Bachenbülach

Trotz Handicaps jeden Tag im Einsatz

Die Getränkeabteilung ist ihr Revier: Mitarbeitende der Klotener Stiftung Pigna arbeiten jeden Morgen im Coop Megastore in Bachenbülach.

Nadja Denicola und Cyrill Leemann unterstützen sich gegenseitig beim Auffüllen der Getränkeregale. Nach vier Jahren sind ein eingespieltes Team.
Video: Sharon Saameli/mcp

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Acht Uhr morgens, Coop Megastore in Bachenbülach. Arbeitsbeginn für Nadja Denicola, Cyrill Leemann und Nicole Goldmann: Sie werfen sich das hellblau karierte Coop-Tenue über wie Dutzende weitere Mitarbeitende auch, das Namensschild sitzt auf ihrer Brust. Aktuell begleitet Lorella das Trio, die eine Ferienvertretung des vierten Teammitglieds übernimmt. Dann geht es bereits in die Getränkeabteilung und ins Lager. Der Gruppe ist während vier Stunden dafür verantwortlich, dass sämtliche Getränkekühler und -regale des Geschäfts immer gefüllt sind.

70 verschiedene Getränke, manchmal als Einzelflasche oder im Sixpack: Anpacken tun alle, und die bis zu 200 Kilogramm schweren Wagen stossen sie teils zu zweit aus dem Lager.

Stolz auf die Arbeit

Das Quartett trägt zwar dieselbe Kleidung und geht denselben Arbeiten nach wie das gesamte Coop-Team. Oft werden sie auch von Kundinnen und Kunden angesprochen, wo welche Lebensmittel sind. Doch die vier sind Mitarbeitende der Pigna, der Klotener Stiftung für Raum für Menschen mit Behinderung. «Wir arbeiten seit dem 16. Januar 2017 hier», sagt Nadja Denicola nicht ohne Stolz. Coop und Pigna haben sich zu Beginn überlegt, ob es sinnvoll sei, die vier Mitarbeitenden speziell zu kennzeichnen, haben sich aber dagegen entschieden: Sie gehören ganz zum Team.

«Der Arbeitstag ist so für mich sehr abwechslungsreich.»Nadja Denicola, Coop-Mitarbeitende der Stiftung Pigna

Am Anfang seien die grösseren Getränkekühler ihre einzige Verantwortung gewesen. Dazu gehören auch die kleinen Kühler gleich bei den Kassen. «Vor allem im Sommer sind die sehr schnell leer», weiss Nicole Goldmann. Schon ihre Mutter habe in einem Coop im Unterland gearbeitet. «Ich habe sie schon im jungen Alter ab und zu am Mittwoch- und Samstagnachmittag begleitet. Deshalb kenne ich mich in den Filialen sehr gut aus», sagt sie.

Datumskontrolle gehört dazu

Nach und nach lernte das Team, in den anderen Abteilungen auszuhelfen. Sind sie mit den Kühlern fertig, beginnen sie damit, die neuen Lieferungen in die Regale einzufüllen. Und ungefähr alle zwei Monate kontrollieren sie die Daten der gekühlten Getränke auf deren Haltbarkeit. «Ab und an bekomme ich auch eine Liste mit den Haltbarkeitsdaten aus der Food- und Nonfood-Abteilung», erzählt Nadja Denicola. «Finden wir etwas, das bald abläuft, kleben wir Prozent-Sticker darauf und platzieren sie vorne im Regal. Dann werden sie schneller verkauft.»

Das Kleben der Etiketten ist eine Aufgabe, die Cyrill Leemann besonders gerne übernimmt. An diesem Morgen versieht er eine IPA-Biermarke mit den 50 Prozent-Klebern; sie werden demnächst aus dem Sortiment gestrichen.

Wie Markus Aeberhard, Leiter Arbeit bei Pigna, sagt, habe Coop die Stiftung im Jahr 2016 für eine Zusammenarbeit angefragt. «In der Welschschweiz gibt es solche Projekte schon länger. Der Coop Lenzburg war der erste in der Deutschschweiz, der nachgezogen hat. Das konnten wir uns ansehen. Wir haben ein tolles Projekt kennengelernt», erzählt er. Coopweit arbeiten rund 60 Personen mit einem Handicap in ähnlichen Projekten – in der Region Zürich sowie Nordwest- und Zentralschweiz mitunter in Lenzburg, im Krienser Pilatusmarkt, im Zürcher Letzipark und im Basler Spalemärt.

Vor Kurzem wurde klar, dass das Projekt ins dritte Jahr verlängert wird. Markus Eugster, Coop-Kommunikationsleiter der Region, begründet dies so: «Mit unserem Engagement möchten wir Menschen mit einem Handicap fördern. Durch die Beschäftigung erhalten diese Menschen eine sinnvolle Arbeit, die ihnen wertvolle Perspektiven bietet. Sie erhalten eine geregelte Tagesstruktur, kommen im Kontakt mit anderen Menschen oder können sich für den normalen Arbeitsmarkt fit machen. Eine sinnvolle Aufgabe wirkt sich positiv auf das Selbstwertgefühl aus. Die Erfahrungen sind sehr positiv und die Pigna-Mitarbeitenden bereichern das Team in Bachenbülach.»

«Eine sinnvolle Arbeit wirkt sich positiv auf das Selbstwertgefühl aus.»Markus Eugster, Leiter Kommunikation der Coop-RegionNordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich

Geschäftiges Treiben

Auch das Pigna-Quartett zeigt sich mit dem Einsatz zufrieden, wenn auch geschäftig. Es ist 9.15 Uhr, Zeit für eine kurze Kaffeepause. «Die Arbeit ist sehr motivierend für mich», sagt Nicole Goldmann. Nadja Denicola stimmt ein: «So ist der Tag für mich sehr abwechslungsreich. Morgens arbeite ich hier, am Nachmittag in der Pigna-Werkstatt im Hausdienst und der Küche.» Teils sei dies zwar stressig, «gerade in der Küche sind wir wegen Ferienabwesenheiten im Moment nur zu zweit.» Aber es mache Spass. Wenn sie freie Zeit für sich habe, gehe sie schwimmen oder Badminton spielen. Nicole Goldmann geht viel spazieren, «meine Leidenschaft ist aber das Putzen», ergänzt sie, und die Gruppe lacht. Und Cyrill Leemann? «Ich spiele Keyboard und singe, manchmal male ich auch mit Aquarell.»

Die vier Pigna-Mitarbeitenden werden zusätzlich zum bestehenden Coop-Team beschäftigt. Lohn erhalten sie von Coop indes nicht. «Wir erhalten von Coop eine Jahrespauschale, welche die Kosten für den Gruppenleiter abdeckt», hält Markus Aeberhard fest. Die Mitarbeitenden wie auch der Gruppenleiter erhalten dafür einen Lohn direkt von Pigna – wie alle anderen, die bei der Klotener Stiftung arbeiten.

Erstellt: 29.03.2019, 15:17 Uhr

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