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Verkehr brennt den Leuten unter den Nägeln

Der zunehmende Durchgangsverkehr durch die Dörfer und die Stadt Bülach soll reduziert werden. Dazu müssen Kantonsstrassen besser genutzt werden. Im Siedlungsraum soll verdichtet werden, aber nicht übermässig, wies am Donnerstag am 2. Echoraum zum Entwicklungskonzept Raum Bülach hiess.

Ein Teilnehmer am Echoraum regte an der Stellwand mit dem Filzstift an, im Norden Bülachs 20 Hektaren schönsten Eichenwalds zu roden und in eine Bauzone zu verwandeln.
Ein Teilnehmer am Echoraum regte an der Stellwand mit dem Filzstift an, im Norden Bülachs 20 Hektaren schönsten Eichenwalds zu roden und in eine Bauzone zu verwandeln.
Cyprian Schnoz

Am Donnerstag hat das Bundesamt für Strassen (Astra) Statistiken zum Strassenverkehr 2016 publiziert. Sie zeigen auf, dass der Raum Zürich-Nord landesweit am meisten Staustunden aufweist. Das führt zu Ausweich- und Schleichverkehr, der auch im Raum Bülach zu Problemen führt. Und wie das Astra mitteilt, wird der motorisierte Individualverkehr auch in Zukunft immer grösser.

Entwurf präsentiert

Am 2. Echoraum, welcher am Donnerstagabend in der Höremer Glatthalle stattfand, präsentierten Christian Meier (Gemeinderat Höri), Franz Bieger (Gemeinepräsident Bachenbülach), Daniel von Büren (Gemeinderat Winkel), Hanspeter Lienhart (Stadtrat Bülach) und Simone Caneppele (Gemeindepräsidentin Hochfelden) den Entwurf des Entwicklungskonzepts Raum Bülach. Unterstützt wurden sie dabei von den Experten des Planungsbüros Metron AG. Das Konzept bezieht sich auf den Zeitraum von 20 bis 25 Jahren.

Am Anlass, an welchem nur informiert und Meinungen eingeholt (Echo), aber nichts beschlossen wurde, zeigte sich deutlich, dass der Privat- und Berufsverkehr den Leuten am meisten unter den Nägeln brennt. Von den 14 Schautafeln, auf denen das Entwicklungskonzept dargestellt wurde, zogen die vier Tafeln mit dem Titel «Verkehr» viele Leute an, die das Präsentierte rege diskutierten.

Kantonsstrassen als Kanäle

Bei der Verkehrsplanung sei es wichtig zu schauen, was der Kanton mache, sagte der Raumplanungsingenieur Lukas Fischer. Seis beim Ausbau der Strasse im Hardwald zwischen Bülach und Eglisau, seis bei der vorgesehenen Ost-West-Verbindung mit dem Dettenbergtunnel nach Embrach.

Dies deshalb, weil auch im Entwicklungskonzept Raum Bülach die übergeordneten Strassen, sprich Kantonsstrassen oder die Hochleistungsstrasse A51, als Hauptkanäle für den Verkehr genutzt werden sollen. So könnte der Verkehr von und zu den Einkaufszentren in Bülach-Süd und Bachenbülach über die Autobahn geleitet werden, wie Fischer erklärte. Oder die Stadt Bülach könnte zum Beispiel vom Ost-West-Durchgangsverkehr entlastet werden, indem dieser zur Autobahneinfahrt nach Bülach-Nord geleitet wird. Von dort nach Süden, um über die Autobahnausfahrt Bülach-West geleitet zu werden.

Das hingegen würde für das ohnehin schwer belastete Höri ein noch extremeres Verkehrsaufkommen bedeuten, wenn dort nicht ebenfalls Massnahmen ergriffen werden. Ein Höremer Echoraum-Teilnehmer plädierte gegenüber dem «ZU» für die Realisierung der Umfahrung von Höri, die diesen Zusatzverkehr aufnehmen könnte. Jedenfalls zeige dieses Beispiel gut, wie wichtig eine gemeinsame Planung sei, meinte ein anderer.

Wie Fischer ausführte, sollen die Kantonsstrassen auch für die Kanalisierung des Ziel-, Quell- und Binnenverkehrs genutzt werden, um die Wohnquartiere zu entlasten und zu beruhigen. Dazu nötig ist eine Differenzierung des kommunalen Strassennetzes. Es seien verkehrsberuhigte Zonen zu schaffen. Im Entwicklungskonzept vorgesehen ist auch eine Stärkung des öffentlichen Verkehrs und die Schaffung von attraktiven Fussgänger- und Velowegen.

Verdichten, ja, aber…

Nach dem ersten Echoraum habe man versucht, die zahlreichen Anregungen in das Entwicklungskonzept einfliessen zu lassen, sagte der Winkler Gemeinderat Daniel von Büren. Es habe sich dabei gezeigt, dass eine Verdichtung der Siedlungsgebiete erwünscht sei, «aber nicht auf Teufel komm raus», sagte Gemeinderat von Büren. Im Bereich «Siedlung» müsse der Boden haushälterisch genutzt werden, sagte der Raumplaner Michael Wüthrich. «Und die Siedlungs- und die Verkehrsentwicklung müssen aufeinander abgestimmt werden. Das ist der zentrale Punkt», erklärte er.

Man rechne damit, dass die Bevölkerungzahl in den nächsten 20 Jahren von 31 000 auf 42 000 ansteigen werde. Gemäss heutiger Zonenkapazität fänden 39 000 Menschen in den fünf Ortschaften Platz. Mit einer massvollen Verdichtung seien es 3000 mehr, sagte Wüthrich. Trotz einer engeren Bauweise sei im Konzept vorgesehen, attraktive Aussenräume zu schaffen.

Gewisse Siedlungsgebiete würden umstrukturiert, andere weiterentwickelt, während wiederum andere in ihrer heutigen Form bewahrt würden. Ein Teilnehmer schlug vor, man könnte zum Beispiel die nicht erschlossene Bauzone in Endhöri aufheben und an einem anderen Ort – eventuell auch in einer anderen Gemeinde des Raums Bülach – kompensieren.

Koordination ist auch bei der Planung der Arbeitsplatzgebiete nötig. Als Beispiel nannte Wüthrich das Bülacher Jakobstal und das benachbarte Höremer Industrie- und Gewerbegebiet Altmannstein, wie es auch im regionalen Richtplan enthalten ist. Weitere Teile des Konzepts Raum Bülach sind etwa die Schulraumplanung sowie die Planung von überkommunalen Natur-, Frei- und Erholungsräumen.

Wie es dazu kam

Da die fünf Gemeinden Winkel, Bachenbülach, Bülach, Hochfelden und Höri praktisch zusammengewachsen sind, haben sich die Gemeinde- und Stadträte entschlossen, die strategische Ausrichtung der Gemeinden für die nächsten 20 bis 25 Jahre gemeinsam zu erarbeiten und im Entwicklungskonzept festzuhalten.

Dazu wurden die fünf Sachbereiche «Siedlung», «Verkehr», «Landschaft und Freiraum», «Öffentliche Bauten, Anlagen und Infrastrukturen» sowie «Ver- und Entsorgung» vertieft betrachtet. Diese Bereiche sollen aufeinander abgestimmt werden, um einen Blick aufs Ganze zu erhalten. Die Potenziale des Raums Bülach sollen so optimal ausgeschöpft werden.

Wohin es führt

Die Rückmeldungen aus dem 2. Echoraum werden nun in das Entwicklungskonzept für den Raum Bülach eingearbeitet. Danach reichen die Exekutiven der fünf Gemeinden das Konzept für die kantonale und regionale Stellungnahme ein. Anschliessend wird das Konzept unter Berücksichtigung der Stellungnahmen überarbeitet.

Im Frühling 2018 soll es fertiggestellt sein, so dass die fünf Gemeinden dannzumal über einen gemeinsamen kommunalen Richtplan verfügen – oder genauer ausgedrückt: fünf kommunale Richtpläne, die optimal aufeinander abgestimmt sind.

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