Buchs

Vom Tellerwäscher zum Inhaber

Nidhal Ltifi ist seit 18 Jahren in der Country Ranch in Buchs tätig. In der Dorfbeiz arbeitete er sich vom Tellerwäscher bis zum Inhaber hoch. Ganz so einfach gestaltete sich die neue Aufgabe aber zu Beginn nicht.

Er lebt den American Dream in der Schweiz; Nidhal Ltifi hat sich zum Inhaber der Country Ranch hochgearbeitet.

Er lebt den American Dream in der Schweiz; Nidhal Ltifi hat sich zum Inhaber der Country Ranch hochgearbeitet. Bild: Renato Cecchet

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Buchs ohne die Country Ranch – eigentlich unvorstellbar. Seit über dreissig Jahren befindet sich die Beiz mitten im Dorfkern, direkt bei der Bushaltestelle Linde. Kurt Richiger eröffnete das Restaurant im Jahr 1985. Damals trug es noch den Namen Buurehus. Nachdem 1991 der zweite Golfkrieg endete, wagte Richiger einen Namenswechsel. Aus dem Buurehus wurde die Country Ranch. Ein wenig Amerika-Feeling im Furttal.

Sieben Jahre später begann Nidhal Ltifi dort zu arbeiten. Der gebürtige Tunesier wohnt in Buchs. In seinem Heimatland hat er Kellner gelernt und wollte deshalb auch in der Schweiz in einem Restaurant arbeiten. Kurt Richiger gab ihm diese Möglichkeit und stellte ihn als Küchenhilfe ein. «Anfangs habe ich vor allem abgewaschen», sagt Ltifi.

Selbstvertrauen gestiegen

Nidhal Ltifi enttäuschte seinen Chef nicht und erhielt bald die Möglichkeit, sich als Hilfskoch unter Beweis zu stellen. «Ich konnte Salate und Menüs anrichten, das hat mir gut gefallen.» So gut, dass er sich entschloss, Koch zu werden. Er absolvierte eine mehrjährige Weiterbildung, wo er sich viel theoretisches Wissen aneignete. In der Country Ranch unterstützte ihn Kurt Richiger bei der praktischen Ausführung.

«Mein Selbstvertrauen stieg immer weiter an», sagt Ltifi. Sodass er bereit war, sich seinen grossen Traum zu erfüllen. Er wollte sein eigenes Restaurant führen. Als er seinen Chef vor ­etwa vier Jahren mit diesem Wunsch konfrontierte, öffnete ihm dieser die Türe zu seinem Ziel. «Er sagte mir, dass er die ­Leitung der Country Ranch gerne an mich übergeben würde. Er war zu diesem Zeitpunkt im Pensioniertenalter.» Der Buchser liess sich nicht zweimal bitten und ­figuriert seither als Inhaber der Dorfbeiz.

Ein steiniger Weg

Was jetzt nach einem schönen Aufstieg klingt, was es auch wirklich ist, brachte auch Schwierigkeiten mit sich. Nidhal Ltifi wurde als Inhaber der Country Ranch von Geldschulden willkommengeheissen. Er betrat ein sinkendes Schiff. «Es war nicht leicht. Zusammen mit Leuten aus meinem Umfeld sparte ich 200 000 Franken zusammen, damit die Country Ranch überhaupt weiterhin bestehen konnte.»

Dazu kam ein anderes Problem. Sein Name und seine Herkunft. «Die Leute vertrauten mir nicht und hinterfragten, wieso einer wie ich an so viel Geld kommt.» Er musste Anschuldigungen wie Drogendealer über sich ergehen lassen. Davon liess sich Ltifi nicht runterziehen. Er sagte sich: «Jetzt erst recht.»

Mithilfe seines Bruders, der in Amerika lebt und damals für einige Monate in die Schweiz reiste, brachte er die Country Ranch wieder auf Vordermann. Wichtigster Punkt dabei: eine neue Menükarte. «Als ich übernommen habe, herrschte auf der Speisekarte ein Durcheinander. Man konnte alles Mögliche bestellen.»

Gäste wollen Paniertes

Für Ltifi ist klar: «Die Leute in unserem Dorf essen am liebsten paniertes Fleisch.» Also spezialisierte sich die Country Ranch auf Schnitzel und Cordons bleus. Aber auch anderes Fleisch und Hamburger findet man auf der Speisekarte. Die Dorfbeiz wurde, ganz des Namens würdig, zu einem Steakhouse. Je nach Jahreszeit gibt es jeweils auch verschiedene Spezialkombinationen, zum Beispiel ein Cordon bleu mit Pflaumen drin. Die Gäste wählen ihr Essen zwar meist von der angestammten Speisekarte aus, aber man müsse immer wieder ein bisschen Veränderungen reinbringen, sagt der Inhaber.

Ltifi ist sich bewusst, dass die Country Ranch nicht die Nummer eins der Buchser Dorfbeizen ist. «Im Frohsinn hat es mehr Stammgäste.» Er möchte aber mit gutem Service, Anstand und ehrlichem Arbeiten punkten. Sein Team ist im Durchschnitt über 50 Jahre alt. «Ich könnte auch junge, hübsche Damen ­einstellen. Das würde sicherlich nochmals mehr Leute in die Ranch locken.» Junge Mitarbeiter seien jedoch zu teuer und dieses Vorgehen verfälsche für ihn den Gedanken der Gastronomie.

www.country-ranch.ch (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 12.08.2017, 11:12 Uhr

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