Otelfingen

Utopien einer Megacity

Das imposante Jelmoli-Lager- und -Bürogebäude in Otelfingen ist das Thema der Masterarbeit von 15 angehenden Architekten. Die Projekte sind Utopien, ein Augenschein lohnt sich dennoch.

ETH-Assistent Matej Draslar stellt den Otelfingern Besuchern die Masterarbeit von Julia Fehr vor. Die Architektur-Studentin will das riesige Jelmoli-Lagergebäude in Otelfingen zu einem neuen Quartier umfunktionieren.

ETH-Assistent Matej Draslar stellt den Otelfingern Besuchern die Masterarbeit von Julia Fehr vor. Die Architektur-Studentin will das riesige Jelmoli-Lagergebäude in Otelfingen zu einem neuen Quartier umfunktionieren. Bild: Balz Murer

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Ein Baukoloss von 330 Metern Länge und 115 Metern Breite prägt das Industriegebiet von Otelfingen. Es ist das einstige ­Lager- und Bürogebäude von ­Jelmoli, gebaut 1968 als Zentrale für das aufstrebende Zürcher Waren­haus. Eine zweigeschossige Struktur mit einem 30 Meter hohen Büroturm. Das Jelmoli-Gebäude stand damals auf weiter Flur allein im ländlichen Furttal, war aber mit einer eigenen Bahnstation bestens an Zürich angebunden.

Heute ist das architektonische Ungetüm umgeben von Gewerbebauten und dem Golfpark Otelfingen und fällt somit weniger ins Auge. Jelmoli hat das Gebäude mittlerweile verkauft. Alle Flächen sind vermietet. Dennoch: Die Zukunft des sperrigen Baus ist ungewiss.Wie es weitergehen könnte, ­dazu haben 15 Studierende der ETH Zürich im Rahmen ihrer Masterarbeit Ideen gesucht.

Die angehenden Architektinnen und Architekten bekamen die Aufgabe, radikale und doch realistische Vorschläge auszuarbeiten. Die Arbeiten sind derzeit an der ETH Hönggerberg ausgestellt. Am Mittwochabend haben Matej Draslar und Roman Schwitter, beide Assistenten von Architekturprofessor Marc Angélil, die Projekte zehn Personen aus Otelfingen vorgestellt.

Die Masterarbeiten zeigen Utopien. Einige sind aber durchaus realistisch: So etwa ein Projekt, das aus der Struktur des Lagerhauses ein Blockrandgebäude mit einer Wellnessoase im Innenhof formt. Entstehen sollen Kleinwohnungen und Hotelzimmer als Ergänzung zum benachbarten Golfpark.

Gigantische Bauten in ländlicher Umgebung

Ganz anders das Projekt Agro City: Es will das Jelmoli-Lagerhaus zu einem Forschungszentrum für Landwirtschaft umfunktionieren. «Eine Idee dieses Projekts ist, exotische Früchte lokal zu produzieren, um so die Transportwege kurz zu halten», erklärt Draslar. Das Projekt will das riesige Lagerhaus sogar noch vergrössern: Auf einer Visualisierung erstreckt sich das gedachte Gebäude über mehr als einen Kilometer und verbindet somit die Otelfinger Industrie mit dem Nachbarort Buchs.

Um das Gedankenspiel einer Megacity noch weiterzutreiben, hat der Student auf seiner Visualisierung den Büroturm zu einem gigantischen Hochhaus aufgestockt und fünffach über die Gebäudelänge dupliziert. «Das Projekt lotet Grenzen aus», bestätigt Roman Schwitter den Eindruck der teils entsetzten, teils belustigten Otelfinger.

Grenzen ausloten will auch das Projekt eines nationalen Sportzentrums mit kilometerlangen, überdachten Aussensportplätzen. Ebenso ein anderes, das den Golfplatz fluten und den Golf-Club als ornithologisches Zentrum umnutzen will. Ein weiteres nutzt das Lagergebäude zu einer Architekturschule um und schafft Studentenzimmer im Büro­turm.

Horizont für neue Ideen öffnen

Für Matej Draslar ist ein Projekt beispielhaft, das ein neues, lebendiges Quartier in der bestehenden Struktur schaffen will: «Es setzt sich sensibel mit den Qualitäten des Lagergebäudes aus­ein­ander und zeigt geschickt auf,wie viel räumliches Potenzial die Struktur für zukünftige Nutzungen hat.»

Wie kommen ETH-Professor Marc Angélil und sein Team auf das Jelmoli-Gebäude in Otelfingen? Das Thema für die Masterarbeit für 15 seiner Studierenden geht auf ein Treffen mit dem Chef des kantonalen Amts für Raumentwicklung, Wilhelm Natrup, zurück. Die Raumentwicklung kommt bei der Entwicklung eines Areals ins Spiel, lange bevor ein Projekt zur Planung kommt. Die Masterarbeiten greifen somit nicht in ein rollendes Projekt ein, sondern öffnen erst einmal den Horizont für neue Ideen.

Ein Glücksfall für Otelfingen: Mit einer vorausschauenden Planung kann die Entwicklung des Jelmoli-Areals auch im Sinne der Gemeinde erfolgen. Für die Otelfinger Gemeindepräsidentin Barbara Schaffner gilt es zu verhindern, dass im Industriegebiet ein zweites Dorfzentrum entsteht. Studentenwohnungen zu einer Hochschule zum Beispiel oder Unterkünfte für Sportler zu einem Sportzentrum, so kann sie sich Wohnen auf dem Jelmoli-Areal vorstellen. «Die Begründung für die Wohnnutzung muss aus der Gebäudenutzung kommen», ist Schaffner überzeugt.

Ob jemals eines der Projekte aus den 15 Masterarbeiten realisiert wird, ist fraglich, aber sie zeigen Möglichkeiten weit über die bisherigen Nutzungen auf.

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.01.2019, 17:33 Uhr

Vorgaben Projekt

Für den Masterabschluss verlangt die ETH Zürich von den ­angehenden Architekten eine Projektarbeit. Es gilt, innerhalb von 13 Tagen eine Idee zu entwickeln und diese auf vier Stellwänden mit Plänen und anhand eines Modells zu präsentieren. Die Masterarbeiten zum Jelmoli-Lager- und -Bürogebäude in Otelfingen sind bis am 15. Januar im Gebäude HIL auf dem Campus Hönggerberg der ETH Zürich ausgestellt.

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