Zum Hauptinhalt springen

«Wir befinden uns im Moment in einer Pionierphase»

Die Kirchenpflege der vereinten reformierten Kirche Furttal ist seit wenigen Wochen im Amt. PräsidentPeter Randegger erzählt, warum für ihn die Turbulenzenkurz vor Amtsantritt nicht überraschend kamen und welche Grundsatzfragen ihn zurzeit beschäftigen.

Peter Randegger ist seit dem 1. Juli Präsident der neuen reformierten Kirchenpflege Furttal.
Peter Randegger ist seit dem 1. Juli Präsident der neuen reformierten Kirchenpflege Furttal.
Paco Carrascosa

Am 1. Juli haben sich die reformierten Kirchgemeinden Buchs, Dällikon-Dänikon und Regensdorf zur Kirche Furttal zusammengeschlossen. Damit ist aber nicht das gesamte reformierte Furttal vereint. Bereits vor einem Jahr hatte die Kirchgemeinde Otelfingen-Boppelsen-Hüttikon entschieden, auf einen Anschluss zu verzichten. Im April fanden die Wahlen für die gemeinsame Kirchenpflege Furttal statt. Damals konnten zwar alle Mitglieder bestimmt werden, das ab­solute Mehr für das Präsidium erreichte aber niemand.

Nachdem Peter Randegger Mitte Juni im zweiten Wahlgang zum Präsidenten gewählt wurde, verliessen seine beiden Konkurrenten die Kirchenpflege noch vor Amts­antritt (siehe rechts).

Peter Randegger, mit dem Rücktritt zweier gewählter Mitglieder kurz vor Amtsantritt verlief der Start der neuen Reformierten Kirchgemeinde Furttal mit Misstönen. Wie haben Sie die letzten sieben Wochen erlebt?Peter Randegger: Es hat viel Arbeit ge­geben, das ist keine Frage. Wir sind als Behörde aber sehr gut gestartet und haben uns konstituiert. Zwar sind wir zurzeit als Gremium noch nicht vollständig, wir sind aber jetzt schon eine sehr gute Crew.

Wie fest haben Sie die beiden Rücktritte kurz vor Amtsantritt beschäftigt? Bei solchen Dingen gibt es natürlich immer eine Innen- und eine Aussenansicht. Was für Aussenstehende sehr unerwartet kam, war für mich nicht überraschend.

Sie haben also damit gerechnet, dass ­Harry Etzensperger und Christoph Burri ihr Amt nicht antreten, wenn Sie zum ­Präsidenten gewählt werden? Bei Harry Etzensperger als ehemaligem Präsidenten ganz klar ja. Ich hätte an seiner Stelle genau gleich gehandelt. Wenn ein neuer Kapitän kommt, dann verlässt der alte das Schiff. Persönlich finde ich das Ganze natürlich schade. Harry Et­zens­perger und ich haben in der Vergangenheit hervorragend zusammengearbeitet.

Und wie ist es mit Christoph Burri? Er hätte meiner Meinung nach nicht ­zurücktreten müssen. Klar, er wollte ­selber Präsident werden und hat dieses Ziel nicht erreicht. Trotzdem hätte ich gerne mit ihm zusammen weitergearbeitet. Doch er hat sich anders entschieden, und dafür habe ich vollstes Verständnis.

Wenn die Rücktritte für Sie nicht über­raschend kamen, haben Sie diese mit Ihrer Kandidaturfürs Präsidium also in gewisser Weise in Kauf genommen? Ja, das kann man so sagen, auch wenn es nicht einfach war. Für die Präsidiums­kandidatur entschieden habe ich mich aufgrund des Ergebnisses des ersten Wahlgangs. Burri und Etzensperger, die damals fürs Präsidium kandidierten, ­erhielten nur wenige Stimmen. Ich habe darauf von verschiedenen Leuten gehört, dass sie eigentlich lieber mich als Präsidenten sehen würden. Diese Situation hat mich aber definitiv in ein Dilemma gebracht. Sollte ich als Präsident antreten oder nicht? Das war eine Gewissensfrage.

Wie machen sich die zwei ­fehlenden Mitglieder in der ­Behörde nun bemerkbar? Wir haben das grosse Glück, dass wir Jacqueline Stettler für uns gewinnen konnten. Sie hatte im ersten Wahlgang als Mitglied kandidiert, aber nicht ge­nügend Stimmen erhalten. Sie tritt nun erneut an, ist aber bereits jetzt mit dem Ressort Finanzen beauftragt – die Kirchgemeindeordnung erlaubt uns dieses Vorgehen. Als Treuhänderin ist sie natürlich perfekt für dieses Ressort. Wir gehen fest davon aus, dass sie gewählt wird.

«Ich kann mir gut vorstellen, auch die Mitglieder der Kirchgemeinde zu Diskussionen einzuladen, auch wenn die Emotionen dann vielleicht mal hochgehen – im Bereich Kirche fliesst immer auch Herzblut mit.»

Peter Randegger, Präsident Kirchenpflege Furttal

Dann fehlt also nur noch eine Person. Wen würden Sie sich wünschen? Wenn ich ganz offen sein darf, dann wäre mein Wunschkandidat männlich, aus Regens­dorf und nicht über 50. (lacht)

Sie spielen auf die «gerechte» Verteilung der Ortskirchen in der neuen Kirchenpflege an. Ist diese denn nun geglückt? Auf jeden Fall. Wir sind zwei aus Buchs, zwei aus Dällikon-Dänikon und mit Jacqueline Stettler und mir zwei aus Regensdorf. Mit einem siebten Mitglied aus Regensdorf wäre die Verteilung nach Lehrbuch. Aber jetzt im Ernst: Natürlich wünschen wir uns einfach eine fähige Person, die gut in die Behörde passt, egal aus welcher Ortskirche. Ich bin sowieso der Meinung, dass wir uns im Moment in einer Pionierphase befinden. Da ist nichts in Stein gemeisselt, nichts ist für die Ewigkeit.

Für wie lange planen Sie denn­persönlich? Ich bin bald 66 und mache das sicher keine zwölf Jahre mehr. Ich rechne mit einer bis zwei Amtsperioden. Darum ist eine aus­gewogene Verteilung in einer Behörde wichtig. Mit Melanie Körtner und Stephan Rompf haben wir zum Glück zwei sehr junge Mitglieder.

Was beschäftigt Sie zurzeit am meisten in der Kirchenpflege? Wir sind in einer Phase, in der vieles erst definiert werden muss. Wir müssen die Ausrichtung bestimmen, die dann auch von allen getragen wird. Diese möchten wir in Form von Leitvorstellungen formulieren. Zuerst müssen aber wichtige Fragen geklärt werden. Wie fest sollen sich die Gottesdienste in den einzelnen Ortskirchen von­ein­ander unterscheiden? Öffnen wir die Kirchen für externe Anlässe wie Konzerte? Wie schaffen wir es, die Jungen beim Glauben zu halten? Unsere Leitvorstellungen müssen breit abgestützt sein. Es reicht nicht, wenn nur die ­Kirchenpflege Ja sagt dazu. Ein wichtiger Punkt sind sicher auch die Ortskirchengremien. Wie viele Kompetenzen sollen diese haben? Die Fragen, die uns zurzeit beschäftigen, sind hoch spannend.

Wie fest werden die Gemeindemitglieder in diese Fragen ­miteinbezogen? Ich bin sehr dafür, dass unser weiteres Vorgehen breit abgestützt ist, und kann mir gut vorstellen, auch die Kirch­gemeindemitglieder zu Diskussionen einzuladen, auch wenn die Emotionen dann vielleicht mal hochgehen – im Bereich Kirche fliesst immer auch Herzblut mit.

Wie fest bedauern Sie, dass die Kirchgemeinde Otelfingen-Boppelsen-Hüttikon im letzten Sommer den Alleingang beschlossen hat und nun kein Teil der vereinten Kirchgemeinde ist? Ich hätte natürlich lieber gehabt, wenn wir den Startprozess alle miteinander hätten gestalten können. Ein späterer Anschluss ist schwieriger, man kann dann nicht wieder bei null beginnen.

Aber die Hoffnung besteht, dass irgendwann das ganzereformierte Furttal vereint ist? Für mich ist dies eine relativ logische Sache, aber der Zeithorizont ist noch nicht klar. Die ­Türen stehen für Otelfingen-Boppelsen-Hüttikon jedenfalls immer offen.

Wenn Sie nun auf diesen ganzen Zusammenschlussprozess zurückblicken, dann hat es viele Stolpersteine und Meinungsverschiedenheiten gegeben. Kehrt nun langsam Ruhe und Alltag ein? Eine Konsolidierung ist sicher da. Das Hin und Her gehört aber zu so grossen Projekten und ist sicher auch noch nicht ganz abgeschlossen. Ich rede ja eigentlich lieber von Unebenheiten – das klingt schöner. Wichtig ist, dass wir miteinander reden und verhandeln, und vielleicht gibt es auch mal «Krach». Ich bin froh, dass seit dem 1. Juli die Arbeit da ist. Wenn man auf die Arbeit warten muss, dann macht das die Leute nervös. Jetzt können wir anpacken und positiv in die Zukunft schauen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch