Dietlikon

Turmbau nimmt die erste Hürde

Der Planungskredit für den neuen Glockenturm der katholischen Kirche St. Michael in Dietlikon wurde angenommen. Damit hat das Projekt eine erste Hürde genommen.

Der frei stehende Glockenturm soll einfach in Form und Grösse sein und in das Gesamtbild passen.

Der frei stehende Glockenturm soll einfach in Form und Grösse sein und in das Gesamtbild passen. Bild: zvg

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53 zu 14 Stimmen lautete das zustimmende Ergebnis an der Versammlung der katholischen Kirchgemeinde Wallisellen, zu der auch die Pfarrei St. Michael in Dietlikon gehört. 10 Personen konnten sich offenbar weder für die eine noch die andere Seite entscheiden. Damit sagten die Stimmberechtigten Ja zu einem Kredit von rund 48 000 Franken zur Ausarbeitung eines Bauprojektes für einen Glockenturm. Das Turmprojekt, das schon im Vorfeld zu Diskussionen geführt hat, kann jetzt weiterverfolgt werden.

Glocken wecken Emotionen

«Wir möchten mit dem neuen Glockenturm niemanden verärgern», sagt Gemeindeleiter Reto Häfliger. «Aber zu einer katholischen Kirche gehört auch ein Glockengeläut. Das ist tief verwurzelt.»

Die Frage ist trotzdem emotionaler als gedacht. Seit der Informationsveranstaltung für Gemeindemitglieder und Anwohner vor ein paar Wochen gab es einige negative Reaktionen und auch zwei Kirchenaustritte. Andererseits kamen auch viele positive Rückmeldungen, insbesondere auch von Angehörigen der reformierten Kirche. Dabei gab nicht so sehr das eigentliche Bauprojekt zu reden, der geplante 18 Meter hohe Turm, sondern das Läutreglement für die Glocken.

Was in der ganzen Stadt Zürich Usus ist und auch von der reformierten Kirche in Dietlikon seit Jahren praktiziert wird, ist beim neu geplanten Glockenturm der Katholiken umstritten: Montag bis Freitag sollen die Glocken um 7, 11 und um 19 Uhr läuten, an Sonn- und Feiertagen vor und nach Gottesdiensten sowie bei besonderen kirchlichen Anlässen wie Hochzeiten und Beerdigungen. Normalerweise gibt es bei Kirchengeläute Streitigkeiten wegen Zeit-Glockenschlägen in der Nacht und vor 7 Uhr in der Früh. Dem ist die Kirchenpflege zuvor gekommen und hat sich an der bewährten Praxis der reformierten Kirche im Dorf ausgerichtet.

René Baumgartner aus Wallisellen und ehemaliger Kirchenpräsident gab zu bedenken: «Dietlikon ist wahrscheinlich einzigartig in der Schweiz, eine Kirche ohne Kirchturm und ohne Glocken.» Er begrüsste den Antrag zum heutigen Zeitpunkt. Es gab in der Vergangenheit verschiedene Anläufe zur Fertigstellung wie beim ursprünglichen Kirchenbau vorgesehen. 1970 hatte ein privater Gönner einen Glockenfonds mit 12 000 Franken geäufnet, damit das Projekt nicht vergessen geht. Jetzt habe die Kirche genügend finanzielle Mittel, um das Projekt aus eigener Kraft zu realisieren.

Diskutiert wurde an der Versammlung noch der Standort des geplanten Turms. Um ein sichtbares Zeichen zu setzen, wäre es an der Schwerzelbodenstrasse vorteilhafter fanden einige Votanten.

Glocken haben nicht mehr die gleiche gesellschaftliche Bedeutung wie einst. Dennoch sah Gemeindeleiter Reto Häfliger in ihnen ein Zeichen für die sichtbare Präsenz des christlichen Glaubens im öffentlichen Raum. Sie sollten den Blick vom Menschen zum Himmel führen.

Baugenehmigung erforderlich

Im ursprünglichen Projekt aus den 60er Jahren war ein Glockenturm bereits geplant. Trotzdem braucht es jetzt eine neue Baugenehmigung. Entsprechende Vorabklärungen sind bereits positiv verlaufen.

Die Höhe des Turms wird dabei kein Thema sein, ebenso wenig wie das Läutreglement. Das Kirchgelände befindet sich in der Zone für öffentliche Bauten. Hier gibt es keine Höhenbeschränkungen. Und das Glockenläuten ist auch kein Bestandteil einer Bauausschreibung. Der Steuerfuss bleibt bei vergleichsweise niedrigen 9 Prozent auch wenn Defizite prognostiziert sind. Die übrigen Traktanden wie Bauabrechnungen und Budget wurden alle angenommen.

Auch wenn ein gewisses Verständnis für die Skepsis der Anwohner vorhanden sei, zeigte sich Hanspeter Kündig, Präsident der Kirchenpflege überzeugt, dass das Möglichste getan wurde, um auf die verschiedenen Befindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. «Architektonisch und glockentechnisch sollten wir uns eigentlich im zumutbaren Rahmen bewegen.»

Erstellt: 22.11.2017, 16:12 Uhr

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