Flughafen

Will die Swiss, dass wir zu Hause bleiben?

Die neue Swiss-Kampagne «Made of Switzerland» betont, wie schön die Schweiz doch ist und wie die typischen Qualitäten wie Freundlichkeit oder Sauberkeit auch im Flugzeug gelebt werden. Die Bilder im Werbevideo machen dabei Lust auf Ferien in den Bergen. Für Schweizer bedeutet das im Umkehrschluss: Lieber nicht wegfliegen.

In der Schweiz grüsst man nicht nur Freunde, sondern auch Fremde, sagt der Sprecher im Swiss-Werbevideo und will damit die Schweizer Freundlichkeit in den Flugzeugen anpreisen. Daneben macht die Swiss auch gute Werbung für das Wandern in den Schweizer Bergen.

In der Schweiz grüsst man nicht nur Freunde, sondern auch Fremde, sagt der Sprecher im Swiss-Werbevideo und will damit die Schweizer Freundlichkeit in den Flugzeugen anpreisen. Daneben macht die Swiss auch gute Werbung für das Wandern in den Schweizer Bergen. Bild: Screenshot Swiss-Werbung

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Klare Bergseen, Alpenlandschaften, Fondue-Essen in den Bergen, Freunde treffen im Restaurant: In der neuen Swiss-Werbung macht die Fluggesellschaft Lust auf Ferien in der Schweiz. Hier gibt es überall frisches, trinkbares Wasser, sagt der Erzähler im Werbefilm, nicht nur in Flaschen, wie im Ausland. Hier machen die Menschen ihr Bett sogar, wenn sie im Hotel übernachten. Und der Käse ist nicht nur eine Vorspeise, sondern als Fondue auch eine ganze Mahlzeit, sagt mir der Sprecher.

Der Swiss-Werbefilm macht mir also Lust auf Fondue und zeigt wie grossartig die Schweiz ist. «Made of Switzerland» heisst die neue Marketing-Kampagne. Und diese will neben der Hauptbotschaft, dass die Fluggesellschaft schweizerisch ist, auch darauf hinaus, dass Swiss die besten Qualitäten der Schweiz auch im Flugzeug erlebbar macht. Als Gast statt als Passagier reisen. Im Flugzeug lokale Spezialitäten geniessen. Und sich auf Reisen wie zu Hause fühlen. Beiläufig erwähnt ähnelt das eine wenig dem Slogan «Flights made in Switzerland» der Berner Skywork-Airlines.

So beabsichtigt?

Für Personen im Ausland funktioniert die neue Werbung bestimmt auch gut. Nur: Für mich als Schweizer nicht. Nach all den schönen Bildern unserer Landschaften will ich bestimmt keinen Flug ins Ausland buchen. Ich möchte jetzt hier bleiben, die Schweiz entdecken, in diesen klaren Bergsee springen. Ob das die Swiss mit ihrem Video bezweckt hat? Wohl kaum.

Wieso zumindest die schweizerdeutsche Version nicht eine andere Botschaft rüberbringt, ist schleierhaft. Zumal die Werbung zu Beginn auf französisch, italienisch und englisch jeweils einen etwas anderen Inhalt hatte. Anstatt die Stadt nach einer Feier sauber zu putzen gab es in der italienischen und französischen Version einen Alpaufzug, wo der Hirt einen Kuhfladen aus dem Weg räumt. Das kam wohl nicht überall gut an, denn in den neusten Videos gibt es weder feiernde Menschen in der Stadt noch den Alpaufzug, die Bilder sind in allen Sprachversionen gleich.

Auf den Plakaten klappt die Kampagne etwas besser, unter «Nicht als Passagier reisen, sondern als Gast» kann ich mir eher etwas vorstellen. Für mich bleibt aber vor allem ein Verdacht hängen: Die Swiss will mit ihrer Kampagne mit der Brechstange durchsetzen, dass sie durch und durch schweizerisch ist. Dabei zielt sie auf jene Bünzlis, die online unter jeden Artikel schreiben, dass die Swiss eine deutsche Fluggesellschaft sei und man gefälligst nicht über diese Lufthansa-Marionette reden soll.

Dabei ist diese Gruppe von Ewiggestrigen eine Minderheit, welche wohl auch kaum gemerkt hat, dass viele börsenkotierte Schweizer Unternehmen in der Hand von ausländischen Aktionären sind. Die ehemaligen Swissair-Töchter SR Technics, Swissport und Gategroup sind mittlerweile in der Hand eines rasant wachsenden chinesischen Konzerns, wobei solche Jagd-Strategien hier seit 15 Jahren auch nicht mehr so beliebt sind.

Den meisten Schweizern ist aber bereits klar, dass nicht entscheidend ist, wer die Firma besitzt, sondern was diese für das Land und die Region leistet. Für Kloten ist die Swiss nicht nur ein guter Steuerzahler, der tausende Schweizer Arbeitnehmer beschäftigt, sondern man ist zurecht auch stolz auf die Schweizer Fluggesellschaft, wie die Heckflosse im Kreisel bezeugt. Dazu braucht es keine «Made of Switzerland»-Kampagne.

Aber, das muss auch gesagt sein, die Swiss ist nicht zuletzt eine hervorragende Botschafterin für die Qualitäten der Schweiz — für den Rest der Welt. Dort ist die «Made of Switzerland»-Kampagne ein Volltreffer. Hier weniger. Wobei, mal wieder Ferien in den Schweizer Bergen machen, da gebe ich der Swiss schon recht, das wäre mal wieder was. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 19.08.2016, 16:27 Uhr

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