Kaiserstuhl

Turbulentes Geturtel auf der Bühne

Mit der Eigenproduktion «Ingeborg», einem Lustspiel in drei Akten, sorgt die Kaiserbühne bis Ende Jahr für vergnügliche und amüsante Abende. Das Fünf-Personen-Stück hatte am Freitag Premiere.

Die Ereignisse stellen die Protagonisten vor scheinbar unlösbare Probleme: Ottokar (Frank Bakker, v. l.), Ingeborg (Jacque­line Vetterli), Peter Peter (Niklas Leifert), Tante Ottilie (Franca Basoli) und Herr Konjunktiv (Bruno Meier) machen auf der Kaiserbühne gute Miene zum vertrackten Spiel.

Die Ereignisse stellen die Protagonisten vor scheinbar unlösbare Probleme: Ottokar (Frank Bakker, v. l.), Ingeborg (Jacque­line Vetterli), Peter Peter (Niklas Leifert), Tante Ottilie (Franca Basoli) und Herr Konjunktiv (Bruno Meier) machen auf der Kaiserbühne gute Miene zum vertrackten Spiel. Bild: Cyprian Schnoz

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«Es war einmal eine schöne, junge Frau namens Ingeborg», ist man, wie bei Märchen üblich, versucht zu sagen. Und um ein solches handelt es sich im Grunde auch – ein Märchen für Erwachsene allerdings. Ingeborg ist in zwei Männer verliebt. In ihren wohlhabenden Ehemann Ottokar und in Peter Peter, in den sie sich bei seinem unverhofften Besuch verknallt. Doch wie kam es zu dieser Doppelliebe?

Märchen, auch die erotisch angehauchten, können zuweilen recht komplex gestrickt sein. In der Komödie des 1960 verstorbenen deutsch-schweizerischen Schriftstellers und Schauspielers Curt Goetz nimmt die Dreierbeziehung schon in der frühen Schulzeit ihren Lauf. Peter hatte sich damals gegenüber dem Lehrer hartnäckig geweigert, das verbotene Rendezvous von Ingeborg und Ottokar zu verraten. Zur Strafe wurde er von der Schule verwiesen. Zum Rausschmiss beigetragen hatte auch Peters Gedicht, in welchem er den Leberfleck auf Ingeborgs linkem Knie besungen hatte.

Ingeborg ihrerseits hielt Ottokar für den tapferen Schüler und Gedichteschreiber, weshalb sie ihn vergöttert und schliesslich geheiratet hatte. Doch nun taucht Peter auf, und es stellt sich bald heraus, dass er eigentlich der Mann ihrer Träume und ihrer Begierde ist – wobei sie aber weiterhin auch ihren Ehemann liebt und partout von keinem von beiden lassen will. Was ist zu tun?

Ein starkes Ensemble

Die Situation verkompliziert sich weiter, weil die beiden Männer einander durchaus sympathisch sind, und keiner den anderen kompromittieren möchte. Also wird die trinkfeste, lebenserfahrene Tante Ottilie um Rat gefragt: «Die Frau bleibt bei dem Mann, den sie lieb hat, und mit dem anderen hat sie eine Liaison», lautet ihre pragmatische Empfehlung, die den beiden Männern aber nicht so recht passen will. Vielleicht hätte sie sich besser an ihren eigenen Ratschlag halten sollen, der da lautet: «Die Gelegenheit, etwas nicht zu sagen, sollte man nie ungenutzt lassen.»

Und Herr Konjunktiv, der Diener des Hauses, der sich gerne in der konjugierten Form ausdrückt («Es wäre angerichtet»), muss schliesslich angesichts der vertrackten Dreiecksbeziehung direkt werden: «Da ist nichts zu machen», lautet sein Verdikt.

Regisseur Peter Niklaus Steiner, zeigt bei der Besetzung der Rollen in der «Ingeborg»-Inszenierung ein feines Gespür für die Charaktere. So überzeugt die quirlige Jacqueline Vetterli als verführerische und listige Ingeborg, während Frank Bakker gefühlvoll den erfolgreichen, zuweilen naiven, aber gar nicht dummen Ehemann Ottokar spielt. Niklas Leifert verleiht dem blind verliebten Peter Peter vor allem durch seine starke Mimik viel Tiefe und Franca Basoli begeistert als Tante Ottilie, die in ihrer Weisheit ganz schön direkt und ja, auch verletzend sein kann. Bruno Meier spielt den Butler, Herr Konjunktiv, mit einer vornehmen Zurückhaltung, dass es ein Genuss ist.

Mit grossem Sprachwitz

Das heitere Bühnenstück, das durchaus eine kleine Prise Drama aufweist, zeichnet sich durch die hohe sprachliche Kunst aus. Die Dialoge, witzig und brillant zugleich, nehmen immer wieder unerwartete Wendungen – sehr zur Belustigung des Publikums. So zum Beispiel wenn Ingeborg völlig unvermittelt zu ihrem Ehemann sagt: «Heute Nacht habe ich dich betrogen.» Dieser, in seiner Schreibarbeit vertieft, antwortet: «Moment, ich bin gleich fertig.» Und fragt nach einer kurzen Pause seelenruhig und ohne jegliche Emotionen: «Mit wem denn?»

Das Stück beginnt bereits skurril: Ingeborg fängt Fliegen, die sie ihrem Laubfrosch im runden, goldgerahmten und hängenden Terrarium verfüttert. Das Sinnbild des Vögelchens im goldenen Käfig mutiert in der Komödie zum Frosch, in welchem möglicherweise auch noch ein Prinz steckt. Und Ingeborg als reiches Vögelchen wird von Langweile bedroht, doch da erscheint Peter Peter und das Lustspiel nimmt so richtig Fahrt auf.

Die Aufführung auf der Kaiserbühne, die für das Stück in einen lauschigen Garten mit Blumen- und Efeuranken verwandelt ist, bietet dem Publikum eineinhalb Stunden bester Unterhaltung. Für den grössten amüsanten Gewinn sorgen die schnellen Dialoge mit einigen Pointen.

Ein Kreis schliesst sich

Mit der Aufführung des Bühnenstücks, das bis Ende Jahr noch 18 Mal gegeben wird, schliesst sich in Kaiserstuhl ein Kreis. Im Jahr 1960 drehte der Regisseur Wolfgang Liebeneiner die Liebeskomödie «Ingeborg» nach dem Bühnenstück von Curt Goetz. Die Rolle des Ottokars spielt im Film der österreichische Schauspieler Dietmar Schönherr, der von 1990 bis 2005 in Kaiserstuhl lebte.

Erstellt: 22.10.2018, 17:58 Uhr

Infobox

«Ingeborg», die Komödie von Curt Goetz, wird bis Jahresende noch 18mal auf der Kaiserbühne gespielt. Aufführungstermine, -zeiten, Tickets und weitere Infos sind auf www.kaiserbuehne.ch erhältlich.

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