Wallisellen

«Wir Kleinen gewinnen auf Kosten der Grossen»

Was einst als Hobby seinen Anfang nahm,ist mittlerweile zu einem prosperierenden Unternehmen geworden. Patric Eggler, Mitbegründer und Geschäftsführerder Hardwald AG, über die bisherige Entwicklung und dieZukunftspläne der regionalen Kleinbrauerei.

Patric Eggler beschäftigt sich in seinem Berufsleben vor allem mit Zahlen aus dem Steuerwesen. Der Hobby-Bierbrauer verzeichnet aber auch steigende Umsätze seines Hardwald-Biers, das in Wallisellen auf dem Zwicky-Areal gebraut wird. Foto:

Patric Eggler beschäftigt sich in seinem Berufsleben vor allem mit Zahlen aus dem Steuerwesen. Der Hobby-Bierbrauer verzeichnet aber auch steigende Umsätze seines Hardwald-Biers, das in Wallisellen auf dem Zwicky-Areal gebraut wird. Foto: Bild: Sibylle Meier

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Tagsüber schlägt sich Patric Egg­ler, von Beruf Steuerexperte, mit Zahlen und Steuerrecht herum. Nach Feierabend und an Wochenenden widmet sich der junge Familienvater aber ganz dem Thema Bier. Als Geschäftsführer der Hardwald Brauerei AG im Nebenpensum kümmert er sich um alles, was nicht direkt im Kessel braut. Für den letzteren Bereich ist der Braumeister Konrad Anding zuständig. «Er ist bislang unser einziger zu 100 Prozent angestellter Mitarbeiter», erklärt Eggler.

Das dürfte sich schon bald ändern. Denn die regionale Kleinbrauerei auf dem Zwicky-Areal, die nach dem Leitsatz lebt, dem Glattal ein bisschen Bieridentität zu stiften, befindet sich auf Wachstumskurs. 42 000 Liter Gerstensaft in fünf verschiedenen Sorten hat die Hardwald AG allein im vergangenen Kalenderjahr produziert und im Einzugsgebiet zwischen den beiden Städten Zürich und Winterthur vertrieben.

Viele glückliche Umstände

Eine Anzahl von glücklichen Umständen führte 2011 zur Firmengründung im damals noch verschlafen wirkenden Neugut-Quartier. Zugrunde lag ein fiktiver Businessplan für eine Kleinbrauerei, den Eggler während seines Universitätsstudiums erstellt hatte. Mit im Spiel war auch sein Vater, Inhaber eines Produktionsbetriebs für Getränkekonzentrate, der zum gleichen Zeitpunkt einen Mitarbeitenden mit den Qualifikationen eines Brauers suchte. Fündig wurde Vater Eggler in Hannover. Der ins Auge gefasste Bewerber konnte nebst seiner Berufserfahrung auch die Infrastruktur einer voll funktionstüchtigen Kleinbrauerei anbieten, welche er aus wirtschaftlichen Gründen schliessen musste.

«Theoretisch könnten wir unsere Maximalproduktion von heute 90 000 Litern auf jährlich neu 330 000 Liter fast vervierfachen.»Patric Eggler

Der Realisierung des Businessplans seines Sohnes stand nun nichts mehr im Wege. Unterstützung erhielt Sohn Patric dabei von der Arealbesitzerin Monica Zwicky und vom Juristen Stephan Neidhardt, einem Ur-Walliseller und passionierten Bier­trinker.

Expansion sei in der Anfangszeit kein Thema gewesen, räumt Eggler rückblickend ein. «Es war vielmehr ein intensives Hobby.» Doch das Hobby lief überraschend gut, viel besser als erwartet. Der Ausstoss konnte von Jahr zu Jahr gesteigert werden. Erst 2015 habe man sich nach langer Diskussion für eine Vorwärtsstrategie entschieden.

Brauerei-Restaurant geplant

Auch in jüngster Vergangenheit war die Firmenentwicklung von Glücksfällen geprägt. Vor kurzem konnte zu vorteilhaften Bedingungen ein Grossteil der Anlagen der Surselva Bräu übernommen werden , welche ihren Betrieb per Ende Oktober 2017 eingestellt hat. Herzstück der gekauften Anlagen bildet das 1000-Liter-Sudhaus eines führenden europäischen Brauereimaschinenherstellers. Diese Infrastrukturübernahme erfolgt im Zusam-menhang mit einem Neubau-projekt. Laut Eggler soll ab An-fang 2019 auf dem Zwicky-Areal ein Brauerei-Restaurant mit vollständig integriertem Sudhaus eröffnet werden.

«Unsere bisherige Anlage taugt zwar für die Produktion, ist aber optisch nicht sehr ansprechend», begründet der Hardwald-Chef den Zukauf. Nicht zuletzt ermöglicht die Anlage aus dem bündnerischen Flims auch eine massive Kapazitätssteigerung. «Theoretisch könnten wir unsere Maximalproduktion von heute 90 000 Litern auf jährlich neu 330 000 Liter fast vervierfachen», rechnet Eggler vor.

Eine Vergrösserung wird ferner der Gär- und Lagerkeller erfahren. Das neue Lagervolumen wird nach der Installation der neuen Tanks rund 30 000 Liter betragen. Derzeit laufe die Brauerei Hardwald AG mit ihren Lagermöglichkeiten am Limit.

Entgegen dem schweizweiten Trend, der auf eine Stagnation respektive auf einen leichten Rückgang zusteuere, seien Kleinbrauereien nach wie vor auf dem Vormarsch, sagt Eggler zum gegenwärtigen Marktumfeld. Es herrsche zwar ein harter Verdrängungskampf und das Volumen stagniere. Der Durst der einheimischen Konsumenten nach Bier habe im vergangenen Jahr etwas nachgelassen. «Wir kleinen Brauereien gewinnen aber Marktanteile auf Kosten der Grossbrauereien.»

(Zürcher Unterländer)

Erstellt: 09.01.2018, 15:44 Uhr

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Weitere Informationen findet man unter www.brauerei-hardwald.ch.

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