Bülach

Umweltbewusst den Wandel anstreben

Die Kerngruppe der Bewegung «Transition Town» lud die Bevölkerung zur Vereinsgründung ein. Zur Einstimmung liessen sich die 200 Menschen vom französischen Film «Tomorrow“ inspirieren, danach sammelten sie Ideen und tauschten Gedanken aus.

Ursula Spring sammelte Anregungen zum Thema Mobilität. Velofahrer wünschen sich mehr Veloparkplätze und breitere Fahrradwege.

Ursula Spring sammelte Anregungen zum Thema Mobilität. Velofahrer wünschen sich mehr Veloparkplätze und breitere Fahrradwege. Bild: M. Reutimann

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Der Dokumentarfilm «Tomorrow» im Kino ABC, mit dem hoffnungsvollen Untertitel «Die Welt ist voller Lösungen», stimmte die Zuschauenden darauf ein, wie sie sich in ihrem unmittelbaren Umfeld einsetzen können, um den globalen ökologischen Kollaps aufzuhalten. Der Film, der mit einem César als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet worden war, inspirierte die rund 200 Bürger zum Nachdenken.

«Mit dem heutigen Anlass wollen wir Menschen zusammen bringen, die verstanden haben, dass immer weiter, immer schneller und immer mehr eben nicht ‹mehr› ist», umriss Mathias Spicher, Mitbegründer der Bewegung «Transition Bülach» das Anliegen und fügte hinzu: «Wir streben einen Wandel der Konsum-, Wirtschafts- und Gemeinschaftsform an, hin zu einer enkeltauglichen Zukunft.» Auch Bülach solle, wie einige andere Städte weltweit, zu einer «Stadt im Wandel» werden.

Aktiv Ideen sammeln

Nach dem Film versammelten sich rund 100 Interessierte im Laden von «Fürst unverpackt». Die Gründung des Vereins fand pragmatisch statt, indem man aktiv Ideen sammelte und diese nach den Themen Mobilität, Ernährung, Einkauf, Wohnen und Energie, Bildung und Information, sowie Freizeit und Kultur, einordnete.

Ursula Spring, passionierte Velofahrerin und ebenfalls der Kerngruppe angehörend, notierte die Wünsche und Forderungen, welche die Besucher zum Thema Mobilität unterbreiteten. Martin Hauri fand, es gebe auf der Achse Bahnhof-Untertor, die durch die Altstadt führt, kaum Veloparkplätze. «Ich bewege mich oft mit dem Fahrrad im Städtli, und erlebe täglich, dass es an Abstellmöglichkeiten mangelt.» Oft müsse man das Zweirad behelfsmässig vor ein Schaufenster stellen, und dies sei beim Ladenbesitzer nicht immer gern gesehen.

«Ich bewege mich oft mit dem Fahrrad im Städtli, und erlebe täglich, dass es an Abstellmöglichkeiten mangelt.»Martin Hauri

«Ich bin eindeutig für Zweiräder statt Vierräder», stellte er klar. Deshalb schlug er grosszügig vor, man sollte 500 Fahrradabstellplätze einrichten, verteilt im ganzen Städtchen. Eine Frau schrieb sich als Kursleiterin für Nähen ein und ein Mann der in Kürze pensioniert wird, meldete sein Interesse an, im Vereinsvorstand mitarbeiten zu wollen. Angeregt diskutierten die Menschen aller Altersgruppen zusammen, Aufbruchsstimmung lag in der Luft.

Keine politische Bewegung

«Es gibt einige Fleckchen in der Stadt die brach liegen, und die man als Gärten bewirtschaften könnte», weiss Spicher und führte als Beispiel das alte Treibhaus in der Friedhofsgärtnerei an. «Das Treibhaus stand lange leer, die Gruppe mit dem grünen Daumen produziert dort ab Januar Setzlinge», erklärte Spicher. Das benötigte Saatgut wurde dem Verein zur Verfügung gestellt. Somit ist ein Projekt bereits am Laufen. «Das Beispiel entspricht unseren Werten von gemeinsam, lokal und nachhaltig.»

Eine weitere, noch in weiter Ferne liegende, Idee die den Initianten vorschwebt, wäre eine eigene Bülacher Währung, welche für Kreislauf und Transparenz, abseits von Wachstumswirtschaft und Spekulation steht. «Damit würden wir die Bindung zwischen Bevölkerung und den lokalen Geschäften stärken», ist Spicher überzeugt.

Über das rege Interesse und die grosse Besucherzahl freute sich Spicher besonders. Die umfangreichen Anregungen werden nun ausgewertet und mit Hilfe der Vereinsmitglieder realisiert.

Unter den Besuchern weilte auch Stadtpräsident Mark Eberli und hörte den Bülacherinnen und Bülachern aufmerksam zu. «Den Film ‹Tomorrow› fand ich sehr inspirierend und auch die Vorschläge sprechen mir aus dem Herzen», sagte der Stadtpräsident. «Wo möglich, bietet die Stadt Bülach Hand um den Wandel zu Gunsten der Menschen und der Umwelt voranzutreiben.» «Transition Bülach» versteht sich jedoch als nichtpolitische Bewegung, die Initiative kommt von den Einwohnern. «Die Welt ist voller Lösungen», heisst es im Filmtitel. Die Bülacher machen sich auf, diese zu finden. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.01.2018, 15:12 Uhr

Transition Bülach

Transition-Bülach ist selbstorganisierend, wird hauptsächlich ehrenamtlich betrieben und zur Zeit von der Kerngruppe geleitet. Projekte werden von interessierten Mitgliedern der Bevölkerung entwickelt, die zusammenkommen, um sie zu verwirklichen und konkret umzusetzen. Transition-Bülach unterstützt die einzelnen Projekte und Initiativen betreffend Kommunikation, strategische Repräsentation und Fundraising. Mehr Infos unter: www.transition-buelach.ch.

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