Bachenbülach

Umstrittene Ausnahme der Regel

Beim Coop Center Bachenbülach parkieren Kunden seit Dezember gratis. Als Begründung dienen noch immer die Bauarbeiten an der Grenzstrasse. Seit Freitag muss wieder bezahlt werden.

Beim Coop-Einkaufscenter in Bachenbülach trafen Einkaufende schon seit langem bei der Ein- und Ausfahrt auf offene Barrieren. Jetzt soll damit wieder Schluss sein.

Beim Coop-Einkaufscenter in Bachenbülach trafen Einkaufende schon seit langem bei der Ein- und Ausfahrt auf offene Barrieren. Jetzt soll damit wieder Schluss sein. Bild: Fabian Boller

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Wer in Bülach Süd oder Bachenbülach mit dem Auto einkauft, muss eigentlich eine Parkgebühr bezahlen. Denn die Geschäfte sind gemäss Baubewilligung dazu verpflichtet, ihre Parkplätze zu bewirtschaften. Eine Ausnahme bildet der Coop Megastore. Dort kann man sich die Kosten von einem Franken pro Stunde seit 16. Dezember 2017 sparen.

Seit diesem Tag sind die Schranken ausser Betrieb, am Ticketautomat hängt ein Zettel «Ausfahrt offen» Das ärgerte den Bülacher Gemeinderat Daniel Wülser (GLP). «Es kann nicht sein, dass Bachenbülach die gebührenpflichtige Bewirtschaftung nicht konsequent durchzieht», sagt Wülser. Auf seine erste Nachfrage bei der Gemeinde erhielt er im Januar die Auskunft, die Schranken seien defekt, Coop arbeite mit Hochdruck an einer Lösung.

Als die Schranken nach vier Monaten immer noch offen standen, hakte Wülser nach. Markus Biser, Leiter Bau und Umwelt beschied ihm im Antwortschreiben: «Nach der Eröffnung der umgebauten Grenzstrasse herrschten zum Teil chaotische Zustände bei der Ausfahrt aus dem Coop Areal, was die Verkehrssicherheit massiv beeinträchtigte. Aus diesem Grund mussten die Schranken offengelassen werden.»

Längere Grünphase verlangt

Coop habe beim Tiefbauamt Kanton Zürich zudem eine längere Grünphase für die Ausfahrt auf die Grenzstrasse verlangt. Dieses habe aber erst die Zustimmung der Kapo einholen müssen. Zudem seien die Arbeiten am Knoten bei der Ausfahrt erst kürzlich fertiggestellt worden.

Stellt sich die Frage, weshalb Coop die Schranken nicht wenigstens an Tagen mit geringer Kundenfrequenz in Betrieb nimmt. «Rückstaus und schwierige Verkehrssituationen können bei Bauarbeiten auch kurzfristig und an Tagen mit niedriger Kundenfrequenz entstehen», erklärt Markus Eugster, Mediensprecher Coop. Um dem vorzubeugen, habe man sich dazu entschlossen die Schranken bis zur finalen Lösung nicht zu nutzen.

Einen Wettbewerbsvorteil wolle man sich mit den temporären Gratisparkplätzen nicht verschaffen. Wegen der Bauarbeiten wären Rückstaus und Verkehrsprobleme zu erwarten gewesen. Nur deshalb habe man die Schranken offen gelassen. «Eine andere Absicht gibt es nicht», sagt Eugster. Die Einnahmen aus dem Parking fliessen in die Kasse der Gebäudenutzer.

Daraus wird unter anderem der Unterhalt der 413 Parkplätze bezahlt. Für Coop bedeute das Offenlassen der Schranken also Einnahmenausfälle. «Über die Höhe können wir nur spekulieren», sagt der Mediensprecher. Klar ist aber: Die Schranke wird bis zum Wochenende wieder in Betrieb genommen. Ausserdem plant Coop eine Umgestaltung. «Im Grundsatz erhoffen wir uns eine unkomplizierte Ausfahrt», sagt Eugster.

VCS rügt Gemeinde

Dass man für die Parkplätze bezahlen muss, hat mit einer aussergerichtlichen Einigung zwischen Coop und dem Verkehrs-Club der Schweiz VCS im Jahr 2004 zu tun. Die Parkplatzbewirtschaftung war eine Voraussetzung, damit der VCS seinen Rekurs gegen das Bauvorhaben zurückzog. «Bachenbülach hat diese Vereinbarung bei der Erteilung der Baubewilligung übernommen. Sie ist nach wie vor gültig», sagt Petri, Geschäftsführerin VCS.

Es sei deshalb Aufgabe der Gemeinde, die Einhaltung zu überwachen und allenfalls Sanktionen zu verhängen. «Wenn man weiss, dass keine Gebühr erhoben wird, und nichts macht, handelt es sich um gezieltes Wegsehen», sagt sie. Die Begründung mit den Bauarbeiten an der Grenzstrasse reiche nicht, um die Bewirtschaftung so lange auszusetzen, findet sie: «Da braucht es schon mehr.» Von der Gemeinde Bachenbülach war gestern Freitag wegen des jährlichen Gemeinderatsausflugs niemand zu erreichen.

Offene Schranken und damit das Gratisparkieren beim Coop-Center sind nicht zum ersten Mal ein Thema. Bereits früher standen Schranken mehrfach für längere Zeit offen. Auch damals berief sich das Unternehmen auf den Rückstau wegen einer Baustelle und sprach von einer aussergewöhnlichen Massnahme. Wiederholt wurden auch technische Störungen als Ursache genannt.

Erstellt: 01.06.2018, 17:06 Uhr

Alt bedeutet gratis

Gratis parkieren kann man im Bachenbülacher Einkaufszentrum Parkallee. Diese wirbt sogar eigens mit «500 gedeckten Gratisparkplätzen in unserem grosszügigen, hellen Parkhaus». Der Grund: Das Einkaufzentrum ist älter als 20 Jahre. Bei jedem der danach erstellten Einkaufszentren war die durchgehende Bewirtschaftung von Parkplätzen Voraussetzung für eine Baubewilligung. Bei einem Umbau wird eine Bewirtschaftung erforderlich, wenn sich die Verkaufsfläche oder die Anzahl Parkplätze erhöht. Dass erklärt auch, weshalb im Walliseller Glattzentrum noch heute kostenlos parkiert werden kann.

Der Zettel an der Kasse hängt seit Mitte Dezember 2017 dort. (Bild: PD)

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