Landwirtschaft/Jagd

Verheerende Schweinepest kommt näher

Die Afrikanische Schweinepest nähert sich von Osten her der deutschen Grenze. Auch im Kanton Zürich und in der Region ist man in Alarmbereitschaft.

Hausschweine in Freilandhaltung auf einer Wiese des Unternehmens «Mein Schwein».

Hausschweine in Freilandhaltung auf einer Wiese des Unternehmens «Mein Schwein». Bild: PD

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«Die Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) stellt für Deutschland eine grosse Gefahr dar»: Das hat der deutsche Agrarminister Christian Schmidt am Montag an einem Krisengipfel in Berlin gesagt. Noch gibt es im nördlichen Nachbarland keinen nachgewiesenen Fall der hochansteckenden Virusinfektion bei Haus- und Wildschweinen, die sich von Osteuropa immer rascher Richtung Westen ausbreitet. «Sollte sie in Deutschland ankommen, drohen Milliardenschäden», schrieb das deutsche Handelsblatt am Sonntag. Auch die Schweiz und der Kanton Zürich bereiten sich auf das Schlimmste vor. «Im Moment ist das Wichtigste, die Einschleppung der ASP in die Schweiz zu verhindern», sagt Mona Neidhart vom kantonalen Veterinäramt. Dafür seien breite Kreise anzusprechen. So etwa Schweinehalter, Jäger, Saisonarbeiter oder Reisende, die sich in Ländern aufhalten oder aufgehalten haben, die von der ASP betroffen sind. Die Schweinehalter im Kanton Zürich werden laut Neidhart direkt angeschrieben.

Keine Angst, aber Vorsicht

Seit 2008 züchtet das Unternehmen «Mein Schwein» Freilandschweine auf grossen Wiesen in Kleinandelfingen, Henggart, Nürensdorf, Rümlang und Weinigen. Fabio Müller, Geschäftsführer und Initiant von mein-schwein.ch, hat zwar keine Angst vor der Afrikanischen Schweinpest, er ist aber vorsichtig. Bei der Freilandhaltung schaut Müller besonders auf zwei Dinge. Einerseits müsse darauf geachtet werden, dass niemand die Schweine auf den Wiesen füttert und die Tiere so durch Berührung oder das Futter ansteckt. Andererseits müsse der direkte Kontakt zu Wildschweinen verhindert werden, welche die Krankheit übertragen können. Der doppelte Zaun um die Schweinewiesen helfe in beiden Fällen, sagt Müller.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) wird auch von Wildschweinen übertragen. Bild: Keystone

Einen solchen Zaun sei bei «Mein Schwein» schon seit Jahren Standard, um Krankheitsübertragungen durch Wildschweine zu verhindern. Das Unterbringen der Tiere in Ställen sei keine Option.

Auf Sardinien nie ausgerottet

Mit der Erkrankung können sich alle Schweinearten anstecken, nicht aber andere Tiere und Menschen. Auch der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch ist für den Menschen ungefährlich. Die ASP führt bei Schweinen innert sieben bis zehn Tagen fast immer zum Tod. Einen Impfstoff gibt es nicht. In Tierkadavern und in Fleischprodukten wie etwa Schinken oder Salami bleiben die Viren während Monaten ansteckend. Die Krankheit wird nur von Tier zu Tier übetragen, der Erreger kann aber auch über Geräte, Kleidungsstücke, Fahrzeuge sowie über weggeworfene oder verfütterte Fleischreste verschleppt werden.

Die Afrikanische Schweinepest wurde 1921 erstmals in Kenia beschrieben und ist südlich der Sahara weit verbreitet. Dort tragen Warzenschweine das Virus in sich, ohne jedoch selber zu erkranken. In den 1970er-, 80er- und 90er-Jahren brach die Krankheit vereinzelt in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Spanien und Portugal aus, sie konnte aber immer erfolgreich bekämpft werden. Im Jahr 1978 wurde die ASP auf die Insel Sardinien eingeschleppt, wo sie bis heute nicht ausgerottet werden konnte. Seit 2007 breitet sich die Krankheit von Georgien ausgehend vor allem über Russland und das Baltikum westwärts. Das Virus soll auf dem Seeweg von Afrika nach Georgien gelangt sein. Letzten November meldete Polen einen Sprung der Seuche von etwa 100 Kilometer nach Westen. Der erste ASP-Fall bei Wildschweinen in Tschechien im Juni 2017 gemeldet. Tritt die Seuche in einem Gebiet auf, werden die Schweine des betroffenen Betriebs getötet und beseitigt. Auch Schutzzonen sowie Handels- und Transportverbote sind die Folge.

«Das wäre nicht einfach»

Um die weitere Ausbreitung der ASP zu bremsen, hat Tschechien unlängst die Abschussprämie für Wildschweine erhöht. Und gestern hat Deutschland unter anderem die ganzjährige Jagd auf Wildschweine beschlossen, um das Risiko einer Einschleppung der Krankheit zu vermindern.

Die Ausbreitung des Virus erfolge hauptsächlich via den Menschen und nicht über das Wildschwein, sagt Urs J. Philipp, Chef der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung. Auch sei der Wildschweinbestand im Kanton Zürich wesentlich tiefer als etwa in Osteuropa. Dies sei deshalb so, weil die Population der Wildschweine im Kanton schon seit Jahren reguliert werde. Darum bestehe aktuell auch keine Notwendigkeit, mehr Tiere als sonst zu schiessen. Ausserdem sei der Abschuss im Kanton mit wenigen Einschränkungen bereits das ganze Jahr über möglich. Man beobachte die Situation aber sehr genau, stehe im engen Kontakt mit den Veterinärämtern und informiere die Jäger mit Merkblättern. «Viel mehr kann man im Moment nicht tun», so Philipp. Sollten die Veterinärämter allerdings verlangen, den Wildschweinbestand stärker zu reduzieren, dann werde man dies tun. «Das wäre jedoch nicht einfach.» (Landbote)

Erstellt: 26.02.2018, 17:00 Uhr

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