Pro und Kontra

Umstellung auf die Sommerzeit - eine gute Sache?

ZU-Redaktorin Katja Büchi findet die Umstellung auf Sommerzeit eine gute Sache - nicht dieser Meinung ist ZU-Redaktor Manuel Navarro.

An diesem Wochenende stellen wir wieder auf Sommerzeit um.

An diesem Wochenende stellen wir wieder auf Sommerzeit um. Bild: Keystone

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PRO

Katja Büchi, Redaktorin Zürcher Unterländer

Heue Nacht lassen wir die Uhren von 2 auf 3 Uhr springen. Ich freue mich sehr darauf, da ich die Sommerzeit kaum erwarten kann. Mit dieser Meinung befinde ich mich allerdings nicht unbedingt in bester Gesellschaft. Dieses eigentlich banale Ereignis sorgt immer wieder für Gesprächsstoff – sei es in der Beiz beim Bier oder auf europapolitischer Ebene.

Erst im Februar forderten Abgeordnete des EU-Parlaments, den Sinn der Sommerzeit zu überprüfen und diese gegebenenfalls abzuschaffen. Es komme zu einem «Mini-Jetlag», begründen einige Gegener ihr Bestreben nach einer Aufhebung der Sommerzeit. Na und? Ich finde das gut, diese eine Stunde gibt uns einen Schubs und wir fallen etwas aus unserem Trott. «Es bringt keinen energetischen Mehrwert», lautet ein anderes beliebtes Argument gegen die Sommerzeit. Ok, kann sein. Vielleicht wäre die Bilanz etwas besser, wenn wir nicht so viel Energie dafür aufwenden würden, uns darüber aufzuregen.

Bei der ganzen Diskussion besonders amüsant finde ich, dass die Schweiz Ende der 1970er Jahre sich wieder einmal künstlich von ihrer Umgebung abgrenzen mussten. Ein Referendum führte dazu, dass die Schweiz die Uhren nicht umstellte und somit eine Zeit-Insel war. Da bin ich echt froh, dass wir 1981 nach der temporären Abschaffung wieder auf die Sommerzeit umstellen mussten, weil sie in allen Nachbarstaaten galt.

Stellen Sie sich mal vor, das wäre nicht geschehen und wir wären ab Sonntag wieder für ein halbes Jahr eine Stunde hinterher: Bei der Fahrt nach Frankreich oder Italien müssten wir nicht nur daran denken, die Euros ins Portemonnaie zu packen, sondern auch noch daran, die Uhr umzustellen. Absurd. Auch der Sonntagabend würde völlig aus den Fugen geraten. Der Tatort auf SRF müsste schon um 19 Uhr beginnen, damit er etwa zeitgleich mit der ARD-Ausstrahlung wäre.

Nun zu meinen persönlichen Gründen, warum ich die Sommerzeit toll finde: Es ist abends länger hell. Das entspricht mehr meinem natürlichen Rhythmus. So einfach ist es. «Dann ist es aber am Morgen wieder dunkel», ist oft die Reaktion darauf, wenn ich mich als Sommerzeit-Fan oute. Das interessiert mich nicht. Ich stehe nie besonders früh auf, und auch wenn, bin ich so mies gelaunt, dass es völlig egal ist, ob der Mond noch am Himmel klebt – so lange die Sonne am Feierabend vom Himmel strahlt.
katja.buechi@zuonline.ch

KONTRA

Manuel Navarro, ZU-Redaktor

In der kommenden Nacht ist es wieder soweit: Die Chronometer müssen um eine Stunde vorgestellt werden. Aus 2 Uhr nachts wird plötzlich 3 Uhr. Und landauf, landab wird gemault, «Wir verlieren eine Stunde Schlaf!» Es ist ein kollektives Gejammer und Geheule, dass es zum Schämen ist.

Alleine schon deswegen wünschte ich mir, dass die Zeitumstellung abgeschafft würde. Aber es gibt auch noch triftigere Argumente dafür. Dabei hilft es, sich zu überlegen, weshalb es dieses Hin- und Herschieben von Stunden überhaupt gibt. Die Zeitstellung ist nämlich nichts anderes als ein inzwischen überholtes und anachronistisches Relikt. Während Jahrtausenden kam die Menschheit vorzüglich ohne Zeitumstellung aus.

Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts propagierten ein paar kluge Köpfe, die Uhren im Sommer vorzustellen. Sie hatten damals gute Gründe dafür: Durch die Sommerzeit erhoffte man sich, Energie sparen zu können, weil man Abend später die künstliche Beleuchtung aktivieren musste. Weniger gut: Tatsächlich umgesetzt wurde die Idee in Deutschland 1916 – Energie sparen wollte man dabei aber vor allem, weil der Erste Weltkrieg im Gange war.

In den nächsten Jahrzehnten experimentierten verschiedene europäische Länder mit der Sommerzeit. Richtig durchsetzen konnte sich das Ganze aber nicht und nach dem Zweiten Weltkrieg war die Zeitumstellung nicht mehr en vogue. Erst nach der Ölkrise in den 70er-Jahren führte Frankreich die Zeitumstellung wieder ein, erneut mit dem Hinweis auf die Energieersparnis. Andere europäische Länder folgten, aber mit anderer Argumentation: Man wollte die Zeit innereuropäisch harmonisieren.

Womit wir beim springenden Punkt wären: Geht es um eine Harmonisierung der Zeiten, wird es mit der Zeitumstellung nicht wirklich besser. Verschiedene Zeitzonen gibt es innereuropäisch trotzdem. Und von Energiesparen kann heutzutage sowieso schon längst nicht mehr die Rede sein. Die Strassenbeleuchtung trägt bestimmt ihren Teil dazu bei, aber gearbeitet wird heute rund um die Uhr und in den seltensten Fällen hängt die ausgeführte Arbeit dabei vom Tageslicht ab. Die Zeitumstellung hat also ihren ursprünglichen Zweck längst verloren. Sie kann deshalb abgeschaft werden. Das Problem dabei: Das funktioniert nur, wenn sie gesamteuropäisch abgeschafft wird. Und mit europäischer Kooperation haben wir Schweizer es ja nicht so.
manuel.navarro@zuonline.ch

(Erstellt: 23.03.2018, 17:24 Uhr)

Katja Büchi: «Es ist abends länger hell. Das entspricht mehr meinem natürlichen Rhythmus.»

Manuel Navarro: «Die Zeitumstellung hat ihren ursprünglichen Zweck längst verloren.»

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