Abwasser

Wie man mit Ozon auch noch den letzten Dreck aus dem Wasser holt

Die Abwasserreinigungsanlage Eich ist die erste Unterländer Anlage, die Mikroverunreiningungen mithilfe von Ozon eliminiert. Die Ausbauarbeiten dauerten zweieinhalb Jahre und haben 14,4 Millionen Franken gekostet. Am Samstag öffent die ARA ihre Tore für die Bevölkerung.

Durch diese neuen Schächte fliesst das Wasser ganz am Schluss des Reinigungsprozesses. Darin finden sich rund 40 Tonnen Quarzsand, mit dem nun auch die Mikroverschmutzungen ausgefiltert werden können.

Durch diese neuen Schächte fliesst das Wasser ganz am Schluss des Reinigungsprozesses. Darin finden sich rund 40 Tonnen Quarzsand, mit dem nun auch die Mikroverschmutzungen ausgefiltert werden können. Bild: Paco Carrascosa

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In der Schweiz stehen 800 Kläranlagen. Rund 100 von ihnen werden in diesen Jahren aufgerüstet, auf Geheiss des Bundes; allein 23 davon stehen im Kanton Zürich. Hinter der neuen Investitionsoffensive steht das Problem der sogenannten Mikroverunreinigungen. «Dazu gehören hormonelle Verunreinigungen, Pestizide, Antibiotika», zählt Patrick Sonderegger auf. Als Klärmeister kennt er die ARA Eich wie die eigene Westentasche.

Die Anlage liegt etwas abseits, exakt am «Dreiländereck» von Bassersdorf, Dietlikon und Wangen-Brüttisellen. Nach rund zweieinhalb Jahren der Sanierung und Ausbauten öffnen sich am Samstag die Tore der ARA für die interessierte Bevölkerung (siehe Kasten). Während Politiker und weitere offzielle Gäste sich bereits gestern ein Bild von den neuen Anlageteilen haben machen können, nahm sich Sonderegger bereits am Mittwoch Zeit für einen Extrarundgang für Medienvertreter.

In einem Teil des Neubaugebäudes auf dem Kläranlagenareal finden sich die Generatoren, die aus Flüssigsauerstoff das für die Ozonung nötige Ozon bereitstellen. Foto: Paco Carrascosa

Hinter den nun abgeschlossenen Arbeiten, die den Steuerzahler rund 14,4 Millionen Franken gekostet haben, stehen im neuen Gewässerschutzgesetz verankerte neue Anforderungen an die Reinigung: Bisher hat man in den Kläranlagen die Mikroverunreinigungen nicht aus dem Wasser entfernt, was zu Nachteilen für die sensiblen Wasserlebewesen geführt hat; zu Fischen, die nicht mehr wussten, ob sie Männchen oder Weibchen sind. Diese Erkenntnisse veranlassten den Bund zu den neuen Vorschriften.

Ozon lässt Teilchen spalten

Für die 100 auszubauenden Anlagen geht es also um eine zusätzliche Station der Reinigung. In Bassersdorf ist das Kernstück dieser neuen Reiningungsstufe ein ganzer Gebäudeteil, der mit den Stichworten «Ozonung/Filtration» auf dem Lageplan notiert ist. Patrick Sonderegger fasst den Prozess für Laien zusammen: «Mit den Reaktoren gewinnen wir erst aus Flüssigauerstoff das Ozon. Dieses Gas reagiert einen Stock tiefer mit dem Abwasser und ermöglicht es uns dabei, die Wasserteilchen aufzuspalten.»

Erst dieser Prozess ermögliche es letztlich, dass die genannten Mikroverunreinigungen letztlich rausgefiltert werden. Sonderegger steigt eine Treppe hoch und blickt in zwei neue Schächte. «Die Filtration geschieht hier, mit 40 Tonnen Quarzsand, durch die das Wasser fliesst.» Erst nach Ozon zwei Schritten verlässt das Nass die Anlage und fliesst in den Mattenbach, später in die Glatt. Pro Jahr werden rund 2,7 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt.

«Die Delegierten aus China befanden, bei ihnen zuhause sei das Wasser, das die Klär-anlage verlasse, in etwa so sauber, wie das Wasser, das bei uns oben in die Anlage reinfliesst.»

Patrick Sonderegger, Klärmeister ARA Eich

Im Rahmen der jetzt abgeschlossenen Arbeiten wurde die Anlage nicht nur den neuen Bestimmungen entsprechend erweitert, auch ihre Kapazität wurde erhöht, von 22 000 auf 28 000 Einwohner. Angehängt sind die Gemeinden Bassersdorf, Nürensdorf und Lindau. «Mit dem Projekt haben wir eigentlich schon 2010 begonnen», sagt Bassersdorfs Werkvorsteher Christian Pfaller, der sich mit auf den Medienrundgang begeben hat. Bevor man sich für die Lösung mit Ozon entschieden habe, seien etliche Alternativen geprüft worden; nicht nur die Variante mit Aktivkohle statt Ozon. «Es gab auch Überlegungen, ob wir uns nicht der Kläranlage in Kloten oder in Dübendorf anschliessen sollten.» Am Ende hätten auch Kostenüberlegungen für den Ausbau und die Ozonung gesprochen, sagt Pfaller.

Von den Arbeitsplätzen der neuen Kontrollstelle aus werden dei Reinigungsprozesse der gesamten Anlage überwacht. Foto: Paco Carrascosa

Während für den Experten Sonderegger noch immer die biologische Reinigungsstufe das Herzstück jeder ARA ist, werden sich die meisten Besucher wohl doch für diesen neuesten Teil der Anlage interessieren. Das sei auch bei der Delegation von Ingenieuren aus China so gewesen, die die ARA Eich vergangene Woche besichtigt haben. «Sie schauten unsere Wasserproben am Schluss des Reinigungswegs an und bemerkten dann, bei ihnen in China schaue das Wasser nach Verlassen der Anlage in etwa so aus, wie es bei uns in die Anlage einfliesst», erzählt Sonderegger.

Direkt trinken sollte man das geklärte Wasser übrigens auch nach allen fünf Reinigungsstufen nicht. Die Mikroverunreinigungen sind zwar weg, die Salmonellen aber nicht. Dafür wäre es nötig, das Wasser zu erhitzen – und dieser Energieaufwand lohnt sich nicht für Wasser, das wieder zurück ins natürliche Umfeld eines Baches fliesst.

Erstellt: 21.09.2018, 15:11 Uhr

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