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Wie die lustigen Polizeimeldungen aus Süddeutschland entstehen

In der Rubrik «Ennet dem Rhein» veröffentlicht der «Zürcher Unterländer» Pressemeldungen der deutschen Polizei. Ein Sprecher erklärt, weshalb die Nachrichten zuweilen witzig formuliert sind.

«Havarie eines Schwerlastschlittens» meldete die Pressestelle des Polizeipräsidiums Freiburg vor Weihnachten. Diese Meldung war frei erfunden doch auch Medienmitteilungen über tatsächliche Geschehnisse verfassen die deutschen Polizisten teilweise mit einer Portion Schalk.
«Havarie eines Schwerlastschlittens» meldete die Pressestelle des Polizeipräsidiums Freiburg vor Weihnachten. Diese Meldung war frei erfunden doch auch Medienmitteilungen über tatsächliche Geschehnisse verfassen die deutschen Polizisten teilweise mit einer Portion Schalk.
Foto: Polizeipräsidium Freiburg

Die Schlagzein sind oft bunt und schrill: «Ehemalige Nachbarinnen schlagen sich im Supermarkt» oder «Aggressiver Gaststättenbesucher fordert Polizei beamte zum Boxkampf auf». Bereits seit einigen Jahren veröffentlicht der «Zürcher Unterländer» Polizeimeldungen aus dem süddeutschen Raum in der Rubrik «Ennet dem Rhein». Die Medienmitteilungen der Pressestelle des Freiburger Polizeipräsidiums unterscheiden sich teilweise stark von denen der Schweizer Kollegen.

Oft sind sie humorvoll geschrieben und berichten über kuriose Geschehnisse. Die vermeldeten Vergehen sind teilweise so klein und nichtig, dass sich die Pressesprecher eines Schweizer Polizeikorps kaum die Mühe machen würden, eine Pressemitteilung zu verschicken. So verfassen die Deutschen auch mal ein Communiqué, wenn ein Müllcontainer in Brand gesetzt wurde, jemand an einer Tankstelle die Staubsaugerautomaten aufgebrochen hat oder ein junger Mann stockbesoffen auf dem Fahrrad unterwegs zum Bewerbungsgespräch war.

Pärchen im Auto «zu Gange»

Unter dem Titel «Delikater Auftrag für die Polizei» vermeldeten die deutschen Ordnungshüter vor kurzem gar, wie sie zu einem geparkten Fahrzeug gerufen wurde, in dem gerade ein Pärchen «zu Gange» war. Beim Eintreffen der Beamten seien die Scheiben des Fahrzeugs beschlagen gewesen. Nachdem die Polizisten geklopft haben, bedeckte sich das Liebespaar sofort.

«Gerade in den ländlichen Gebieten ist oft nicht sehr viel los, so dass wir auch kleinere Vorfälle vermelden.»

Mathias Albicker, Pressesprecher Polizei Freiburg

«Die Ordnungshüter erhaschten einen Blick auf Sitze in Liegeposition, Kleider im Fussraum und auf Personen mit etwas schnellerer Atmung. Das liess natürlich Rückschlüsse auf das vorherige Tun des im Auto befindlichen Pärchens zu», heisst es in der Mitteilung. Nach dem dezenten Hinweis der Polizeibeamten auf den vorbeiführenden Bürgersteig und die angrenzende, vielbefahrenen Strasse, zeigte sich das Pärchen vollkommen einsichtig.

«Gerade in den ländlichen Gebieten ist oft nicht sehr viel los, so dass wir auch kleinere Vorfälle vermelden», erklärt Mathias Albicker, Pressesprecher der Polizei Freiburg, der die Meldung über das Pärchen verfasst hat. So würden er und seine Kollegen versuchen, aus jedem Tag etwas herauszuholen um die Presse zu bedienen. Natürlich vermelden die Deutschen nicht nur Kurioses und Kleinigkeiten, schwere Delikte werden, wie in der Schweiz, seriös kommuniziert. Aber laut Albicker bilden diese Taten eben nur einen kleinen Teil der täglichen Polizeiarbeit ab. «Wir wollen aber den Alltag abbilden und sind der Öffentlichkeit auch zur Information verpflichtet», erklärt der Pressesprecher.

Nationalitäten genannt

Ähnlich würde dies auch in anderen Bundesländern gehandhabt. Wenn eine Dienststelle des Präsidiums um eine Medienmitteilung erbete, werde eine solche auch in jedem Fall gemacht, auch wenn es sich um einen noch so kleinen Vorfall handle.

Die Nennung der Nationalitäten in Polizeimitteilungen sei auch in Deutschland ein umstrittenes Thema. Der Stadtzürcher Polizeivorsteher Richard Wolff entschied vor kurzem, dass sein Polizekorps künftig darauf verzichtet. Anders die Deutschen: So vermelden die Freiburger Gesetzeshüter die Nationalität der Täter bei Verbrechensmeldungen, wie es auch die Zürcher Kantonspolizei macht. So laute die Vorgabe der Staatsanwaltschaft.

Es gebe aber auch Zeitungen, die dann auf die Nennung der Nationalitäten wieder verzichten würden. Ebenfalls wie bei der Zürcher Kantonspolizei sind die Pressesprecher des Freiburger Präsidiums gelernte Polizisten, die früher auf Streife waren und nicht etwa Kommunikationsbeauftragte mit Fachdiplom. Das sei nicht immer einfach, sagt Albicker. Oft stehe man zwischen den Fronten, denn die Bedürfnisse der Polizeikollegen und der Medien seien nicht immer die Gleichen.

Die Arbeit als Pressesprecher sei aber nicht die uninteressanteste bei der Polizei. Immerhin: Seit kurzem beschäftigt die Freiburger Pressestelle auch einen gelernten Journalisten als Mediensprecher. Dieser müsse aber noch so einiges lernen, sagt Albicker.

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