Boppelsen

Waches Auge sucht und findet

Die Autobiographie Paul Hählens, die kürzlich vorgestellt wurde, heisst «Ich fand ihn». Der 97-Jährige Bopplisser Künstler hat für seine Punktgenauigkeit kein Navi gebraucht, sondern vielmehr fast hundert Lebensjahre, ein waches Auge und ein empfindsames Herz.

Jede Autobiografie erhält am Ende noch eine schwungvolle Widmung von Paul Hählen.

Jede Autobiografie erhält am Ende noch eine schwungvolle Widmung von Paul Hählen. Bild: Beatrix Bächtold

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Boppelsen. Seit 1951 gehört Paul Hählen zu Boppelsen wie die Lägern. «Hier im Dorf ist er ein grosser Begriff. Jeder kennt ihn. Er ist ein begnadeter Künstler und der älteste Einwohner», beschrieb Gemeinderätin Erika Zahler das Phänomen Hählen in ihrer Laudatio anlässlich der Präsentation seiner Autobiographie. Rund 40 Gäste spitzten im Schulhaus Maiacher die Ohren.

Im Saal standen dann auch zwei Werke Hählens, welche der Künstler erst kürzlich erschaffen hat. Auf einer kleinen Holzbühne am Rednerpult sass der äusserst jugendlich wirkende Mann des Abends Paul Hählen bei schummrigem Licht. Vor ihm lag druckwarm seine Autobiographie. Der Künstler hatte eine mächtige Leselupe an seiner Brille montiert und las von Zeit zu Zeit Kostproben aus dem Buch.

Einst erfolgreicher Architekt

Der erste Teil des 190 Seiten starken Werks handelt von der Kindheit und Jugend des Malers. Er beschreibt das karge Leben der kinderreichen Schreinerfamilie im Berner Oberland und hat seine Erzählungen mit Anekdoten gespickt. In fünf Zeilen beschreibt Paul Hählen auch seine Mutter. «Eine intelligente, begabte Frau, musikliebend, spielte prima vierstimmig Lieder auf dem Harmonium und bekam ein solches Instrument in den Ehestand», heisst es. Wie warm muss es doch im 1689 erbauten Blockhaus gewesen sein, während draussen Schnee und Eis regierten.

Später bestand Paul Hählen die Aufnahmeprüfung am Kantonalen Technikum in Burgdorf, mit 23 erlangte er sein Diplom und wurde ein erfolgreicher Architekt. 1953 hängte er seinen Beruf an den Nagel und widmete sich von da an der Malerei.

Früher grau, heute farbenfroh

Organisiert wurde der Abend von der promovierten Kunsthistorikerin Sabrina Abate Datmar, die auch durchs Programm führte. Anhand eines Bildervortrags erklärte sie die Arbeit Paul Hählens, der als Künstler ein Leben lang «dem Klang des Lebens» auf der Spur war. Dabei legte die Bopplisserin mit italienischen Wurzeln extra eine langsamere Gangart ein, damit der betagte Künstler und das Publikum ihr auch folgen konnten. Im Laufe eines Bildervortrags wurden dann Werke des Künstlers von seinen Anfängen bis heute gezeigt. «Im Laufe seines Lebens hat Paul Hählen eine interessante künstlerische Entwicklung erlebt», erklärte Abate Detmar.

Während am Anfang seiner Schöpferphase die Bilder in Grautönen und dunklen Farben wie Grau und Braun getaucht waren, erstrahlen sie heute in ausgewogenen Farbkompositionen. Im Bildervortrag erkannte man auch Hählens Entwicklung von der Gegenständlichen zur Abstrakten Malerei. «Der Weg zur Abstraktion war lang und komplex, doch diese Entwicklung war wichtig und stilprägend», erläuterte Abate Detmar. Ferner erfuhr man, welche Bedeutung die Farben bei Hählen haben. So steht beispielsweise Rot für Leidenschaft und Gelb für Hoffung und Licht.

«Portion Begabung erhalten»

Ob Paul Hählen mit «ihn» den «Klang des Lebens» meint? Man wäre fast geneigt, das anzunehmen, wäre da nicht noch ein anderer, ganz wichtiger «ihn», der in den 50er-Jahren in sein Leben trat: Jehova. In seinen Memoiren beschreibt der Künstler ganz ausführlich diese «Bekanntschaft». Er widmet dieser den, in einem Buch so immens wichtigen, letzten Abschnitt. Unter anderem schreibt er darin: «Dabei ist Gott wie ein liebevoller, grosszügiger Vater, der mir auch Freiheiten gewährt, die mir Freude und Genugtuung bereiten, wie zum Beispiel die Malerei, wofür ich ja vom Schöpfer eine Portion Begabung erhielt.» (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 10.10.2018, 17:37 Uhr

Infobox

Das Buch «Ich fand ihn» ist im Büecherstübli, Bingertstrasse 8 in Boppelsen, erhältlich. Bestellungen unter bueecher.stuebli@gmx.ch.

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