Embrach

Wieviel Nähe in der Schule darf sein?

Wegen der sexuellen Übergriffe im Fall von Jürg Jegge wurde die Schule Embrach anfangs Jahr plötzlich mit Medienanfragen überhäuft. Aufgrund dieser Reaktionen sah Schulpräsident Philipp Baumgartner Handlungsbedarf.

Ziel der Primarschule Embrach ist es, einen Verhaltenskodex für die Lehrerschaft zuerstellen.

Ziel der Primarschule Embrach ist es, einen Verhaltenskodex für die Lehrerschaft zuerstellen. Bild: Iris Andermatt

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Philipp Baumgartner hat ein spezielles Amtsjahr hinter sich. Vor ein paar Monaten musste er als Schulpräsident der Primarschule Embrach zahlreiche Medienanfragen bewältigen, als sexuelle Übergriffe des früheren Lehrers Jürg Jegge an die Öffentlichkeit kamen. «Wir befanden uns plötzlich mitten in einer Geschichte, mit der wir eigentlich keine Berührungspunkte hatten. Die Ereignisse lagen Jahrzehnte zurück», sagt Baumgartner. «In der Folge stellten wir uns die Frage: Was machen wir, wenn wieder so etwas passiert?»

Veränderung in der Schule

Eine Konsequenz dieser turbulenten Zeit war, dass Baumgartner für die Zukunft anders vorbereitet sein wollte. Zusammen mit der Fachstelle Limita zur Prävention von sexueller Ausbeutung und dem Kommunikationsberater Patrick Rohr hat er deshalb als erste Massnahme einen Anlass zur Sensibilisierung im Umgang mit sexuellen Übergriffen in Embrach organisiert. Gekommen sind über 100 Lehrpersonen, Behördenvertreter und Jugendarbeiter der Gemeinde.

Früher herrschte an Schulen eher ein militärischer Umgang. Lehrer hatten eine Aufsichtsfunktion, Kinder wurden auch mal geschlagen. Schläge sind heutzutage klar unzulässig. Im Schulbetrieb geht es heute um Beziehungsarbeit. Erwartungen und Sensibilität haben zugenommen. Das führt aber auch zu Verunsicherungen, stellten Baumgartner, wie auch Peter Kubli von der Bildungsdirektion des Kantons Zürich und Jürg Brühlmann, ehemaliger Leiter der Pädagogischen Arbeitsstelle des Lehrer-Dachverbandes im Gespräch fest.

Schwellen einbauen

Wenn heute Pädagogik als Beziehungsarbeit verstanden wird, bedingt das Nähe, aber auch professionelle Distanz. Gerade auch Männer würden mit dem Thema aber alleine gelassen. Zwischen Schülern und Lehrpersonen bestehe immer ein Machtgefälle und ein Abhängigkeitsverhältnis. Ute Spiekermann, Mitarbeiterin der Fachstelle Limita, stellte am Weiterbildungsanlass deshalb viele Fragen, um die Lehrpersonen zu sensibilisieren. «Was zunächst harmlos anmutet, kann Tür und Tor für Missbrauch und Übergriffe öffnen», stellt Spiekermann klar.

Es gehe nicht darum, ohne konkreten Anlass Personen zu identifizieren, die möglicherweise übergriffig werden. Als Prävention sei es aber richtig und wichtig, dass sich ein Lehrerkollegium über wiederkehrende Situationen Gedanken mache und kläre, wie kritische Fälle vermieden werden können und was nicht akzeptiert werde. «Klare Haltungen einer Schulleitung bauen Schwellen für Übergriffe ein», ist Spiekermann überzeugt. Und: «Wir müssen auf der Seite der Kinder stehen.»

Dieser Haltungsfrage will sich die Primarschule Embrach stellen. So sagt Baumgartner: «Diese Veranstaltung war der Startschuss für einen langen Weg. Ziel ist es, einen Verhaltenskodex zu erarbeiten und unser Krisenkonzept zu verfeinern. Die Mitarbeitenden müssen spüren, dass etwas läuft». Peter Kubli, von der Bildungsdirektion des Kantons Zürich, der auch als Diskussionsteilnehmer auf der Bühne stand meinte: «Ich bin begeistert von diesem Anlass und hoffe, dass das Beispiel auch andere Schulen animiert, diesen Weg zu gehen.»

Erstellt: 08.12.2017, 17:31 Uhr

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