Zürich

Von der Musik-Castingshow zum Musicalcasting

In «DSDS» («Deutschland sucht den Superstar») haben sie sich verliebt. Jetzt stehen Chanelle Wyrsch und Alexander Jahnke erstmals und gemeinsam auf einer Musicalbühne.

In der Garderobe wandeln sich Chanelle Wyrsch (rechts) zu Marty Maraschino und Alexander Jahnke zu Danny Zuko.

In der Garderobe wandeln sich Chanelle Wyrsch (rechts) zu Marty Maraschino und Alexander Jahnke zu Danny Zuko. Bild: Martin Allemann

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Steigt in eure Petticoats und Röhrenjeans, schmiert euch Pomade ins Haar und ab zur Party. Seit 45 Jahren auf Bühnen und vor 40 Jahren im Film – «Grease» trifft immer noch den Nerv der Zeit. Warum? Weil es der beste Beweis dafür ist, dass sich im Prinzip nie etwas ändern wird, weder die Sehnsucht nach noch die Auf­regung vor der ersten Liebe.

Ruhe vor dem Sturm

Von Aufregung ist am Abend nach der Schweizer Premiere und anderthalb Stunden vor der nächsten Show wenig zu spüren. Der Rollladen an der Abendkasse ist geschlossen, die Garderobenfrauen beim Schwatz, die Musicaldarsteller trudeln ein. Ein Labyrinth an Garderoben hinter der Bühne, fein säuberlich beschriftet. Die Mädels da, die Jungs am Ende des Korridors ­– die «Reviere» fast so wie in der erzählten Geschichte.

Kein leichtes Unterfangen, in dieser «Unterwelt», dem Backstagebereich, die Schweizer Sängerin Chanelle Wyrsch (21) und den deutschen Musiker Alexander Jahnke (30) zu finden. In seiner spartanisch möblierten, beengten Garderobe nimmt sich das «immer noch» verliebte Paar – sie lernten sich vor einem Jahr bei der Teilnahme an «DSDS» kennen – Zeit, über Vergangenes und künftige Projekte zu sinnieren.

Privat und auf der Bühne

«Grease» – die Liebesgeschichte zwischen dem coolen Danny und der schüchternen Sandy, diesich nach einem Urlaubsflirt zu Schuljahresbeginn unter neuen Voraussetzungen an der Rydell High School wieder treffen,wurde zu einer der schönsten Highschool-Romanzen, die diese Bühnen der Welt je erobert haben, begleitet von Rock ’n’ Roll, Hits zum Mitsingen und Schwelgen.

Es hat schon fast autobigrafische Züge. Chanelle und Alexander haben sich nicht nur privat, sondern auch auf der Bühne gefunden. Chanelle verkörpert die Figur der Marty, Alexander in der Hauptrolle den Danny. Bei einigen Daten (heute, 20. Januar, um 15 Uhr, am 24. Januar um 18.30 Uhr und am 3. Februar um 19.30 Uhr) schlüpft Chanelle (als sogenannter Understudy – Zweitbesetzung) in die Rolle der Sandy, ist dann also direkte Bühnenpartnerin ihres Freundes. «Kein Problem. Es hilft zwar, sich einzufühlen, aber die Charaktere, die wir verkörpern, entsprechen ja nicht den Privatpersonen. Schwierig wird es, von der Figur der mit Po und Busen wackelnden Mary zur zugeknöpften, braven Sandy umzuschalten. Davor habe ich – besonders als Neuling in dem Fach – Respekt. Auch weil ich dann noch mehr im Fokus des Geschehens stehe.»

Das die beiden überhaupt in «Grease» mittun dürfen, haben sie dem Umstand zu verdanken, dass der Produzent Gefallen an ihrem bei «DSDS» gesungenen Duett fand. «Er hat mich danach zu einer Audition (Vorsingen) eingeladen, um zu sehen, ob ich auch tanzen und schauspielern kann», erinnert sich Alexander. «Ich bin dankbar, dass er mir die Chance gibt, mich zu beweisen.» «Wir mimten beim Duett ein Liebespaar und mussten uns zusammenreissen, um glaubhaft zu sein. Privat war da noch gar nichts von Funkensprühen», lacht Chanelle.

Als Neulinge unterstützt

Bei der Castingshow trat Chanelle meist mit blondierten Haaren und knallroten Lippen als Marilyn-Monroe-Typ auf. Das passte wohl bei der Rollenbestzung perfekt zur Marty, so eine pink Lady eben. «Ich hasse diese Farbe.» Aber etwas abgefärbt hat sie doch: Zur Premierenparty erschien Chanelle im figurbetonten, dezent rosafarbenen Kleid. Dennoch: «Ja, ich liebe diese Szene mit meinem Sololied im Flauschipyjama und in meinem Zimmer mit den anderen Mädels. Wir haben echt Spass miteinander.»

Auch ausserhalb des Scheinwerferlichtes versteht sich die wild zusammengewürfelte Truppe bestens. Chanelle und Alexander haben zwar keine bis wenigErfahrung als Musicaldarsteller, aber jahrelange Bühnenpräsenz. Zudem erhalten sie von den gestandenen Performern Tipps und Unterstützung. Sporadisch «dürfen» sie zwischendurch zum Gesangsunterricht. Mit den Shows ist der Lernprozess ja nicht abgeschlossen. Wenn die Handlung auch dieselbe bleibt, spielt dieTagesform und die eigene schauspielerische Entwicklung eine sich wandelnde «Rolle».

In die 50er-Jahre eingefühlt

Altersmässig scheinen die beiden weit weg von der Zeit, welche die Musicalgeschichte beschreibt, zu sein. «Ich sehe da Parallelen zur eigenen Schulzeit, folglich kann ich mich sehr gut einfühlen», meint Chanelle. «Der Cast (Besetzung) ist jung», fügt Alexander bei. «Manche kommen direkt von der Bühnenausbildung. Die Erinnerungen an die eigene Teenagerzeit ist also bei den meisten noch – ausser bei mir (lacht) – frisch. Das sehe ich als Vorteil für die Produktion. Die Kunst ist es nun, die eigenen Erfahrungen in die Fünfzigerjahre zurückzutransferieren. Dabei helfen natürlich Äusserlichkeiten wie Kostüme, Perücken und die Musik. Den Film haben wir fürs Rollenstudium, also wie sich die Jugendlichen damals gaben undbewegten, mehrfach angesehen.»

Chanelles blonde Perücke ist schnell drapiert, Alexander hat gut 20 Minuten gebraucht, seine frisch geschnittenen Haare zugelen . . . Eine Lautsprecherdurchsage erinnert an die fortschreitende Zeit. Auch die Stage-Managerin – sie sorgt hinter der Bühne für einen reibungslosen Ablauf – tritt von einem Bein aufs andere. Eigentlich haben nicht an der Produktion beteiligte Personen und insbesondere Journalisten spätestens 30 Minuten vor der Aufführung nichts mehr hinter der Bühne zu suchen.

Noch fünf Minuten bis Showbeginn. Also eiligst das Pressefoto schiessen. Für ein Selfie reicht die Zeit auch.

Zwei Minuten. Die Kopfmikrofone richtend, stürmen sie den Pfeilen folgend zur Bühne. Die Band rockt los.
Musical «Grease» Bis 4. Februar. Die genauen Aufführungsdaten sind auf www.actnews.ch ersichtlich. Theater 11, Zürich. Tickets: www.ticketcorner.ch, Hotline 0900 800 800 (1.19 Fr./Min.). (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 21.01.2018, 14:49 Uhr

Ticketverlosung

«Grease» – Der «Zürcher Unter­län­der» verlost für die Aufführung von Samstag, 3. Februar, 19.30 Uhr, zweimal zwei Tickets.
Kennwort: Grease
Teilnahme: Bitte eine Mail an ticketverlosung@zuonline.ch bis Montag, 22. Januar, 8 Uhr (mit Telefon- oder Natelnummer). Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Haushalt möglich. Mitarbeiter von Tamedia sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.red

Zum Stück

«Grease» ist Party, Spass, Romantik und eine Hommage an eine Zeit, in der Pferdestärken und glänzendes Chrom so wichtig waren wie der richtige Musik­geschmack. Mit ihrem Rock-’n’- Roll-Musical über das Abenteuer Highschool-Liebe, angesiedelt in den 50er-Jahren, schufen Warren Casey und Jim Jacobs einen Klassiker. Legendär ist die Verfilmung des Musicals 1978, mit der sich John Travolta und Olivia Newton-John als neues Hollywood-Traumpaar mit fetzigen Songs und gefühlvollen Balladen in die Herzen der Zuschauer sangen.red

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