Opfikon

Vibratoren, Dildos und Peitschen - Sex-Shop aus Opfikon erobert die Schweiz

Der schweizweit grösste Händler für Sex-Spielzeug hat seinen Sitz in Opfikon. Die Gründer haben verstanden, wie man in der Schweiz das Geschäft mit dem Liebesleben verkaufen muss.

Lukas Speiser hat zusammen mit Alan Frei in nur fünf Jahren den erfolgreichsten Schweizer Online-Shop für Sex-Spielzeug aufgebaut.

Lukas Speiser hat zusammen mit Alan Frei in nur fünf Jahren den erfolgreichsten Schweizer Online-Shop für Sex-Spielzeug aufgebaut. Bild: Christian Merz

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Was darf es denn sein? Vielleicht die Peitsche «Naughty», um Ihrer besseren Hälfte beim Liebesspiel den Hintern zu versohlen? Oder vielleicht den «Womanizer», ein Vibrator, der die Klitoris ansaugt und stimuliert und dadurch einen intensiven Orgasmus verspricht? Oder vielleicht etwas weniger aufgeregt einfach nur das Massageöl «Love Me Tender», wahlweise in der Geschmacksrichtung Vanille, Erdbeere oder Kokosnuss?

Egal, was man sich wünscht, um das Sexleben im Schlafzimmer mit oder ohne Partner aufzupeppen, die Chance ist gross, dass man es bei Amorana in Opfikon bestellen kann. Das Unternehmen wurde erst vor fünf Jahren gegründet, ist in dieser kurzen Zeit aber stark gewachsen: Aus einem unauffälligen Gebäude an der Europa-Strasse, mitten im Opfiker Industriegebiet, hat Amorana letztes Jahr über 100000 Bestellung mit durchschnittlich zwei Artikeln – am häufigsten verkauft wird der bereits erwähnte Womanizer – in die ganze Schweiz verschickt. «Am meisten zu tun gibt es jeweils in der Adventszeit», sagt Lukas Speiser, CEO und zusammen mit Alan Frei Gründer von Amorana. An einem Spitzentag im letzten Advent haben die rund 30 Mitarbeiter des Unternehmens fast 3000 Pakete verschickt.

Im eigenen Keller die ersten Waren gehortet

Inzwischen ist Amorana der grösste Online-Shop für Sex-Spielzeug in der ganzen Schweiz geworden. Offizielle Zahlen gibt das Unternehmen öffentlich nicht bekannt, aber der Umsatz bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich. Angefangen hat die Firma ganz klein. Die ersten Vibratoren, Gleitgels und Dildo lagerte Speiser bei sich zu Hause in einem einfachen Ikea-Regal und expandierte später in seinen Keller. Speiser und Frei hatten aber von Anfang an einen Plan. «Wir wollten zusammen ein Unternehmen im E-Commerce-Bereich gründen», erklärt Speiser. Die beiden hatten sich im Banking and Finance-Studium an der Universität Zürich kennen gelernt. Eine besondere Affinität oder Faszination für Sexspielzeug hatten sie nicht. «Als wir uns überlegten, was für eine Art Unternehmen wir gründen wollten, haben wir gemerkt, dass der Erotik-Bereich und der Verkauf von Sexspielzeug in der Schweiz noch nicht richtig abgedeckt ist.»

«Am meisten zu tun gibt es jeweils in der Adventszeit.»Lukas Speiser, CEO

Die Aussage wirft Fragen auf. Die ersten, die auf diese Idee kamen, waren Speiser und Frei nämlich nicht. Schliesslich hat Beate Uhse (heute Magic-X) ab 1990 in über 30 Läden schon Sexspielzeug verkauft. Daneben gibt es Online-Shops wie praeser.ch – spezialisiert auf Kondome –, der ebenfalls bereits seit über zehn Jahren im Erotik-Markt mitmischt. Wieso hat Amorana trotzdem so viel Erfolg? Die Erklärung liegt in der Ausrichtung des Shops. «Wir haben von Anfang an auf ein stilvolles Setting gesetzt. Unsere Seite soll bewirken, dass man sich wohlfühlen kann.» Nackte Brüste oder andere entblösste Geschlechtsteile gibt es bei Amorana genauso wenig wie Pornographie.

Speiser und Frei haben den Handel rund um das Sexleben aus der Schmuddelecke geholt. Stattdessen wird die Botschaft transportiert, dass Spass und Experimentieren im Schlafzimmer heute nicht nur in Ordnung, sondern Teil eines modernen Lifestyles ist. «Es gibt eine Studie, die belegt, dass sich 95 Prozent aller Männer und 85 Prozent aller Frauen wünschen, im sexuellen Bereich mehr zu experimentieren. Nur kommunizieren sie das oft nicht. Paradoxerweise wollen viele also das Gleiche, trauen sich aber nicht, das zu sagen.» Besonders gut verkaufen sich denn auf Amorana auch Dinge wie der Adventskalender, eine Art Überraschungsbox. «Da man dann die Produkte ja sowieso schon hat, ist die Hemmschwelle geringer, sie auch auszuprobieren.»

Ein wenig Glück hatte Amorana auch. Der Erfolg des Erotikromans «Fifty Shades of Grey» hat dem Geschäft mit Spielzeug zusätzlichen Auftrieb verschafft.

Die meisten kaufen am Sonntagabend ein

Den typischen Amorana-Kunden gibt es nicht. «Das Verhältnis von Männern und Frauen ist ziemlich genau 50-50», weiss Speiser. Am meisten Bestellungen gehen am Sonntagabend ein. «Das könnte daran liegen, weil man da eher Zeit hat, sich mit Sex zu befassen. Intern scherzen wir manchmal auch, dass es auch daran liegen könnte, dass viele über das Wochenende halt doch nicht wie gewünscht zum Zug kamen und sich nun anders Abhilfe schaffen wollen.» Wichtig sei den Kunden, dass die Pakete neutral beschriftet sind. «Das bedeutet aber nicht, dass Herr und Frau Schweizer prüde sind. Im Gegenteil, ich glaube, das Vorurteil, dass Schweizer langweilig im Bett sind, ist falsch.» Die Verkaufszahlen beweisen, dass er recht hat.

Erstellt: 27.05.2019, 16:48 Uhr

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