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Trotz Ernteausfall – Pflege der Obstbäume lohnt sich in jedem Fall

Die Frostnächte im April haben verheerende Folgen für die Obstbauern. Der Steinmaurer Bio-Obstproduzent Hans Brunner wird einen Verlust von rund 90 Prozent tragen müssen.

In Hans Brunners Obstgarten in Steinmaur wird der Natur viel Platz eingeräumt. So wachsen unter seinen Hochstammobstbäumen weitere Pflanzen, die Wildtieren und Insekten zugutekommen.
In Hans Brunners Obstgarten in Steinmaur wird der Natur viel Platz eingeräumt. So wachsen unter seinen Hochstammobstbäumen weitere Pflanzen, die Wildtieren und Insekten zugutekommen.
Cyprian Schnoz

Hans Brunner steht in seinem ausladenden Obstgarten im kupierten Gelände in Steinmaur und schaut in die Krone eines mächtigen Birnbaums: «Jetzt ist alles schön grün. Doch, wenn man genau hinschaut, sieht man, dass nur ganz zuoberst einige, wenige Früchte wachsen». Der Grund für den mageren Behang seien die Frostnächte, die vom 20. bis 28. April geherrscht haben. «Diese Nächte haben enorme Auswirkungen gehabt auf den Ertrag der Obstbäume, aber auch auf weitere Kulturen», sagt der Obstbauer.

Empfindlicher Verlust

Jetzt, Mitte Juni werden die Früchte sichtbar, die noch verbleiben. «In meinem Obstgarten hier muss ich mit einem Verlust von rund 90 Prozent rechnen.» Bei einem durchschnittlichen Ertrag von über 100 Tonnen Mostobst entspreche das einer finanziellen Einbusse von etwa 30 000 Franken.

In Brunners Obstgarten wachsen zirka 800 Hoch- und Halbstammobstbäume. Von den 470 Hochstamm-Obstbäumen sind ein Drittel Birn-, Kirsch- und Zwetschgenbäume. «Die Kirschbäume sind komplett leer, die Zwetschgen sehr unterschiedlich und bei den Mostbirnen haben wir nun das zweite Verlustjahr in Folge», erklärt der Bio-Obstproduzent.

Totalverlust in Höri

Bei Niederhöri unterhält der Kanton seit den 1980er Jahren den 8 Hektaren grossen Sortengarten «Reben» mit 350 Hochstamm-Obstbäumen. Als fachlicher Betreuer der Vereinigung Fructus, die Vereinigung zur Förderung alter Obstsorten, betreut Hans Brunner den Obstgarten, der auch ein lebendes Gen-Reservoir für die Züchtung neuer robuster Sorten ist. «Von den 350 Bäumen tragen dieses Jahr nur 6 Bäume Früchte. Der Ausfall beläuft sich auf 98 Prozent», sagt Brunner.

Diverse Einnahmen

Der Hochstammproduzent lebt mit einem unregelmässigen Einkommen infolge der Alternanz, das heisst, die Hochstamm-Obstbäume bringen nur alle zwei Jahre Ertrag. «Die Alternanz bei den meisten Apfel- und Birnensorten auf Hochstamm wird ausgelöst durch Pflanzenhormone und so, wenn alles gut geht, muss man im nächsten Jahr mit übervollen Bäumen rechnen», erklärt der Steinmaurer Obstspezialist.

Nebst der Betreuertätigkeit in Höri kann er das Gras, das in seinem Obstgarten wächst, einem Bachser Bio-Bauern mit Kühen verkaufen. Zudem ist der Steinmaurer freier Mitarbeiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (Fibl) in Frick. Auch unterhält der Obstproduzent 30 Bienenvölker. «Doch das ist nur ein Hobby», sagt Brunner, der trotz des katastrophalen Obstjahrs doch noch lächeln kann.

Beiträge für die Pflege

Trotz geringem Ertrag werden in diesem Betrieb auch in diesem Jahr die Bäume genauso gepflegt. Ein wichtiger regelmässiger finanzieller Beitrag an die Pflege seiner Hochstammobstbäume sind die Direktzahlungen. Seit 1990 erhalten Landwirte Direktzahlungen für ökologische Leistungen. Für Hochstamm-Feldobstbäume gibt es zwei Qualitätsstufen. «Wenn man die Qualitätsstufe II erfüllt mit mehr ökologischen Leistungen, was ich jedem empfehlen kann, werden bis zu 60 Franken pro Baum entrichtet», erklärt der Steinmaurer Bio-Obstproduzent.

«Dass die Hochstamm-Feldobstbäume auch in der tieferen Qualitätsstufe I besser gepflegt werden sollen, erwartet das Bundesamt für Landwirtschaft in einer Vernehmlassung, die aufs nächste Jahr in Kraft treten soll», sagt Brunner (der «Zürcher Unterländer» berichtete) und fragt sich: «Müsste dann allenfalls der Beitrag von 13,5 Franken pro Baum für eine umfassende Baumpflege – Schnitt, Mäusebekämpfung, Weideschutz – eventuell erhöht werden?»

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