Bezirksgericht Bülach

Vereinskassier zu Freiheitsstrafe verurteilt

38000 Franken: So viel Geld hat der ehemalige Finanzchef des FC Rafzerfeld verbotenerweise aus der Vereinskasse bezogen. Nun wurde er dafür zu einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt.

Der Verein verlangt, dass der ehemalige Finanzvorsteher das unterschlagene Geld zurückbezahlt.

Der Verein verlangt, dass der ehemalige Finanzvorsteher das unterschlagene Geld zurückbezahlt. Bild: Keystone

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Das Leben des Beschuldigten schien in geregelten Bahnen zu verlaufen. Er lebte zusammen mit seiner Familie in einem Haus und hatte einen gut bezahlten Job in der Finanzbranche. «Ich habe mich an einen gewissen Lebensstandard gewöhnt», sagte der 50-Jährige gestern bei der Verhandlung am Bezirksgericht Bülach. Heute ist alles anders. Der Beschuldigte und seine Frau haben sich getrennt. Er ist arbeitslos, verschuldet und möchte sein Haus verkaufen.

Wie konnte es so weit kommen? «Im Jahr 2016 machte ich mich selbstständig.» Zu Beginn sei das Geschäft gut gelaufen. Doch zwei Jahre später sei dann alles in sich zusammengebrochen. Zu dieser Zeit amtete der Beschuldigte nebenbei als Finanzvorsteher beim FC Rafzerfeld. Das heisst, er war für sämtliche finanzielle Belange zuständig und hatte auch Zugang zu den Konten des Vereins bei der Zürcher Kantonalbank. Zwischen November 2017 und August 2018 überwies er von dort per E-Banking immer wieder Geld an sich selber. Zudem bezahlte er unter anderem seine Mobiltelefonrechnung, die Krankenkasse, sowie eine Busse über die Vereinskasse. Zweimal überwies der Beschuldigte gar 10000 Franken auf einmal auf sein eigenes Konto. «Ich dachte, dass ich das Geld bestimmt irgendwann zurück bezahlen kann. Die Folgen für den Verein waren mir damals nicht bewusst.»

Verein will das Geld zurück

Der 50-Jährige ist gar froh, dass er im vergangenen Herbst aufgeflogen ist und seinen Machenschaften dadurch ein Ende gesetzt wurde. «Es tut mir so leid. Ich möchte mich bei Christian Mundt, dem Präsidenten, entschuldigen, da ich sein Vertrauen missbraucht habe.» Mundt war bei der Verhandlung ebenfalls anwesend, um die Zivilklage im Namen des FC Rafzerfeld zu begründen. Der Verein verlangt, dass der ehemalige Kassier das unterschlagene Geld von insgesamt rund 38000 Franken zurückbezahlt. «Du bist ein guter Mensch. Aber ich würde mir wünschen, dass wir das Geld zurückbekommen und du danach einen Neuanfang starten kannst», sagte der Präsident.

Die Staatsanwaltschaft forderte einen Schuldspruch wegen Veruntreuung und eine bedingte Freiheitsstrafe von 10 Monaten sowie eine Busse von 1800 Franken. Der Beschuldigte sagte dazu: «Die Höhe der Strafe ist egal. Der Eintrag im Strafregister ist viel schlimmer für mich.»

Auf Busse verzichtet

Das Gericht sprach den 50-jährigen nach kurzer Beratung wegen Veruntreuung schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten. Das unterschlagene Geld muss er dem Verein zurück bezahlen. Auf die Busse wurde jedoch verzichtet. «Das Gericht ist der Ansicht, dass die Freiheitsstrafe bereits genug hart ist», sagte die Richterin. Mit einer solchen Vorstrafe sei es für den ehemaligen Kassier schwierig, einen neuen Job in der Finanzbranche zu finden. «Sie können immerhin Ihr Haus verkaufen, mit dem Erlös alle Schulden begleichen und danach ein neues Leben beginnen. Eine solche Möglichkeit hat längst nicht jeder.»

Erstellt: 24.05.2019, 17:07 Uhr

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