Rümlang

Unterländer Gemeindeschreiber in Festlaune

1919 gegründet, feiert der Gemeindeschreiberverein der Bezirke Bülach und Dielsdorf heuer sein 100-jähriges Bestehen.

104 Personen feierten in Rümlang das 100-jährige Bestehen der Unterländer Gemeindeschreibervereine (Symbolbild).

104 Personen feierten in Rümlang das 100-jährige Bestehen der Unterländer Gemeindeschreibervereine (Symbolbild). Bild: Keystone

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Die Stimmung in der festlich dekorierten Tolba Factory in Rümlang war locker. Präsident Marc Bernasconi konnte 104 Personen zum Jubiläum des Gemeindeschreibervereins Unterland (GSVU) begrüssen. In seiner Festansprache verglich der in Rafz tätige Gemeindeschreiber den Beruf der Schreiberinnen und Schreiber mit einem Schweizer Sackmesser: «Das Sackmesser symbolisiert für mich Swissness, die auch unseren Beruf auszeichnet.

Das Sackmesser steht zudem für höchste Qualität, Präzision und Beständigkeit, was auch von uns erwartet wird. Die Behörden kommen und gehen. Wir dagegen bleiben, oftmals auch nach der Legislatur, im Amt und sorgen so für Kontinuität.» Dem GSVU der beiden Bezirke Bülach und Dielsdorf sind Mitglieder aus 44 Gemeinden angeschlossen. Dazu gehören übrigens auch die amtierenden Statthalter der beiden Bezirke und deren Bezirksschreiber sowie 35 Pensionierte. Die aktuelle Mitgliederzahl beträgt 87 Personen. Die Vereinsaufgaben sind seit der Gründung ähnlich geblieben. Die Kontaktpflege, das Durchführen von Anlässen und der Austausch zwischen und mit den Lernenden stehen auch heute noch im Fokus des GSVU.

«Die Behörden kommen und 
gehen. Wir 
dagegen bleiben, oftmals auch nach der Legislatur, im Amt und sorgen so für Kontinuität.»
Marc Bernasconi, Präsident des Gemeindeschreibervereins Zürcher Unterland.

Bernasconi selbst ist seit 2005 Gemeindeschreiber in Rafz. Nach einer Verwaltungslehre in Buchs erlangte er durch Weiterbildung das Gemeindeschreiberdiplom. Er schätzt den Kontakt mit der Bevölkerung und die Vielseitigkeit des Berufs, der durch die heutige Schnelllebigkeit zunehmend Flexibilität voraussetzt. Auch eine der jüngsten Teilnehmerinnen am Anlass, die 31-jährige Anya Blum aus Opfikon, findet die Arbeit in den Kanzleien abwechslungsreich und das Kennenlernen immer neuer Personen und Themen interessant.

Am Jubiläumsanlass wurden auch vier ehemalige Präsidenten des GSVU geehrt: Walter Brupbacher, Oberglatt; Werner Dietrich, Embrach; Hugo Brenner, Hüntwangen; und Hansruedi Bauer, Opfikon. Sie alle wurden sinnigerweise mit einer Flasche Staatsschreiber-Wein beschenkt. Im weiteren Verlauf des Festanlasses hielt der ehemalige Gemeindeschreiber von Stadel, Richard Kälin, anhand von teilweise kuriosen Protokollauszügen Rückblick auf die Vereinsgeschichte: 1928 wurde im gegenseitigen Verkehr das «Du» eingeführt und beschlossen, dass, wer künftig seinen Kollegen mit «Sie» tituliert, einen Liter schuldet.

14 Präsidenten

Grössere Probleme wurden 1971 aus Bassersdorf notiert: Die Gemeinde stellte den Stimmberechtigten das Stimmmaterial per Post zu. Wenn auf dem Stimmcouvert der Heimatort vermerkt war, kostete die Zustellung 20 Rappen, ohne diesen Vermerk 10 Rappen. Der Gemeindeschreiber fragte deshalb, ob man künftig den Heimatort nicht einfach weglassen könne.

Bis heute leiteten 14 verschiedene Präsidenten die Geschicke des GSVU. 1943 waren in den beiden Bezirken 20 vollamtliche und 22 nebenamtliche Gemeindeschreiber tätig, darunter Landwirte, Holzhändler, Buchdrucker oder Vergolder.

Der ehemalige Gemeindeschreiber in Dägerlen, Willi Peter, beschrieb in einem humorvollen Gedicht die Wichtigkeit der Gemeindeschreiber:

«Was wären die Gemeinderäte, wenn ihr Sekretär nichts täte? Selbst die schlechtesten Ergüsse formuliert er als Beschlüsse, dass sie losgelöst vom Flachen eine gute Gattung machen.»

Zum Jubiläumsanlass genoss man das kulinarischen Erbe der Schweiz – mit einem Buffet «Tour de Suisse». Für Unterhaltung der Gästeschar sorgte Kabarettist Michael Elsener.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 15.04.2019, 11:46 Uhr

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