Neerach

Vögel erobern den Pausenplatz und das Publikum

Die 6. Klasse der Primarschule nahm knapp hundert Gäste auf einen Flug nach Utopia mit.

Die 6. Klasse führte bunt geschminkt das Freilichttheater «Die Vögel» in der Neeracher Primarschule auf.

Die 6. Klasse führte bunt geschminkt das Freilichttheater «Die Vögel» in der Neeracher Primarschule auf. Bild: Leo Wyden

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Sie flattern auf den Pausenplatz. Ihre Gesichter sind zu Vogelgesichtern geschminkt, ihre Haare mit Federn geschmückt. Einige grinsen verlegen, andere sind schon total in ihre Rolle gesunken. Stefan Heller, Leiter des Birdlife Naturzentrums Neeracherried, steht als Zuschauer plötzlich inmitten dieser Vogelschar. Jetzt strahlt er nur noch, nickt anerkennend, und man sieht ihm an, dass ihm das Herz aufgeht. Am Ende der Vorstellung wird der Vogelspezialist sagen, dass er überwältigt sei von der monumentalen Umsetzung, vom Witz, dem Können und dem Mut der jungen Leute. Dass gerade in diesem Moment ein riesiger Schwarm Stare über den Platz fliegt, ist purer Zufall, hätte aber besser nicht im Drehbuch stehen können.

Doch nun zurück zur Bühne. Die Vogelschar nimmt den Pausenplatz, den Brunnen und die Balkone in Beschlag. Die Gäste pendeln zwischen den Schauplätzen. Selbst die reservierten Stühle für diejenigen, welche dem Treiben in diesem Tempo so nicht mehr folgen können, spielen Rollen.

«Man musste extrem konzentriert sein, damit man im Getümmel das Stichwort für den eigenen Einsatz nicht verpasst.» Mathéo Hefti

Als Transportmittel für den Trip ins Reich der Vögel dient die 2433 Jahre alte Komödie «Die Vögel», des griechischen Autors Aristophanes. Darin wollen drei Menschen der harten Realität entfliehen. Sie wenden sich an Thereus, der vor Jahren dem Menschenreich Adieu sagte und seitdem als Wiedehopf unter den Vögeln lebt. Gemeinsam gründen ein eigenes Vogelreich. Aber weil man alte «Mödeli» schlecht ablegen kann, droht dieses Projekt zu scheitern. Doch am Schluss gibt es ein Happy End und auf den Balkonen werden zwei Brautpaare bejubelt.

Alle tanzen Polonaise

Dann spielt die Utopia-Band auf. Schüler Rubén van Pletzen haut auf die Drums, am Piano sitzt seine Kollegin Sherona Sanapo, und Klassenlehrer Dominic Pando bändigt die E-Gitarre. Mit rot gefärbten Haaren und einer gelben Federboa um den Hals erscheint er schon als ganz besonderer Vogel. Den Schülerinnen und Schülern gefällts, dem Publikum auch, am Ende tanzen alle die Polonaise.

Ein Jahr lang tauchte die ganze Primarschule ins Thema Vögel ein. Im Birdlife-Naturzentrum Neeracherried, das kürzlich das 20-jährige Bestehen feierte, war sie Stammgast. Diese sechste Klasse paukte zusätzlich für dieses Theaterstück griechische Mythologie und lernte, wie man vor vielen Menschen auftritt. Mathéo Hefti, der gerade noch als Wiedehopf zu sehen war, sagt nach der Vorstellung: «Man musste extrem konzentriert sein, damit man im Getümmel das Stichwort für den eigenen Einsatz nicht verpasst.»

Noch ganz ausser Atem erzählt er, dass so ein Theater auf verschiedenen Schauplätzen wie eine Kettenreaktion abgeht und man schon im eigenen Interesse immer bestrebt sei, den Fehler der anderen nicht zu zeigen, sondern auszubügeln. «Ja, der Teamgeist wächst zusammen.» Um ihn herum pflichten ihm einige Schauspieler und Schauspielerinnen bei. Andrin Schoch, Thomas Ladner, Robin Schneider, Denis Bisig, Giulia Merola, Natalie Mäder. Luana Magnano, Jessica Zollinger und Jil Hintermann freuen sich gemeinsam übers Erreichte. Klassenlehrer Dominic Pando sagte kurz davor: «Ich will keine Klasse. Ich will ein Team.»

Erstellt: 12.07.2019, 15:29 Uhr

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