Dietlikon

Tunnels graben für die Mobilität nach 2030

Ortsplanung mobilisiert die Massen. In Dietlikon steht das Thema jedenfalls hoch im Kurs. Zum einen, weil eine private Initiative eine bessere Mitwirkung innerhalb des Dorfes für die Zentrumsplanung fordert und zum andern, weil neue Eisenbahn- und Autobahnrouten das Dorf dereinst stark tangieren werden.

Eine bauliche Herausforderung  für die Eisenbahn- und Autobahnbauer dürfte diese Stelle nördlich des Bahnhofs Dietlikon werden. Ungefähr hier würden sich die neue Zufahrtsstrecke der Bahn (blau) zum Brüttener Tunnel nach Bassersdorf und die unterirdische Glattalautobahn (rot) dereinst kreuzen.

Eine bauliche Herausforderung für die Eisenbahn- und Autobahnbauer dürfte diese Stelle nördlich des Bahnhofs Dietlikon werden. Ungefähr hier würden sich die neue Zufahrtsstrecke der Bahn (blau) zum Brüttener Tunnel nach Bassersdorf und die unterirdische Glattalautobahn (rot) dereinst kreuzen. Bild: cwü

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Nun ist die Katze aus dem Sack: Erstmals haben die Dietliker am Montagabend aus erster Hand erfahren, wo und wie die grossen neuen Verkehrsachsen das Dorf treffen werden. Während manche eher erleichtert sein dürften, sind andere umso besorgter. Zwar erfuhren die gegen 200 anwesenden Dorfbewohner, dass die Autobahn schon recht früh unter Dietlikon hindurch abtauchen und in einem Tunnel die Gemeinde unterqueren wird.

Sie soll gemäss den gezeigten Plänen vom Rastplatz Baltenswil am heutigen Bahndamm entlang in Richtung Dietlikon führen und dort am Ortsrand bei der Firma Piatti bereits unter dem Boden auf das Siedlungsgebiet treffen. Weiter soll die Entlastungsautobahn gemäss der ersten genaueren Plänen dereinst quer unter Dietlikon und Wallisellen hindurch direkt zum Anschluss beim Stelzentunnel in Glattbrugg und auf den Nordring führen.

Angst vor Abluft-Schächten

«Was ist mit der Abluft? Haben wir nachher solche hässlichen Entlüftungsschächte mitten im Dorf?», wollten mehrere Personen wissen. Dazu meinte der Vertreter des Amts für Verkehr, Urs Günter, es gebe noch keine Detailplanung. Bislang könne noch nichts Verbindliches zu solchen Schächten gesagt werden und wo allenfalls welche platziert würden.

Die Glattalautobahn ist ins sogenannte Agglomerationsprogramm des Bundes aufgenommen worden, was die Umsetzung zwar realistischer macht, aber noch längst nicht sicherstellt. Es bedarf noch einiger politischer Entscheide bis unter Dietlikon ein neuer Autobahntunnel gegraben wird. Schätzungen gehen davon aus, dass dies erst nach 2030 der Fall sein dürfte.

Bahnausbau folgt wohl 2035

Sogar noch etwas länger dürfte die Realisierung des Brüttener Tunnels auf sich warten lassen. Der fürs Bauen zuständige Dietliker Gemeinderat Philipp Flach (SP) sprach in seinem Input-Referat eingangs der Info-Veranstaltung, von einer Umsetzung «im Optimalfall ab 2035». Gerry Steiner, SBB-Gesamtprojektleiter des Vorhabens, widersprach ihm nicht.

Die SBB seien zum heutigen Zeitpunkt nur Auftragsempfänger des Bundesamtes für Verkehr und hätten bis jetzt auch nur den Auftrag gehabt, die Machbarkeit abzuklären.

Was dabei herausgekommen ist, war ebenfalls erstmals und exklusiv auf den Plänen an der Stellwand im Fadachersaal zu sehen. Als leistungsfähige Zufahrt für den Brüttener Tunnel wäre ein viertes Durchgangsgleis für den Bahnhof Dietlikon zwingend nötig. Heute sind es nur deren drei. Platz dafür wäre vorhanden, wo das heutige Bahnhofsgebäude steht. «Der Bahnhof würde abgebrochen», bestätigte Steiner auf Anfrage eines Dietlikers die Pläne der SBB.

Gemeindepräsidentin Edith Zuber (SVP) machte deutlich: «Ob es danach überhaupt wieder ein Bahnhofsgebäude geben wird, wissen wir noch nicht. Villeicht wird es dann auch nur noch Automaten geben.»

Keinesfalls eine Überwerfung

Zuber zeigte aber, dass sie durchaus hart verhandeln kann, wenn es um die Minimierung negativer Auswirkungen aufs Dorf geht. «Wir haben den SBB klargemacht, dass wir eine neue Überwerfung beim Lampitzäckern nie akzeptieren werden.» Dort, am südlichen Ortseingang, kommen die Bahnlinien von Stettbach und Wallisellen her zusammen. Heute müssen die Züge die Gleise kreuzen.

Um das künftig zu vermeiden, muss ein Gleis entweder über eine Brücke oder durch eine Unterführung auf die jeweils andere Seite gelegt werden. «Eine reine Kostenfrage», verdeutlichte Zuber die Ausgangslage.

Eine sogenannte Überwerfung würde vor allem die Quartiere am Ortseingang belasten und zudem massiv verunstalten. «Wir planen mit der Variante », gab SBB-Projektleiter daraufhin mehrfach zu verstehen.

Das koste aber 50 bis 60 Millionen Franken mehr, worauf die Gemeindepräsidentin wiederum meinte: «Wir sind jetzt auf viel Goodwill von zahlreichen Politikern abhängig». Besser sieht es am anderen Ende des Dietliker Bahnhofs aus, wo die Abzweigung in Richtung Bassersdorf vom Bahndamm weg bei Piatti vorbei schon bald im Boden verschwinden soll.

Entschieden über diese Milliardeninvestition wird nämlich vorab von den National- und Ständeräten in Bern. Die Chancen auf grünes Licht für den Bahntunnelbau zwischen Bassersdorf und Winterthur stehen allerdings gut. Ohne diesen Ausbau wären ab 2020 keine Ausbauten im Bahnangebot mehr möglich , da die Kapazitätsgrenzen bis dann mit allen übrigen baulichen Massnahmen auf dem bestehenden Netz bereits voll ausgereizt sein werden.

Ausserdem nahm der Gemeinderat Stellung zur Ende Mai eingereichten Initiative Ortsplanung, die im September an die Gemeindeversammlung kommt. Sie verlangt eine Testplanung und mehr Mitsprache in Sachen kommunaler Planung, wobei auch die Bahnhofstrasse stärker eingebunden werden sollte. Bauvorsteher Flach war dies zu viel. Er warb für ein Nein zur Initiative, für die Behörden sei diese so nicht nötig. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 04.07.2017, 18:00 Uhr

Grossansturm herrschte im Fadachersaal als am Montagabend Gemeinderat und Vertreter von SBB, Kanton und Planungsbüros über den neusten Stand der (Verkehrs-) Planung in und um Dietlikon sprachen. (Bild: cwü)

Die Verzweigung südlich des Bahnhofs Dietlikon (hinten) soll mit einem Brückenbauwerk oder einer Unterwerfung das kreuzungsfreie Befahren der Linien nach Stettbach (links) und Wallisellen (rechts) ermöglichen. (Bild: cwü)

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