Feuerbrand

Trügerischer Rückgang des Feuerbrands

Erst wenige Feuerbrandfälle wurden 2018 bislang entdeckt. Im Unterland ist nur ein einziger Baum in Embrach befallen. Doch die Seuche ist nicht besiegt. Gerade heuer dürfte es wohl wieder mehr Fälle geben.

Ist das aggressive Feuerbrandbakterium erst einmal durch die Blüte in eine Pflanze eingedrungen, stirbt ein Zweig und letztlich gar der ganze Baum ab.

Ist das aggressive Feuerbrandbakterium erst einmal durch die Blüte in eine Pflanze eingedrungen, stirbt ein Zweig und letztlich gar der ganze Baum ab.

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Der Feuerbrand scheint auf den ersten Blick nahezu besiegt. Ein Klick auf die aktuelle Befallskarte der Region zeigt vor allem eins: gähnende Leere. Bei genauem Hinsehen fällt aber doch ein gelber Fleck auf. Es ist Embrach, die einzige Gemeinde des Unterlands, wo in diesem Jahr ein Fall von Feuerbrand aufgetreten ist. In dieser Region ist es der erste Ausbruch der aggressiven Pflanzenseuche seit drei Jahren. 2015 hatte man in Steinmaur letztmals einen infizierten Baum entdeckt.

Noch vor zehn Jahren leuchtete die Übersichtskarte des landwirtschaftlichen Kompetenzzentrums Strickhof grossflächig gelb-rot. 2008 war nach dem ersten Ausbruch der eingeschleppten Krankheit im Kanton Zürich (1989) das schlimmste Befallsjahr mit 106 betroffenen Gemeinden. Damals waren auch Zürich Nord, das Furttal, Wehntal sowie das Rafzerfeld stark betroffen.

Hefepilz als Alternative zu Antibiotika

Der Bakterienbefall verursacht viel Aufwand und bedeutet für Äpfel- und Birnbäume meist das Ende. Besonders Niederstammanlagen, die heute den grössten Teil der Tafeläpfel liefern, müssen deshalb mit Pflanzenschutzmitteln geschützt und genau überwacht werden. Das Antibiotikum Streptomycin als stärkstes Gegenmittel ist inzwischen verboten. Es war umstritten und gelangte oft auch in den Honig.

Nun kommen alternative Präparate wie Hefepilze mit schwächerer Wirkung zum Einsatz. «Heuer haben wir im ganzen Kanton bislang wenig neue Fälle gehabt in den Niederstammanlagen», bestätigt Georg Feichtinger, Feuerbrand-Fachmann am Strickhof. Das lässt ihn zuversichtlich vorausblicken auf das, was diese Saison noch bringen könnte. Denn die kommerziellen Obstanlagen sind nur das Eine, Privatgärten und Hochstammobstgärten sind das Andere.

Witterung in diesem Frühling begünstigt den Befall

«In den nächsten Wochen werden Kontrolleure in allen Gemeinden auf Rundgänge gehen. Erst dann werden wir sehen, wie stark der Feuerbrand in diesem Jahr auftritt», sagt Feichtinger. Gerade in den privaten Gärten könnte noch so mancher Fall von Feuerbrand zu finden sein. Der Grund ist simpel: «Wir hatten diesen Frühling mehrfach sehr günstige Infektionsbedingungen», erklärt der Fachmann. Denn Feuerbrandbakterien können nur dann durch die Blüte in den Baum eindringen, wenn gewisse Temperaturen und eine entsprechende Luftfeuchtigkeit herrschen. Ein Befall lässt Triebe, Äste und letztlich ganze Bäume absterben, wenn man nichts tut.

Weil die Krankheit höchst anstecken ist, müssen auch Wirtspflanzen im Auge behalten werden. Dazu gehören etwa Weissdorn und Quitte. Gerade der Weissdorn blüht erst später, wenn die Obstbäume schon längst kleine Früchte tragen. Deshalb kann noch keine Entwarnung gegeben werden, auch wenn bislang noch nicht viele Befälle gemeldet wurden. Dass im Unterland in den letzten beiden Jahren kein Fall auftrat, schreibt Georg Feichtinger vor allem den Witterungsbedingungen zu.

2018 könnte es 30 bis 40 Gemeinden treffen

«Der Feuerbrand wird nicht verschwinden. Wir rechnen damit, dass die Bakterien inzwischen über das ganze Kantonsgebiet verteilt sind. Dank Rodungen von stark befallenen und Rückschnitt von robusten, nur schwach befallenen Wirtspflanzen in den vergangenen Jahren ist der Krankheitsdruck sicher auch tiefer.» Trotzdem geht er davon aus, dass 2018 kantonsweit wieder etwas mehr Gemeinden als zuletzt, vielleicht 30 bis 40, vom Feuerbrand betroffen sein werden. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.06.2018, 18:55 Uhr

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