Dällikon

Wie man Pelz auch ohne schlechtes Gewissen tragen kann

Mit dem Label Royal Fox setzen Simon und Fabienne Gygax ein Zeichen gegen Importpelz und Tierquälerei. Für ihre Wintermode verwenden die Geschwister Fell vom Schweizer Rotfuchs, um jüngere Pelzliebhaber für das Thema zu sensibilisieren.

Geschwister und Firmengründer von Royal Fox: Fabienne und Simon Gygax tragen Jacken mit Fuchspelzkrägen. Der Pelz stammt von Tieren,  die Jäger – nicht wegen des Pelzes – in der Schweiz geschossen haben.

Geschwister und Firmengründer von Royal Fox: Fabienne und Simon Gygax tragen Jacken mit Fuchspelzkrägen. Der Pelz stammt von Tieren, die Jäger – nicht wegen des Pelzes – in der Schweiz geschossen haben. Bild: Paco Carrascosa

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Kaum wird es kälter, sieht man sie überall – stylishe Jacken mit kuscheligem Kragen. Immer mehr Leute greifen zu echtem Pelz: Mit rund 460 Tonnen erzielte der Schweizer Import 2016 den höchsten Stand seit 25 Jahren. «Dass 90 Prozent der Felle aus qualvoller Käfigzucht in Asien oder Fallenjagd in Kanada stammen, stört oder wissen die wenigsten – Kampagnen und Deklarationspflicht zum Trotz», sagt Fabienne Gygax.

«Grosse Marken beherrschen den Markt mit billigem Pelz, für den unzählige Tiere sinnlos leiden», ergänzt ihr Bruder Simon.Lange haben sich die in Dielsdorf aufgewachsenen Geschwister mit dem Thema befasst und mögliche Lösungen diskutiert. Doch statt sich in einer Tierschutzorganisation gegen Pelz zu engagieren, gründeten die beiden das Wintermode­label Royal Fox, welches das Tragen von Pelz ohne Tierleid ermöglichen will.

«Aggressives Angreifen erzeugt oft nur Trotz», meint der 23-Jährige. «Wir halten es für sinnvoller, Pelzbefürworter zu sensibilisieren und ihnen ethisch vertretbare Alternativen aus heimischen Ressourcen zu bieten.» Diese stammen vom Schweizer Rotfuchs: 30 000 Tiere werden jährlich von Jägern zur Bestandsregelung erlegt, 85 Prozent der Kadaver jedoch verbrannt, da es für das hochwertige Fell bislang zu wenig Nachfrage gibt.

Zum Kältetest nach Island

Auf dem Pelzfellmarkt Fäälimärt in Sursee suchten die angehenden Unternehmer im Frühjahr 2016 den Austausch mit Jägern, Händlern und Verarbeitern. Der Flawiler Kürschner Johann Hofstetter begeisterte sich sofort für ihre Idee. Wenig später stand der Businessplan – nicht umsonst haben beide eine kaufmännische Ausbildung absolviert und studieren an einer höheren Fachschule Betriebswirtschaft und Marketing neben ihren Vollzeitjobs. Simon arbeitet in einem Softwareunternehmen, Fabienne in einer Anwaltskanzlei.

Durch die frühere Tätigkeit in einer Textilfirma hat die 21-Jährige Kontakte zu Lieferanten aus der ganzen Welt. «Faire Arbeits­bedingungen sind uns ebenso wichtig wie Qualität, darum suchten wir einen Produktionspartner in Europa.» Nach aufwendiger Recherche und Korrespondenz fiel die Wahl auf ein Familienunternehmen in Istanbul. Seit Januar waren sie dreimal dort, entwarfen mit einem Designer vor Ort die Schnitte, feilten an Details.

Musterjacken wurden an Freunden auf ihre Passform getestet, Simon prüfte mit Kollegen auf Island die Kältetauglichkeit. Der Royal-Fox-Onlineshop öffnete im September. 280 trendige Parkas für sie und ihn in je drei Farben und 400 Beanie-Mützen trafen Anfang Oktober im angemieteten Lager und Showroom in Dällikon ein. Beim ­anknöpfbaren Pelzkragen oder Bommel aus der Flawiler Kürschnerwerkstatt können Kunden aus drei Färbungen wählen oder ganz darauf verzichten. «Ohne Pelz ist unsere Mode vegan, denn statt Daunen verwenden wir pflanzliche Thermofaser», sagt Fabienne.

Schnell bekannter werden

Die Finanzierung stemmten sie aus eigenen Mitteln, unterstützt von der Familie. «Ohne Bankkredit haben wir weniger Druck und können frei entscheiden», sagt Simon. Bislang haben sie vorrangig im Bekanntenkreis verkauft, profitieren von Weiterempfehlungen und setzen auf persönliches Netzwerk und Social Media. «Den Aufwand, unser Label bekannt zu machen, haben wir unterschätzt», räumt Fabienne ein. Beide hoffen, die Gewinnschwelle diesen Winter zu erreichen.

Neben dem Onlinevertrieb setzen die zwei auf den Verkauf im Detailhandel, so findet man Royal Fox bereits bei Jet Sport in Rümlang und dem neu eröffneten Lieblingsmarkt in Winterthur. Mindestens zweimal wöchentlich treffen sich die Geschwister zur Lagebesprechung. Viel Freizeit bliebe ihnen nicht, aber die Sache sei es wert, ziehen die beiden Tierfreunde eine erste Bilanz. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 08.11.2018, 15:13 Uhr

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Weitere Infos: www.royalfox.org

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