Bevölkerung

Unterland wird in Sachen Wachstum zum Schlusslicht des Kantons

Die Kantonsstatistiker haben die Bevölkerungsprognose bis 2040 aktualisiert. Das Unterland soll grösstenteils eine flachere Kurve ausweisen.

Die Bevölkerung im Unterland wird immer älter.

Die Bevölkerung im Unterland wird immer älter. Bild: Keystone

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Sternzeit 41986.0. Der Zeitreisende Sonny fragt an Bord des Raumschiffs Enterprise nach einem Fernseher. Nur noch der Androide Commander Data weiss, wovon da die Rede ist: «Diese äusserst primitive Form der Unterhaltung hat das Jahr 2040 nicht überlebt, Sir.»

Noch kann niemand mit Sicherheit sagen, ob der Drehbuchautor Maurice Hurley (1939–2015) mit dieser Prognose, die er 1988 in die «Star Trek»-Folge zum ersten Staffelfinale schrieb, recht behalten wird. Noch bleiben 20 Jahre, um es herauszufinden.

80/20 als Prämisse

Genau diese Ungewissheit liegt in der Natur von einer Prognose, von einer Vision. Das gilt nicht nur auf der Enterprise, sondern auch auf dem Statistischen Amt des Kantons, das hier auf der Erde in regelmässigen Abständen Annahmen zur Entwicklung der Bevölkerung trifft. Auch hier rechnet das eben veröffentlichte neuste Modell bis ins Jahr 2040.

Und es sieht das Folgende voraus: Die Zahl aller Zürcher soll bis dahin um gut ein Fünftel anwachsen, von 1,5 auf 1,8 Millionen. Weil die Geburtenrate ansteigt, die Lebenserwartung zunimmt und weiterhin die Zuwanderung aus dem Ausland als grösster Wachstumstreiber eine zentrale Rolle spielt. Das sind die hauptsächlichen drei Annahmen, auf denen die Prognose fusst.

Allerdings, so halten die Verantwortlichen des Amts fest, verteilt sich das Wachstum nicht gleichmässig auf alle Regionen. So rechnet das Modell insbesondere damit, dass sich die Zürcher artig an die «80/20-Regel» des kantonalen Raumordnungskonzepts halten.

«Nach der Mitte des Jahrhunderts kehrt sich der Geburtenüberschuss in einen Sterbeüberschuss.»Regionalisierte Bevölkerungsprognosen
Statistisches Amt des Kantons Zürich

Demnach sollen 80 Prozent des künftigen Bevölkerungswachstums von den sogenannten Stadtlandschaften und den urbanen Wohnlandschaften zusammen aufgefangen werden. 20 Prozent würden auf die Landschaft unter Druck, die Kulturlandschaft und die Naturlandschaft entfallen. Kurz: Der Kanton soll vor allem dort baulich verdichten, wo er schon dicht ist, und nicht auf der grünen Wiese.

Regensdorf gilt als urbane Wohnlandschaft, das übrige Furttal ist «Landschaft unter Druck». Hinter der Region Limmattal, der ein Bevölkerungswachstum von knapp 29 Prozent zugetraut wird, belegt das Furttal als Ganzes Rang 2: Bis 2040 soll das Gebiet um 9000 Personen (knapp 25 Prozent) zulegen; das entspricht einem zusätzlichen Niederhasli. Furttaler Gesamtbevölkerung in 20 Jahren: 45000 Personen.

Weitgehend Kultur- und Naturlandschaft

Auch dem Glattal, das in den letzten zehn Jahren immer wieder als Vorzeige-Boomregion gehandelt worden ist, wird weiterhin ein Wachstum bescheinigt; mit rund 21 Prozent liegt man, zusammen mit dem Oberland und der Region Zimmerberg, etwas hinter den Spitzenreitern.

Das eigentliche, ländliche Unterland, sprich die Bezirke Bülach und Dielsdorf ohne die Furttaler und die Glattaler Gemeinden, wächst im Modell deutlich weniger stark. Noch 17600 Personen bis 2040 sieht das Szenario vor; das entspricht gut 15 Prozent, was den niedrigsten Wert aller Regionen darstellt.

Auch hier ergibt sich diese Bremswirkung in den Rechnungen der Statistiker nicht zuletzt aus der Tatsache, dass das Gebiet weitgehend in die Kategorie Kultur- oder Naturlandschaft fällt.

Unterländer altern schneller

Für die Berechnung von Bevölkerungsprognosen spielt selbstverständlich auch der Faktor Demografie eine wichtige Rolle: In den Regionen Unterland und Furttal ist die Bevölkerung heute im Schnitt jünger als im Rest des Kantons, so führen die Statistikexperten aus, «aber sie altert in den nächsten Jahrzehnten markant».

So werde sich das Durchschnittsalter im Furttal bis 2040 dem kantonalen Mittel annähern, im Unterland werde es das gar übertreffen. «Es sind ländliche Regionen, in denen viele Vertreter der geburtenstarken Jahrgänge leben», heisst es dazu. Diese Leute seien aufs Land gezogen, um eine Familie zu gründen, und wüchsen nun ins Rentenalter hinein.

Doppelt so viele Ü-80

Das Unterland zeige exemplarisch, wie die Alterung bei gedämpftem Bevölkerungswachstum schneller verläuft als bei dynamischem. Gemäss Modell wird es ab 2025 mehr Zürcher in der Kategorie Ü-65 als in der Kategorie U-20 geben. Und 2040 leben doppelt so viele über 80-Jährige im Kanton wie heute. Entsprechend steigt das Durchschnittsalter bis dahin um zweieinhalb Jahre auf 44,1 Jahre an.

Im Unterland beläuft sich diese Alterung im Schnitt in derselben Zeit sogar auf dreieinhalb Jahre; der Durchschnittsunterländer von 2040 ist damit 44,9 Jahre jung. Fürs Furttal werden 43,9 und fürs Glattal 43,8 Jahre Durchschnittsalter vorhergesagt.

Es wird mehr gestorben

Was die Zahl der Geburten angeht, so wird damit gerechnet, dass sie trotz wachsender Bevölkerung bis 2040 etwa konstant bleibt. Die Zahl der Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren nehme zwar durch die Zuwanderung leicht zu, allerdings stagniere die Geburtenrate der Schweizerinnen.

Jene der Ausländerinnen gleiche sich diesem tieferen Niveau an. Bei immer mehr alten Menschen nimmt die Zahl der Sterbefälle zu. Unter dem Strich verringert sich so der Geburtenüberschuss. «Nach der Mitte des Jahrhunderts dürfte er sich dann in einen Sterbeüberschuss kehren», so die Prognose.

Erstellt: 11.06.2019, 00:08 Uhr

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