Schuleintritt

Der lange Weg für ein weiteres Jahr ohne Kindergarten

Ein Elternpaar aus dem Bezirk Dielsdorf wollte den Eintritt ihres Sohnes in den Kindergarten um ein Jahr verschieben. Nach einigem Hin und Her ist das Gesuch nun bewilligt worden.

Für einige Kinder ist der Eintritt in den Schulalltag mit vier Jahren noch zu früh.

Für einige Kinder ist der Eintritt in den Schulalltag mit vier Jahren noch zu früh. Bild: Archiv, Keystone

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Die Erleichterung ist der Mutter von Anton (Name geändert) anzumerken. Ihr Sohn, der Mitte Mai vier Jahre alt geworden ist, muss dieses Jahr noch nicht in den Kindergarten. Gemäss kantonalem Volksschulamt ist der Stichtag für die Einschulung jetzt der 31. Juli 2019.

Kinder, die bis zu diesem Datum, vier Jahre alt geworden sind, kommen dann regulär in den Kindergarten, den sie während zwei Jahren besuchen. Die Eltern konnten sich jedoch nicht vorstellen, ihren Sohn zum neuen Schuljahr, das in ihrer Gemeinde am 19. August beginnt, in die erste Kindergartenklasse zu schicken. «Wir sind der Meinung, dass unser Kind ist in seiner emotionalen und seelischen Entwicklung noch nicht reif genug ist», sagt die Mutter.

Anton werde seit er ein Kleinkind war aufgrund seiner Körpergrösse permanent überschätzt. «Er erzählt wenig über das, was er ausser Haus erlebt. Und ich will nicht, dass er allfällige negative Erfahrungen in sich hineinfrisst.» Auch müsse er noch lernen, sich besser durchzusetzen. Sie ist überzeugt davon, ihr Sohn sei noch nicht bereit für den Schulalltag. «Er soll ja nicht schon im Chindsgi das Gefühl bekommen, den Anforderungen dort nicht gewachsen zu sein.»

Nicht auf Gesuch eingegangen

«Das Anmeldeformular für den Schuleintritt haben wir Mitte November letzten Jahres erhalten», sagt sie. «Es blieben genau zweieinhalb Wochen Zeit, um ein Gesuch auf Rückstellung einzureichen, was uns sehr kurzfristig erschien.» Aus Gesprächen mit anderen Müttern wusste sie, dass ein solches Gesuch zusammen mit einem ärztlichen Attest bessere Chancen hat, bewilligt zu werden. «Wir haben trotzdem darauf verzichtet, das Gesuch jedoch fristgerecht eingereicht.»

«Wir hatten genau zweieinhalb Wochen Zeit, um ein Gesuch auf Rückstellung
einzureichen.»
Mutter von Anton

Einen Monat später sei der zweite Brief mit der Standard-Einladung für ein Treffen der Eltern zusammen mit ihrem Kind mit dem Schulleiter gekommen. Darin war mit keinem Wort auf das Gesuch eingegangen worden. «Es standen gerade mal zwei mögliche Zeitfenster zur Auswahl, beide an jenem Wochentag, an dem mein Mann und ich arbeiten. Zudem war es nicht möglich, dann unseren Sohn mitzunehmen.»

Zweiter Gesprächstermin vereinbart

Das Gespräch sei sachlich verlaufen, obwohl das Fehlen von Anton nicht gut angekommen sei. Man einigte sich auf einen zweiten Gesprächstermin, an dem er dabei sein sollte. Bis dahin hatte sich die Mutter mit anderen Müttern ausgetauscht, die ihr Kind ebenfalls noch nicht zur Schule schicken wollten. Dabei erfuhr sie von einem Fall, in dem ein solches Gesuch bereits bewilligt worden war.

Auch das zweite Treffen mit dem Schulleiter verlief ohne Probleme. «Wir machten von Anfang an klar, das Gesuch weiterzuziehen, falls es auf diesem Weg nicht bewilligt würde», sagt die Mutter. Etwas befremdend empfand sie allerdings, wie sich der direkte Kontakt des Schulleiters mit Anton während dieses Treffens auf ein Minimum beschränkte. «Wir haben vereinbart, selber Fördermöglichkeiten für unseren Sohn zu finden.» Er besucht seit bald zwei Jahren eine Waldspielgruppe, wo es ihm ausgezeichnet gefällt.

Zudem werden er und seine knapp zwei Jahre jüngere Schwester bereits einmal pro Woche fremdbetreut, und die beiden werden demnächst einen Tag pro Woche eine Kinderkrippe besuchen. «Ich bin sicher, diese verschiedenen Möglichkeiten helfen unserem Sohn, sich im kommenden Jahr auch emotional seinem Alter entsprechend zu entwickeln», sagt die Mutter.

Die Schulpflege bewilligte schliesslich das Gesuch der Eltern von Anton. Auch wenn nun alles zu ihrer Zufriedenheit geregelt ist, empfindet sie die kurzfristigen Ankündigungen und die anfängliche Ignoranz ihrem Gesuch gegenüber als störend. «Der ganze Prozess war sehr aufwendig und von vielen Unsicherheiten geprägt. Aber jetzt können wir als Familie alles Weitere ganz entspannt angehen.»

Erstellt: 13.08.2019, 15:50 Uhr

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