngebiete sein kann. «Insgesamt gibt es aber für die erfolgreiche Einführung von Tempo 30 keine Patentlösung», sagt er.

Die Geschichte von misslungen Tempo-30-Projekten im Unterland reicht weit zurück. Als Pionierin in Sachen Tempo 30 wollte sich Wallisellen 2001 profilieren. Die Gemeindeversammlung befürwortete damals knapp mit 149 zu 136 Stimmen die generelle Einführung von Tempo 30 in Wohnquartieren. Allerdings wurde 2002 der Kredit von 1,55 Millionen Franken für die Umsetzung mit 348 Ja zu 422 Nein abgelehnt. An der Urnenabstimmung 2003 wurde noch einmal darüber befunden. Dort erlitt der Rahmenkredit vollends Schiffbruch: Der Souverän lehnte die Vorlage mit 1435 Ja- gegen 2434 Nein-Stimmen klar ab.

Kein Problem in Bassersdorf

Gegenbeispiele stellen Eglisau, Otelfingen und Bassersdorf dar. Bereits 2002 hat sich Eglisaus Gemeindeversammlung nach langer Diskussion für die flächendeckende Einführung von Tempo 30 auf den Quartierstrassen ausgesprochen. 2004 bewilligten die Otelfinger mit 80 zu 65 Stimmen einen Kredit von 90 000 Franken für die Tempreduktion in allen Wohngebieten. Bassersdorf zog 2013 nach und führte flächendeckend Tempo 30 ein. Dort sprachen sich die Befürworter mit 183 zu 72 Stimmen sogar deutlicher für Tempo 30 aus, als die Gegner nun in Höri die Temporeduktion abschmetterten. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 06.12.2017, 18:03 Uhr

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