Kloten

TV-Premiere am Ruebisbach

Das Schweizer Fernsehen überträgt das heutige Halbfinalduell der Kloten-Dietlikon Jets live aus Kloten. Damit es für die Frauen nicht bei der Premiere bleibt, brauchen sie Zuschauer. Und gute Gegnerinnen.

Jets-Topskorerin Michelle Wiki hat bereits Erfahrung mit TV-Interviews gemacht. 2016 stand sie SRF-Sportreporter Sascha Ruefer in der Pause des Superfinals Rede und Antwort. Vielleicht wird sie das heute erstmals auch im Rahmen einer Playoff-Partie tun.

Jets-Topskorerin Michelle Wiki hat bereits Erfahrung mit TV-Interviews gemacht. 2016 stand sie SRF-Sportreporter Sascha Ruefer in der Pause des Superfinals Rede und Antwort. Vielleicht wird sie das heute erstmals auch im Rahmen einer Playoff-Partie tun. Bild: Sibylle Meier

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wenn heute um 17 Uhr die erste Partie der Halbfinalserie zwischen den Kloten-Dietlikon Jets und Unihockey Berner Oberland angepfiffen wird, dann ist nicht nur der Fan in der Halle, sondern auch das Fernsehpublikum zu Hause auf dem Sofa live mit von der Partie. Denn erstmals überhaupt zeigt das Schweizer Fernsehen (SRF) ein Unihockey-Playoff-Spiel der Frauen in voller Länge. Die TV-Präsenz der Unihockeyanerinnen beschränkte sich im Playoff bisher auf das finale Duell um den Titel und blieb darum den nationalen Branchenführerinnen aus Dietlikon und Chur vorbehalten, die sich seit der Einführung 2015 in jedem Superfinal gegenüberstanden.

Bereits letzte Saison hat SRF2 ab den Playoff-Viertelfinals eine Unihockey-Partie pro Woche ausgestrahlt. Welches Spiel zum Zug kommt, entscheidet der Steuerungsausschuss von Swiss Unihockey in Absprache mit SRF. Dass die Frauen erst jetzt erstmals den Sendeplatz besetzen, erklärt Simon Dillier, der die TV-Spiele für den Verband plant und organisiert, mit der schlechteren Infrastruktur in der höchsten Frauenliga. «Noch sind dort längst nicht alle Hallen TV-tauglich.»

Chur kann nicht

Aus diesem einfachen Grund fiel die Wahl auch diskussionslos auf die Jets, denn Meister Piranha Chur, der im zweiten Halbfinalduell auf Emmental Zollbrück trifft, hatte für den angesetzten Termin keinen geeigneten Austragungsort zu bieten. Anders die Dietlikerinnen, die mit der Ruebisbachhalle gut vorbereitet sind. «Wir profitieren nun von der Fusion zum Grossverein», bemerkt Frauen-Sportchef Antti Uimonen. Die Jets mussten ihre Heimstätte für das Männer-NLA-Team nämlich bereits vor einem Jahr für die SRF-Kameras aufrüsten. Dass diese heute die Frauen ins Bild rücken, ist erst seit Montag definitiv klar. Und das bedeutet vor allem für eine Frau im Verein Überstunden: Christelle Wohlhauser.

«Wir brauchen das Publikum in der Halle, damit die Stimmung stimmt.»

Antti Uimonen?
Sportchef Frauen 
der Kloten-Dietlikon Jets.

Die 27-jährige Stürmerin der Jets ist seit 10 Monaten beim Verein Vollzeit als Geschäftsführerin angestellt und nun verantwortlich dafür, dass in der Ruebisbachhalle alles glatt läuft. Wohlhauser koordinierte im Lauf dieser Woche den Auf- und Abbau des Spielfelds mit dem Verband, organisierte die Einlaufkids, stellte einen Apéro im VIP-Bereich auf die Beine, liess die Banden mit den Sponsoren des Frauenteams aus Dietlikon holen und instruierte die rund 25 vereinsinternen Helferinnen und Helfer von der Bandenrichterin über den Fanshirt-Verkäufer bis zur Kabelträgerin. Ob da überhaupt noch Zeit fürs Training bleibt? Wohlhauser lacht und meint: «Klar. Unihockey hilft mir nach der Arbeit den Kopf zu lüften.» Organisatorisch hat sie, die auch mit Stock und Ball für ihre Akribie bekannt ist, alles im Griff. Aber auch Wohlhauser weiss, dass es für eine gelungene Premiere noch zwei weitere Komponenten braucht: sportliche Spannung und ein perfektes Publikum.

Sportliche Spannung

Dass die Frauenteams mit einer Halbfinalpartie erstmals auf Sendung sein werden, ist gut gewählt. Um Spannung bereits im Viertelfinal zu garantieren, ist die höchste Schweizer Frauenliga nicht ausgeglichen genug. Piranha Chur und die Kloten-Dietlikon Jets machten die letzten sieben Titel unter sich aus, ernsthaft herausgefordert werden sie von der Konkurrenz nur selten. Meister Chur setzte sich im Viertelfinal gegen Laupen schnellstmöglich mit 31:2 Toren durch. Und dass die Jets in der Best-of-5-Serie gegen die Red Ants Winterthur vier anstelle von drei Spielen zum Weiterkommen benötigten, war bereits eine kleine Überraschung. Immerhin, die jüngsten Duelle gegen die heutigen Gegnerinnen aus dem Berner Oberland waren keine Selbstläufer. Die Dietlikerinnen siegten diese Saison zweimal nur knapp mit 5:4 und 4:2. Christelle Wohlhauser jedenfalls ist überzeugt, dass die Bernerinnen für die Jets zähe Kontrahentinnen sein werden. «Sie sind kämpferisch sehr stark und werden uns kaum ein «Stängeli» zugestehen.

BEO bringt 100 Fans

Zwei motivierte Teams allein genügen aber noch nicht für das richtige Ambiente. Es klingt paradox, aber für die Jets gäbe es bei der TV-Premiere nichts Schlimmeres, als wenn die Leute zu Hause vor dem Fernseher sitzen blieben. «Wir brauchen das Publikum in der Halle, damit die Stimmung stimmt», sagt Sportchef Uimonen. Wenn die Lücken auf der Tribüne für eine Kulisse sorgen, die eher an einer Volleyballnacht kurz vor Sonnenaufgang erinnert als an einen Playoff-Fight, dann ist das keine gute Werbung für den Sport. Der diesjährige Zuschauerschnitt der Jets-Frauen ist mit 154 NLA-Mittelmass und reicht nicht aus, um die Ruebisbachhalle ansehnlich zu füllen.

«300 bis 400 Leute brauchen wir schon dafür», schätzt Wohlhauser, die darum in den vergangenen Tagen kräftig die Werbetrommel rührte und auch die Gegnerinnen kontaktierte. Mit Erfolg: Die Berner Oberländerinnen haben inzwischen zugesichert, mit gut 100 Fans nach Kloten zu reisen. Den aktuellen Zuschauerrekord eines Frauenspiels werden die Jets trotz aller Bemühungen aber kaum knacken können – dafür hat nur schon die Halle zu wenig Kapazität. Die Bestmarke liegt bei 950 Zuschauerinnen und Zuschauern und wurde von Piranha Chur gesetzt.

Der blaue Teppich

Heute Morgen wird nun also der Unihockeyboden in der Ruebisbachhalle ausgerollt, er ist zwar nicht rot, sondern hellblau, aber gleichwohl auch zum Präsentieren gedacht. Das sagt Dillier vom Verband: «Wir wollen den Frauen eine Plattform bieten, um für die Heim-WM im Dezember in Neuenburg zu werben.» Und auch Spielerin Wohlhauser ist bewusst, «dass wir zeigen müssen, wie attraktiv auch Frauenunihockey sein kann.» Abgesehen vom Superfinal, sind momentan noch keine weiteren TV-Spiele der Frauen geplant. «Der Verband wird nach der Saison entscheiden, ob auch in der kommenden Spielzeit fix eine Frauenpartie während des Playoffs eingeplant werden soll», sagt Dillier. Der Vertrag mit dem Schweizer Fernsehen läuft bis 2023. Da bleibt grundsätzlich genug Zeit, die Leute vom Leutschenbach ein weiteres Mal an den Ruebisbach zu bewegen.

Erstellt: 29.03.2019, 21:15 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.