Niederwenigen

Was die Überreste eines Mammuts den Forschern verraten

Ein besonderer Fund in Zug stand am Samstag im Zentrum eines Vortrags im Mammutmuesum.

Jochen Reinhard gibt Details zum in Zug gefundenen Stosszahn preis.

Jochen Reinhard gibt Details zum in Zug gefundenen Stosszahn preis. Bild: Paco Carrascosa

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Niederweningen ist die reichhaltigste Fundstätte von Mammuts in der Schweiz und das Mammut-Museum lässt seine Besucherinnen und Besucher jeden Sonntag in die Welt dieser Tiere und ihre Zeit eintauchen.

Am Samstag stand an einem öffentlichen Vortrag für einmal ein Zuger Mammut im Zentrum des Interesses. Unter dem Titel «Das letzte Zuger Mammut – von der Baustelle übers Labor ins Museum» referierten Jochen Reinhard und Renata Huber über das Tier, dessen Lebensbedingungen, die Entwicklung des Zugersees und erste Nachweise des Menschen. Beide sind wissenschaftliche Mitarbeiter der Kantonsarchäologie Zug.

Skelettteile als Zeitzeugnis

Im Jahr 2015 stiessen Bauarbeiter in einer sechs Meter tiefen Baugrube der Firma Roche im Zuger Risch-Rotkreuz auf den fast 50 Kilogramm schweren Stosszahn eines ausgewachsenen Mammutbullen. Reinhard und Huber waren an der Bergung des Zahns sowie weiterer Skeletteile beteiligt.

Diese umfassten unter anderem einen Teil des rechten Beckenknochens, die rechte Elle, zwei rechte Rippen, den Dornfortsatz eines Brustwirbels sowie Fragmente von Langknochen.

«Es ist eines der letzten gefundenen Mammuts der Schweiz, sie standen zu dieser Zeit kurz vor dem Aussterben.»Jochen Reinhard, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kantonsarchäologie Zug

Laboruntersuchen verweisen auf die Zeit um 15000 vor Christus, in die ausgehende Eiszeit nach dem letzten Gletschermaximum vor rund 24000 Jahren. «Es ist eines der letzten gefundenen Mammuts der Schweiz, sie standen zu dieser Zeit kurz vor dem Aussterben», erzählte Reinhard.

Geologische Untersuchungen und die starke Fragmentierung des Skelettes bewiesen, dass das Mammut nicht direkt am Fundort starb, sondern von aus dem Zugersee abfliessendem Wasser dorthin verfrachtet worden ist. «Die Sedimente, sowohl in der Fundschicht – einem sandig-kiesigen, umgelagerten Moränenmaterial – wie auch in der Schicht darüber sind sehr pollenarm, es gibt keine Pflanzenreste oder Schneckenhäuser. Das Mammut lebte zur Zeit des Permafrosts, trotz des Gletscherrückzugs ein paar Tausend Jahre zuvor.»

Neuste Tests und CT-Scans untersuchten das Erbgut des Tieres und die Zuwachszonen seines Stosszahns. Die Mammutteile sollen in die Dauerausstellung des Kantonalen Museums für Urgeschichte(n) Zug integriert werden.

«Die frühesten archäologischen Funde von Menschen folgten 2000 Jahre später.»Renata Huber, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kantonsarchäologie Zug

Da beide Referenten Archäologen sind, würden sie sich bei Mammutfunden auch jeweils Schlüsse auf die damaligen Menschen erhoffen, erklärte Huber. Das Zuger Mammut wies jedoch keine Jagdspuren oder dergleichen auf. «Die frühesten archäologischen Funde von Menschen folgten 2000 Jahre später.»

Darunter sind Lesefunde aus Silex bei Steinhausen und Cham. Ein 1955 in der Zuger Gartenstadt bei Kanalarbeiten geborgener Knochenfund des ältesten in der Schweiz gefunden Elches aus dieser Zeit wies zudem Schnittspuren eines Silexmessers am Schienbein auf, was darauf schliessen lässt, dass das Tier verspeist wurde.

Neue Forschung

Viele der 70 interessierten Vortragsbesucher waren zuvor auch an der Generalversammlung des Fördervereins des Mammutmuseums anwesend. Präsident Rudolf Hauser freute sich über ein erfolgreiches Jahr 2018 mit Vorträgen und einer Steinzeitwerkstatt sowie über den 50000. Besucher seit der Museumseröffnung 2005.

Seit Oktober läuft ein Forschungsprojekt zur den Torfschichten der Mammutfundstätte (von 2003) an der Niederweninger Murzlenstrasse.

Der nächste Bildervortrag findet am 19. Mai um 10.30 Uhr im Museum statt: «Domestikation und Ursprung von Homo sapiens». Referent ist Marcelo R. Sánchez-Villagra.

Erstellt: 12.05.2019, 15:13 Uhr

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