Bassersdorf

Unterländer Narrenzug marschiert erstmals über die Landesgrenze

Ein alter Brauch treibt die Narren aus der Zürcher Fasnachtshochburg Bassersdorf alljährlich in einen benachbarten Bezirkshauptort. Nach der Wiedereinführung des «Buebemarschs» vor zwölf Jahren gehts heuer erstmals ins südbadische Grenzstädtchen Waldshut – zu Fuss, versteht sich.

Zürich haben die Bassersdorfer schon eingenommen, wie hier am Limmatquai 2016.

Zürich haben die Bassersdorfer schon eingenommen, wie hier am Limmatquai 2016. Bild: Archivfoto: Madeleine Schoder

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So weit sind die Narrenkrieger aus dem Zürcher Unterland noch nie gegangen. Für dieses Jahr haben sich die Bassersdorfer Fasnachtsfreunde für ihren traditionellen Marsch gar einen «Zwei­täger» vorgenommen. «Wir brauchten eine neue Herausforderung», sagt Brigitte Siber, auf den Buebemarsch angesprochen. Erstmals liegt das Ziel heuer im Ausland, ennet dem Rhein in Waldshut.

Nicht eben ein lockerer Spaziergang für eine in Fantasieuniformen gekleidete und mit Keulen, Hellebarden und Sau­blasen «bewaffnete» Ulktruppe. Aber Siber spricht in vollem Ernst, wenn sie vom diesjährigen Buebemarsch erzählt, obwohl sie als Pajass mitmacht – das ist eine traditionelle Spassmacherfigur. Doch die Bassersdorferin, die im richtigen Leben als Bankerin arbeitet, ist eben auch Organisatorin des alten Fasnachtsbrauches.

«Da wir eh nicht viel Schlaf bekommen werden, müssen wir wenigstens warm haben.»Brigitte Siber

2006 hatte eine Gruppe um Urs Wegmann, den ersten neuzeitlichen Pajass, den Buebemarsch nach jahrzehntelangem Unterbruch wieder ins Bewusstsein geholt. In der heutigen Form sind es nicht mehr nur Schulbuben, sondern vor allem erwachsene Männer und inzwischen auch Frauen, die daran teilnehmen. In den letzten zwölf Jahren zogen stets am Freitag vor dem grossen Fasnachtswochenende bis zu 60 Unterländer Fasnachtsfans gemeinsam vom Bassersdorfer Kreisel los, um Winterthur, Uster, Bülach, Dielsdorf, Zürich, Andelfingen, Pfäffikon und Kyburg auf närrische Art einzunehmen.

Nachtmarsch bis Weiach

Dieses Jahr werden die eingefleischten Teilnehmer erstmals schon am Abend des Schmutzigen Donnerstag mit einer Vorhut losziehen. Schliesslich gehts bis Waldshut über 46 Kilometer gen Nordwesten. Via Kloten über die Panzerpiste nach Bülach, Stadel und Raat, gilts noch in der ersten Nacht zu Fuss bis nach Weiach zu kommen. Dort ist der Gemeindesaal als Unterkunft reserviert. Eine Scheune, wie zunächst angedacht, sollte es dann doch nicht sein. «Da wir eh nicht viel Schlaf bekommen werden, müssen wir wenigstens warm haben», meint Brigitte Siber.

Die übrigen Teilnehmer aus Bassersdorf, die nur den zweiten Teil – rund 23 Kilometer – mitgehen, werden am nächsten Morgen per Autocar zur Gruppe stossen. Von Weiach gehts sodann dem Rhein entlang bis ins aargauische Rietheim. Dort werden Ross und Wagen zurückgelassen, bevor die Narren den Rhein und damit auch die Landesgrenze überqueren. «Zum Glück habe ich gute Kontakte zur Kantonspolizei», meint die Organisatorin schmunzelnd. So sei auch das Grenzwachkorps bereits vorgewarnt, dass am Freitag in einer Woche die Bassersdorfer Narren im Anmarsch sind. «Wir sollten deshalb beim Grenzübertritt keine Probleme haben.»

«Noch immer geschafft»

Schon im vorletzten Jahrhundert sind solche Märsche während der Bassersdorfer Fasnachtstage historisch nachgewiesen. Nach der Machtübernahme Hitlers und dem sich abzeichnenden Zweiten Weltkrieg Mitte der 1930er-Jahre verschwand der Auszug der Narrenkrieger aus dem Dorfbild. Ganz offensichtlich war aus dem Spass zu sehr Ernst geworden. Denn eigentlich waren die Bubenmärsche der damaligen Zeit vor allem eine Persiflage der Aushebungen zur Zeit des helvetischen Söldnertums und somit auch eine Parodie auf die Militärs.

Für die 13. Auflage des wiederbelebten Brauches geht Siber davon aus, dass zwischen 40 und50 Personen mitlaufen werden. «Wir habens noch immer geschafft», sagt sie überzeugt. Selbst starkes Schneetreiben wie im Februar 2013 konnte die Narren nicht stoppen. Damals seien sie durch tief verschneite Wälder nach Andelfingen gestapft. Zwar sei die Strecke heuer viel länger als in all den letzten Jahren seit der Wiedereinführung des Buebemarsch, dafür sei der Weg rheinabwärts nach Waldshut weniger fordernd als damals. Und in der dortigen Altstadt dürfen sich die Unterländer sodann auf einen Empfang durch die lokale Fasnachtsgesellschaft mit Speis und Trank freuen.

Erstellt: 31.01.2018, 10:55 Uhr

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