Oberglatt

Todkranke Katze gekauft

Eigentlich wollte das Ehepaar Vogel einer Katze aus dem Tierheim ein neues Leben schenken. Das Glück währte aber nicht lange. Der Kater war krank und um einiges älter, als im Tierheim deklariert. Die Tierfreunde aus Oberglatt hegen schwere Vorwürfe.

Die Katze Oliver fand in Oberglatt ein neues Zuhause. Knapp drei Monate später musste das kranke Tier eingeschläfert werden.

Die Katze Oliver fand in Oberglatt ein neues Zuhause. Knapp drei Monate später musste das kranke Tier eingeschläfert werden. Bild: PD

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Daniel und Renate Vogel aus Oberglatt sind grosse Tierfans. Ihre Katze, welche 18 Jahre lang bei ihnen lebte, mussten sie inzwischen einschläfern lassen. Die beiden entschlossen sich danach, einer Katze aus dem Tierheim ein neues Zuhause zu schenken. Im vergangenen November war es so weit. Im Tierwaisenhaus in Oberglatt lernten sie den zweijährigen Kater Oliver kennen. Schnell war klar: Ihn wollen sie mit nach Hause nehmen. Noch am selben Tag unterschrieben sie den Vertrag. In diesem wurde vermerkt, dass die Katze eine Ohrenentzündung hatte, welche eventuell wieder auftreten könnte. Weiter seien die Ohren schmutzig und müssen einmal wöchentlich gereinigt werden.

Böse Überraschung

«Wir merkten schnell, dass mit Oliver etwas nicht stimmte», sagt Renate Vogel. Er habe ziemlich streng aus dem Mund gerochen. Sie brachten die Katze zum Tierarzt. Dann die böse Überraschung: Der Arzt schätzte das Alter von Oliver auf zehn Jahre oder mehr. Der Kater hatte zudem Zahnstein, einen grossen Abszess im Mund und dreifach erhöhte Nierenwerte. Der behandelnde Tierarzt sagt gegenüber dieser Zeitung: «Es kann vorkommen, dass man das Alter einer Katze nicht genau beziffern kann.» Er gehe davon aus, dass in den Tierheimen das Alter von Katzen einfach geschätzt wird. «Vor allem bei jenen, die aus dem Ausland in die Schweiz gekommen sind.» Bei Oliver trifft genau dies zu. Er wurde von einem Tierheim in Italien in die Schweiz gebracht.

Für Oliver bestand keine Chance mehr, gesund zu werden. Ende Januar wurde er eingeschläfert. Renate Vogel hegt schwere Vorwürfe gegen das Tierheim: «Ich finde es furchtbar, dass man kranke Tiere von Italien hierher transportiert, sie in Heim steckt und sie nicht einmal ausreichend versorgt.» Für sie ist klar: «Mit diesem Tierheim wollen wir nichts mehr zu tun haben.»

Tierheim sieht es anders

Die Vorwürfe richten sich gegen das Tierwaisenhaus Oberglatt, welches vom Tierambulanz-Verein unterhalten wird. Monica Locher, Vereinspräsidentin und Tierheimleiterin, sagt, dass sich die Geschichte rund um Oliver ganz anders zugetragen habe. «Unsere Mitarbeiterin, die der Familie Vogel die Katze damals vermittelte, wies sie persönlich darauf hin, dass Oliver älter als zwei Jahre sein könnte.» Da das Tier aus Italien in die Schweiz gekommen ist, hatte es bereits einen europäischen Impfausweis. Auf diesem ist auch das Geburtsdatum der Katze angegeben. Bei Oliver war das der 14. Juli 2016. Locher sagt: «Wir dürfen unseren Kunden nicht einfach ein anderes Alter angeben. Was im Impfbuch steht gilt auch.»

Laut Locher wird jedes Tier, welches nach Oberglatt ins Tierwaisenhaus kommt, von einem hiesigen Tierarzt kontrolliert. Wie konnte dieser den Zahnstein, den Abszess und die erhöhten Nierenwerte übersehen? «Ein Abszess kann von einem Tag auf den anderen auftreten. Gröbere Eingriffe, das heisst mit Narkose, machen die Ärzte nur, wenn es unbedingt nötig ist», meint Locher. Der Grund: Versetzt man Katzen zu oft in den künstlichen Schlaf, könnten sie bleibende Schäden davontragen.

1500 Franken Arztkosten

Fälle wie dieser von Oliver kommen selten vor, sagt die Tierheimleiterin. «Dann kann man ein Heim schnell schlecht darstellen.» Dass die Preise je nach Alter der Katzen variieren, weist Locher bestimmt zurück: «Bei uns kosten alle Katzen 350 Franken. Das Alter spielt dabei keine Rolle.» Dieser Preis sei durchaus berechtigt. «Der Tierarzt entnimmt den Tieren Blut, impft und kastriert sie. Alle diese Kosten tragen wir.»

Monica Locher ist enttäuscht vom Ehepaar Vogel. «Wir wurden nach den Vorfällen mit Oliver weder schriftlich informiert, noch erhielten wir Forderungen nach Geld, wie es bei solchen Vorkommnissen oft der Fall ist.» Renate Vogel sei lediglich bei ihr im Büro vorbeigekommen und berichtete vom Schicksal ihrer Katze. «Sie hat sich aber auf keine Weise bei mir beschwert.»

Renate Vogel sagt: «Die Chefin des Tierheims hat mir versprochen, dass sie sich um die Angelegenheit kümmern wird.» Bis heute habe sie aber noch nicht einmal eine Entschuldigung erhalten. Die Arztkosten für Oliver beliefen sich auf insgesamt 1500 Franken. Renate Vogel gehe es aber nicht ums Geld, sondern viel mehr um den emotionalen Aspekt. «Wir haben in dieser kurzen Zeit Gefühle für das Tier entwickelt.»

Erstellt: 15.03.2019, 18:20 Uhr

Im Heim kauft man oft die Katze im Sack

In ihren ersten zwei Lebensjahren entwickeln sich Katzen auffällig schnell. Im Alter von zwei Jahren sind sie umgerechnet in Menschenjahre bereits 24 Jahre alt. Ab diesem Zeitpunkt gelten die Tiere als ausgewachsen. Danach entspricht jedes weitere Katzenjahr zwischen vier und fünf Menschenjahren.

Das Alter einer ausgewachsenen Katze richtig zu schätzen ist schwierig, aber nicht unmöglich. Im Tierheim easy in Winkel werden immer wieder Findelkatzen abgegeben. Logischerweise fehlen bei diesen jegliche Infomationen zum Alter, zu Krankheiten und zu einer allfälligen Kastration. Inhaber Ernst Krüsi sagt: «Solche Tiere kommen bei uns zuerst in Quarantäne. Danach bringen wir sie zum Tierarzt.»

«Eine Abweichung von zwei Jahren darf drinliegen»

Der Tierarzt kontrolliert das Tier und schätzt zudem das Alter. «Dafür betrachtet er zuerst den Allgemeinzustand der Katze. Anhand des Fells, der Mundhygiene und der Augen lässt sich dann das Alter schätzen», sagt Krüsi. So werde beispielsweise das Fell mit zunehmendem Alter struppiger und glänze nicht mehr so fest. Für den Tierpfleger ist klar: «Mehr als zwei Jahre darf ein erfahrener Tierarzt bei seiner Schätzung nicht daneben liegen.» Zudem sei es enorm wichtig, die zukünftigen Halter des Tieres darüber zu informieren, dass das Alter der Katze auf Schätzungen beruhe.

Monica Locher, Tierheimleiterin des Tierwaisenhauses in Oberglatt, bestätigt: «Das Alter bei Katzen ist immer ein Thema.» Sie vermittelt oft Katzen, die zuvor aus Italien in die Schweiz gebracht wurden. «Wir haben meist zu wenig Katzen.» Und da die Nachfrage gross sei, arbeite man mit Tierheimen im Ausland zusammen. Locher sagt: «Die Katzen, welche aus Italien kommen, haben einen europäischen Impfpass. Dort steht auch das Geburtsdatum des Tieres.» An dieses habe man sich zu halten. «Wir dürfen das Alter im Impfbuch nicht abändern, können unsere Kunden aber darauf aufmerksam machen, dass die Katze möglicherweise älter ist.»

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