The Circle

«The Circle ist kein Monster»

Am Freitag hat der Flughafen Zürich den Grundstein für das grösste Immobilienprojekt der Schweiz gelegt: Ein milliardenteurer Komplex mit Hotels, Läden, Kongress- und Eventhallen, mit Spital und Gastronomie. Projektleiter Beat Pahud erklärt, wie The Circle funktionieren soll.

Video: Keystone/sda


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Herr Pahud, wenn Sie auf der Baustelle von The Circle stehen, sehen Sie dann schon, wie dieses Monster lebt?
Beat Pahud: The Circle ist kein Monster. Er ist ganz einfach aufgebaut. Er besteht aus drei Plätzen, die mit je einer Gasse verbunden sind. Das Gebäude ist weder ein Labyrinth noch verwinkelt. Man kann sich sehr gut orientieren und sieht sogar ins Grüne hinaus. Die Grösse kommt durch die Höhe, aber was die Besucher erleben, das ist städtisch und nicht monströs.

Die wuchtige Fassade wirkt nicht gerade einladend.
In die riesige Fassade wird eine grosse Schneise geschlagen, acht Meter breit. Durch sie gelangt man vom Bushof direkt auf einen Platz, der sehr belebt sein wird. Das ist eine Geste, die einlädt.

Dazu muss man allerdings zuerst die Gleise der Glattalbahn überqueren.
Das sehe ich nicht als Problem. Im Gegenteil: Die Anbindung ist Gold wert. Wir haben das Tram, den grössten Bushof der Schweiz, den Bahnhof, ja wir haben sogar eine eigene Autobahnausfahrt und drei Pisten. 150 000 Personen verkehren täglich auf dieser Drehscheibe. Kommt hinzu, dass The Circle unterirdisch mit dem Airport Shopping verbunden wird.

Dennoch: In den Circle gelangt man nicht automatisch – im Gegensatz zum Airport-Shopping, das man beispielsweise auf dem Weg vom Bahnhof zum Terminal zwangsläufig passiert. Wie locken Sie die Leute an?
6500 Menschen werden in diesem Dienstleistungszentrum arbeiten. Das erzeugt schon einmal ein Grundrauschen. Hinzu kommen die Angebote aus dem Modul Brands&Dialogue, zwölf Gastrobetriebe, zwei Hotels mit 550 Zimmern, ein Convention-Center mit 19 Räumen und Platz für 2500 Leute, eine Event-Hall für Konzerte und Filmvorführungen, dann das Gesundheitszentrum des Unispitals mit seinen Patienten und Besuchern. Geplant ist zudem ein Art Hub mit Flächen für Kunstausstellungen.

Das hört sich nach Gemischtwarenladen an. Welche Grundidee steckt hinter dem Zentrum?
The Circle verstehe ich als Stadtteil, wo viel passiert: Als einen Ort, wo sich Menschen finden, wo man Business betreibt und Ideen entwickelt – und wo man sich bereichern lässt durch die Angebote in den Bereichen Kunst, Events, Gastronomie und Markenwelten.

Im House of Brands präsentieren Marken wie Omega oder Caviar House & Prunier ihre Produkte. Sprechen Sie in erster Linie ein vermögendes Publikum an?
Gar nicht. Die Luxuswelt befindet sich bereits im luftseitigen Teil des Flughafens. Im landseitigen Airport-Shopping decken wir den Midmarket ab, etwa mit Migros und Coop. Im The Circle spielen wir ganz andere Saiten: Nicht einfach mit noch mehr Läden, sondern auch mit Brand-Häusern, mit Erlebniswelten, in denen Firmen ihre Marke präsentieren.

Können Sie ein Beispiel geben?
Omega wird auf seiner Fläche nicht bloss Uhren ausstellen. Nick Hayek will in einem Atelier zeigen, wie seine Uhren entstehen. Wenn immer mehr online abläuft, müssen Marken ihre Kunden auf eine andere Weise überzeugen, mit Erlebnissen, Geschichten, Beziehungen. Das geschieht im Modul Brands & Dialogue.

Mit teuren Uhren spricht man aber nicht unbedingt den Büezer aus Kloten an.
Jeder von uns ist doch ein hybrider Kunde – ob Büezer oder CEO. Für manche Dinge sind wir bereit, mehr Geld auszugeben, für andere weniger.

Wen erwarten Sie denn im The Circle?
Tagsüber unter der Woche vor allem Geschäftsleute. Abends wollen wir mit vielfältigen kulturellen Angeboten eine breite Schicht ansprechen. An einem Durchschnittstag rechnen wir mit 20 000 bis 30 000 Personen, die sich im The Circle aufhalten. Am Wochenende erwarten wir viele Ausflügler. Der Flughafen ist nach dem Zoo Zürich schon heute das am zweithäufigsten besuchte Ausflugsziel der Region.

Wochenendbesucher kommen doch wegen der Flugzeuge und dem Airport-Shopping. Wieso sollen sie in den Circle?
Ich stelle mir das beispielsweise so vor: Der Vater geht mit dem Kleinen auf die Zuschauerterrasse. In dieser Zeit geht die Mutter mit der Tochter im The Circle in den Jelmoli und Dufry. Später trifft sich die Familie nebenan in einem Café wieder und geht dann gemeinsam in den Park.

Wie wollen Sie den Park, respektive den Hügel bespielen?
Ein grobes Gestaltungskonzept haben wir bereits verabschiedet. Details werden wir im Herbst kommunizieren. Sicher ist, dass wir stark auf Natur und Erlebnis bauen werden. Der Park ist ein ganz wichtiges Element.

Inwiefern?
Er wertet den Komplex enorm auf. Er ist ein Erholungsort für Besucher und Mitarbeiter. Man kann sich ein Sandwich kaufen und in den Park sitzen, Sport treiben oder einfach spazieren. Vorgesehen ist auch ein Wlan-Campus. Das heisst, jeder Mitarbeiter empfängt überall das Wlan – auch im Park. Wir wollen vielfältige Arbeitsformen ermöglichen.

Bis jetzt harzt es aber mit der Vermietung der Büroflächen.
In diesem Jahr rechnen wir mit ersten Zusagen von Grossmietern. Über die ganze Immobilie gesehen haben wir bis jetzt die Hälfte der Fläche vermietet. Drei Jahre vor Fertigstellung ist das ein guter Wert.

Wer kommt als Mieter dazu?
Wir kommunizieren nur abgeschlossene Verträge.

Was wäre vom Mix her wünschenswert?
Dazu kann ich nur soviel sagen: Wir haben ganz klare Vorstellungen. Im Eingangsbereich haben wir mit Jelmoli und Dufry bereits publikumsstarke Anbieter. Weitere werden hinzukommen. Wir suchen Partner aus verschiedenen Branchen, die sich möglichst gut ergänzen und mit denen sich Synergien ergeben, etwa mit den Hotels und dem Ambulatorium des Universitätsspitals. Dazu führen wir viele Gespräche und fragen beispielsweise das Unispital, welche Partner ihm helfen würden. Die verschiedenen Nutzungen aufeinander abzustimmen ist eine der grössten Herausforderungen in diesem Projekt.

Was, wenn The Circle zur Eröffnung noch halb leer steht?
Mit einer vermietbaren Fläche von 180 000 Quadratmetern werden wir zur Eröffnung im Bürobereich noch keine Vollvermietung haben. Das ist normal. Aber wir sind nahe am Markt, rechnen realistisch und bieten attraktive Mietzinsen.

Wie hoch sind die?
Ich kann keine Zahlen nennen, sie variieren sowieso je nach Lage. Jedenfalls ist The Circle kein abgehobenes Luxusinselchen.

Wo stehen Sie zeitlich und finanziell mit dem Projekt?
Durch die Flughafen Zürich AG und die Swiss Life als Miteigentümerin ist das Projekt vollständig finanziert. Kostenmässig sind wir auf Kurs. Auch was den Bau betrifft. Ende 2019 sollten wir fertig sein. Ab Mai 2017 werden wir allen Interessierten Baustellenführungen anbieten. Ab April wird man sie buchen können.

Ist ein Eröffnungsfest geplant?
Ja, es wird auf jeden Fall ein Eröffnungsfest geben. Der Einbezug der Bevölkerung ist uns sehr wichtig. Wir bauen The Circle nicht für Passagiere, sondern für die Leute von hier. Wir rechnen ganz fest damit, dass die Region kommt.

Die Horrorvision wäre ja: The Circle steht, und drei Jahre später geht niemand mehr hin.
Das wird nicht passieren. Die Kunst besteht nun darin, ein Angebot zu generieren, das die Leute fasziniert.

(Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 24.03.2017, 17:52 Uhr

«6500 Menschen werden hier arbeiten. Das erzeugt schon einmal ein Grundrauschen»: Gesamtprojektleiter Beat Pahud auf der Baustelle. (Bild: Christian Merz)

ZUR PERSON

Beat Pahud stiess nach dreijährigem Auslandaufenthalt 1995 als Ingenieur zur Flughafen Zürich AG, wo er bis 2004 in verschiedenen Funktionen tätig war. Danach war er als Expansionsleiter und Geschäftsführer der Aldi Suisse AG mitverantwortlich für den Markteintritt des Discounters in der Schweiz. Anfang 2014 kehrte er an den Flughafen zurück und übernahm die Projektverantwortung für «The Circle at Zürich Airport». Er ist 49 Jahre alt, verheiratet, hat zwei Kinder und wohnt in Zollikofen.hz

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