Wallisellen

Umweg über Kreisel sorgte für Beschwerde gegen Strassenprojekt

In Dietlikon kann ein neues Verkehrsregime nächstes Jahr umgesetzt werden. Auch wegen der Nachbar­gemeinde Wallisellen, welche Beschwerde beim Verwaltungsgericht eingereicht hatte, kam es zur Verzögerung des Projekts. Später hat Wallisellen die Beschwerde aber zurückgezogen.

Neues Verkehrsregime ab Frühling 2019: Industriegebiet Dietlikon.

Neues Verkehrsregime ab Frühling 2019: Industriegebiet Dietlikon. Bild: Screenshot Google Maps

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Im Frühling 2019 soll im Industriegebiet in Dietlikon ein neues Verkehrsregime für insgesamt 24 Millionen Franken installiert werden (siehe Artikel rechts). Ein Urteil des Verwaltungsgerichts hat im März den Weg dafür freigemacht und sechs Beschwerden gegen das Projekt abgewiesen.

Wie der «Anzeiger von Wallisellen» letzte Woche berichtete, hatte ursprünglich auch die Gemeinde Wallisellen vor Gericht das Projekt angefochten. Die Gemeinde hatte allerdings nie konkrete Angaben zum Hintergrund dieser Beschwerde gemacht – bis jetzt. «Zu laufenden Verfahren nimmt die Gemeinde grundsätzlich wenn dann nur sehr zurückhaltend Stellung», erklärt der zweite Gemeindeschreiber Marcel Amhof. «In diesem konkreten Fall hätte eine offenere Kommunikation zudem die Interessen von weiteren Parteien im Rechtsmittelverfahren tangiert», so Amhof weiter. Deshalb habe man sich für eine passive Kommunikationspolitik entschieden.

Wallisellen forderte den Linksabbieger

Nach Abschluss des Verfahrens erklärt die Gemeinde nun, wie es zu der Beschwerde gekommen war. Der Stein des Anstosses war ein fehlender Linksabbieger von der Widenholz- auf die Industriestrasse. Die Industriestrasse liegt auf Dietliker Boden und führt vom Kreisel beim Toys R Us entlang von Jumbo Maximo und Qualipet an McDonald’s vorbei und endet dort in einer Kreuzung auf die Neue Winterthurerstrasse. Die Widenholzstrasse ihrerseits endet in einer Kreuzung direkt südlich von McDonald’s auf die Industriestrasse. Das neue Verkehrsregime sieht vor, dass auf der Industriestrasse nur noch in Richtung Kreisel beim Toys R Us gefahren werden darf – wodurch ein Linksabbiegen aus der Widenholzstrasse unmöglich wird. Wer also von dort aus nach Wallisellen fahren möchte, muss nun einen Umweg über den Kreisel in Kauf nehmen.

Der Gemeinderat befürchtete, dass sich dies negativ auf die künftige Erschliessung des Walliseller Gebiets Mähenried auswirken würde, sagte Amhof gegenüber dem «Anzeiger von Wallisellen». Der aktuelle Quartierplan sieht nämlich die Widenholzstrasse als Erschliessung für dieses Gebiet vor.

«Mit dem neuen Verkehrs­regime setzt sich der Kanton autoritativ über den geltenden Quartierplan hinweg und hebelt diesen effektiv aus», erläutert Amhof die Haltung des Gemeinderats. Weiter störte sich die Gemeinde daran, dass das Strassenprojekt sich negativ auf zukünftige Projekte in dem Gebiet hätte auswirken können. Seit 2012 ist bekannt, dass ein grösserer Gebäudekomplex unter dem Namen «Prime Center» in dem Gebiet geplant ist. Das Verkehrsprojekt habe dies zu wenig beachtet. Dieser Punkt, der auch von betroffenen Grundeigentümern an­geführt worden war, wurde im Urteil des Verwaltungsgerichts beachtet. Es hielt fest, dass das Potenzial eines möglichen Prime Parks sowieso nur voll ausgeschöpft werden könne, wenn das Gebiet auch im Norden und Westen erschlossen werden würde.

«Die Gemeinde Wallisellen hat sich für eine Lösung, die von allen beteiligten Parteien ­befürwortet werden kann, ein­gesetzt. Die Gemeinde hat zur Kenntnis genommen, dass eine solche einvernehmliche Lösung nicht gefunden werden konnte, und sich daraufhin aus dem Rechtsmittelverfahren zurückgezogen»Marcel Amhof

Der Kanton zeigte sich im Verlauf des Verfahrens kooperationsbereit. Gemeinsam mit der Gemeinde Wallisellen wurde ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches das Verkehrsprojekt um den gewünschten Linksabbieger erweiterte. Die Erkenntnis: Ein Linksabbieger ist möglich, bedingt aber Anpassungen und eine zusätzliche Ampel. Und dafür wäre mehr Land nötig gewesen. Die Kosten für diese Lösung hätten sich die Gemeinde und die weiteren Grundeigentümer, die gegen das Projekt Beschwerde eingereicht hatten, teilen müssen. «Für die Gemeinde Wallisellen wäre dies eine gute Lösung gewesen», sagt Amhof.

Unter den Grundeigentümern habe indes keine Einigkeit geherrscht. Dies gab schliesslich den Ausschlag, dass die Gemeinde Wallisellen ihre Beschwerde zurückzog. «Die Gemeinde Wallisellen hat sich für eine Lösung, die von allen beteiligten Parteien ­befürwortet werden kann, ein­gesetzt. Die Gemeinde hat zur Kenntnis genommen, dass eine solche einvernehmliche Lösung nicht gefunden werden konnte, und sich daraufhin aus dem Rechtsmittelverfahren zurückgezogen», erklärt Amhof den Schritt.

Erstellt: 28.08.2018, 09:24 Uhr

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