Embrach

Wie grün soll die Renovation der Kirche sein?

Die Katholische Kirche soll mehr für den Umweltschutz tun. So fordern es der Papst und der Seelsorgerat der Kirche. Die Katholiken des Embrachertals müssen sich nun mit dem Thema auseinandersetzen, weil ihre Kirche saniert werden muss.

Bei der anstehenden Renovation der Kirche möchte die Katholische Kirchenpflege Embrach auch dem Aspekt der Ökologie Rechung tragen.

Bei der anstehenden Renovation der Kirche möchte die Katholische Kirchenpflege Embrach auch dem Aspekt der Ökologie Rechung tragen. Bild: Paco Carrascosa

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Die St. Paulus Kirche in Embrach wurde 1980 eingeweiht. Erst 2004 wurde ein Teil ausgebaut und renoviert. Rund 40 Jahre nach der Einweihung des Gotteshauses ist nun eine Renovation nötig geworden.

Vieles in der Kirche entspricht nicht mehr heutigen hygienischen Richtlinien, die Technik ist veraltet und muss teilweise ganz ersetzt werden. Zudem ist das Kirchendach undicht und muss erneuert werden.

Eine wichtige Rolle bei der Sanierung spielt der Umweltschutz. «Die Katholische Kirche hat zwei grosse Probleme», sagt Erwin Hollenstein, synodaler Abgeordneter der Katholischen Kirchgemeinde Embrachertal.

«Die Katholische Kirche hat zwei grosse Probleme.»Erwin Hollenstein, synodaler Abgeordneter der Katholischen Kirchgemeinde Embrachertal

«Erstens muss das Missbrauchsthema aufgearbeitet werden und dazu sollte das Zölibat abgeschafft werden. Bei diesem Problem hapert es auf der Ebene der Kirchenleitung, die Bischöfe leisten Widerstand. Das zweite Problem ist die Bewahrung der Schöpfung, der Schutz der Umwelt. Anders als beim ersten Problem hat sich die Kirchenleitung des Problems angenommen, dafür wehren sich aber viele in der Basis dagegen», ist Hollenstein überzeugt.

Während der Papst und der schweizerische Seelsorgerat nämlich fordern, die Kirche müsse sich für den Umweltschutz stark machen, hapere es oft auf der Ebene der Kirchgemeinden.

Solarstrom alleine ist nicht die Lösung

Hollenstein hat sich dem Thema in seiner eigenen Kirchgemeinde angenommen. Schon vor ein paar Jahren hat er den Vorschlag gemacht, auf dem Flachdach der Kirche in Embrach eine Solaranlage zu installieren. Nun ist seine Idee wieder in der öffentlichen Diskussion angelangt.

Wenn die Kirche sowieso saniert werden muss, gehöre eine Photovoltaikanlage dazu, findet Hollenstein. «Ansonsten predigt die katholische Kirche zwar den Umweltschutz, macht dann aber doch nichts, wenn sich beim eigenen Gotteshaus eine Chance dazu bietet.»

Und tatsächlich, inzwischen hat sich in Bezug auf den Umweltschutz etwas bewegt im Projekt. Die Kirchenpflege der Katholischen Kirche Embrachertal, die mit der Renovation betraut ist, hat am 16. Januar beschlossen, dem ökumenischen Verein «Oeku - Kirche und Umwelt» beizutreten und eine Umweltgruppe zu bilden.

«Ansonsten predigt die katholische Kirche zwar den Umweltschutz, macht dann aber doch nichts, wenn sich beim eigenen Gotteshaus eine Chance dazu bietet.»Erwin Hollenstein

Hollenstein wurde eingeladen, Teil dieser Gruppe zu sein und hat dies auch getan. «In dieser Gruppe wird die kirchliche Liegenschaft inklusive Umgebung bezüglich des Energieverbrauchs, des Abfallmanagements, des Papierverbrauchs, des Wassersystems und des Lebensmittelverbrauchs untersucht und verbessert», schreibt Kirchenpflegepräsident Christian von Aarburg auf der Website der Kirchgemeinde.

Von Aarburg findet jedoch nicht, dass die von Hollenstein geforderte Solaranlage das Mass aller Dinge wäre. «Um eine effiziente Energieplanung umzusetzen, braucht es eine solide Prüfung. Mit dem raschen Montieren einer neuen Photovoltaikanlage wäre es nicht getan.»

«Stellt man sich gegen das Projekt, stellt man sich auch gegen die Schöpfung.»Christian von Aarburg, Kirchenpflegepräsident

Man habe aber das Anliegen von Herrn Hollenstein aufgenommen, sagt von Aarburg. «So wird jetzt etwa das Dach isoliert, was ursprünglich nicht vorgesehen war. Die Isolation hilft Energie zu sparen und würde später den Einbau einer Photovoltaikanlage ermöglichen.» Nach der abgeschlossenen Energieplanung soll zudem ein Investitionsplan vorgestellt werden, der weitere Massnahmen zum Umweltschutz in den nächsten vier Jahren beinhalten soll.

Die Renovation des Dachs soll es auch ermöglichen, dass der Altarraum mehr durch Tageslicht beleuchtet wird. Das würde Strom sparen, da der Raum heute stets durch elektrisches Licht ausgeleuchtet werden muss.

Insgesamt soll die Renovation rund 1,28 Millionen Franken kosten. «Stellt man sich gegen das Projekt, stellt man sich auch gegen die Schöpfung», sagt von Aarburg. «Die Kosten für die nötigen Sanierungen würden steigen und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.»

Entscheidung fällt am 12. Juni

Weiter über das Projekt informieren wird die Kirchenpflege auf ihrer Website und im Mitteilungsblatt. Zudem findet am 26. Mai eine Informationsveranstaltung statt. Ob die Stimmberechtigten von den Sanierungsplänen überzeugt sind, wird sich dann am 12. Juni an der Gemeindeversammlung zeigen.

Die Chancen stehen jedoch derzeit nicht schlecht, auch Hollenstein scheint nämlich mit den aktuellen Plänen einverstanden zu sein. «Wenn die Kirchenpflege aufzeigen kann, dass sie in den kommenden Jahren entsprechende Massnahmen ergreifen will, sehe ich keinen Grund für einen Rückweisungsantrag.»

Erstellt: 12.05.2019, 19:05 Uhr

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