Wallisellen

Um den Bahnhof Wallisellen tobt ein alter Schadstoff-Streit

Beim Erstellen des Zentrumsbaus Mittim in Wallisellen wurden krebserregende Stoffe im Boden festgestellt. Ein Rechtsstreit um die damit verbundenen Kosten zwischen einer Baufirma, der Gemeinde und einer chemischen Reinigung dauert bis heute an.

Noch immer müssen sich Gerichte mit einem Streit auseinandersetzen, der vor zehn Jahren seinen Anfang nahm.

Noch immer müssen sich Gerichte mit einem Streit auseinandersetzen, der vor zehn Jahren seinen Anfang nahm. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Zentrumsbau Mittim beim Walliseller Bahnhof ist seit Jahren in Betrieb. Doch noch immer müssen sich die Gerichte mit einem Streit auseinandersetzen, welcher 2008 während den Bauarbeiten für den markanten Bau beim Bahnhof Wallisellen begann, wie aus einem aktuellen Entscheid des Bundesgerichts hervorgeht. Es streiten sich die Gemeinde, eine Baufirma und eine chemische Reinigung. – Rückblende: Bei den Bauarbeiten wurde im Untergrund in Bahnhofsnähe ausgetretenes Tetrachlorethen festgestellt.

Der als Per bekannte Stoff wird vor allem in chemischen Reinigungen eingesetzt und ist ein potenziell krebserzeugender Gefahrenstoff . Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) stufte den Standort daraufhin als sanierungsbedürftig ein. Zur Vermeindung von Bauverzögerungen, insbesondere im Hinblick auf die Inbetriebnahme der Glattalbahn, verzichtete es jedoch auf eine Detailuntersuchung. Das verseuchte Areal wurde im Zuge der Bauarbeiten saniert.

Vertrackte Schuldfrage

Als Verursacher wurde später eine von 1980 bis 1994 auf dem Areal vorhandene chemische Reinigung ausgemacht. Bis 1991 hat diese ihr Abwasser in die Kanalisation abgeleitet.

Aber auch der Gemeinde Wallisellen wies das Awel am Ende in seiner Verfügung Schuld zu, weil diese über Jahre hinweg verstopfte, schlecht verputzte, nicht fachgerecht eingebaute und sogar lecke Kanalisationsleitungen geduldet habe. Erst dadurch hätten die giftigen Stoffe in den Untergrund gelangen können. Das Awel kam deshalb zu folgendem Schluss: Die Sanierungskosten von rund 600 000 Franken werden zu 55 Prozent der chemischen Reinigung auferlegt, die Bauherrschaft übernimmt 20 und die Gemeinde 25 Prozent.

Dagegen rekurrierten alle drei Parteien. Die chemische Reinigung stellt in Abrede, überhaupt für die Verschmutzung verantwortlich zu sein. So existiere die Firma gar nicht mehr, die damals die Reinigung an der Bahnhofstrasse betrieben habe. Und die heute bestehende Nachfolgefirma könne rechtlich nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden, so das Argument. Hinzu komme, dass es an derselben Strasse noch weitere chemische Reinigungen gegeben habe. Die betroffene Baufirma sieht sich als Nicht-Verursacherin nicht verpflichtet etwas zu bezahlen. Ebensowenig die Gemeinde Wallisellen, die in Abrede stellt, dass es überhaupt je einen Sanierungsbedarf gab.

Zu diesem Schluss ist nun auch das Bundesgericht gelangt. Gemäss einer Einschätzung des Bundesamts für Umwelt (Bafu), ist das Verwaltungsgericht als Vorinstanz bei seinem Entscheid zu Unrecht von einem Sanierungsbedarf ausgegangen. Das Bundesgericht hat den Fall nun ans Verwaltungsgericht zurückgewiesen. Dieses muss erneut darüber befinden, wer für die angefallenen Sanierungskosten von 600 000 geradestehen muss. Weder das Awel noch die Gemeinde Wallisellen wollten zum Verfahren Stellung nehmen.

Fürs Awel ist der Fall klar

Laut Auskunft des Awels müssen die Sanierungskosten bei einem sanierungsbedürftigen Standort grundsätzlich vom Verusacher und vom «Zustandsstörer», in diesem Fall die Baufirma, übernommen werden. Ist ein Standort «nur» belastet, trägt der Bauherr die Kosten. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 16.04.2018, 17:17 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zuonline.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 854 82 14. Mehr...

Newsletter

Die Woche in der Region.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Werbung

Branchenbox

Die wöchentliche Seite in der Printausgabe des «Zürcher Unterländer». Ihre Kontaktangaben immer online abrufbar.